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Firmeninterne Konkurrenz vermeiden


In vielen Betrieben hat der Begriff »Kooperation« einen negativen Beigeschmack. Unternehmen, in denen die Mitarbeiter kooperativ zusammenarbeiten, sich füreinander und für das Gemeinwohl einsetzen und weniger Wert auf die persönliche Bereicherung legen, scheinen so manchen an den Sozialismus zu erinnern. Doch Kooperation bedeutet lediglich, dass »das Ergebnis ein gemeinsam erarbeitetes Produkt ist, dass jeder das gleiche Ziel verfolgt und der Erfolg des einen untrennbar mit dem Erfolg des anderen verknüpft ist ... Sowohl Ideen als auch Werkstoffe und Ausrüstung werden gemeinsam genutzt, es herrscht Arbeitsteilung, sofern dies erforderlich ist, und jedes Teammitglied wird nach erfolgreichem Abschluss der Arbeit belohnt.«2° Bedauerlicherweise hat sich das Missverständnis eingeschlichen, dass das Konkurrenzdenken, das sich in der Ökonomie als scheinbar erfolgreichstes Wirtschaftssystem durchgesetzt hat, als Managementpraxis innerhalb der Unternehmen ebenso erfolgversprechend ist. Doch Konkurrenz in der freien Marktwirtschaft kann hinsichtlich ihres Ergebnisses nicht mit der Konkurrenz unter Kollegen gleichgesetzt werden. In einem firmeninternen Konkurrenzkampf entstehen sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Unternehmen nicht unerhebliche Schäden. Da jedoch zwischen den beiden Schauplätzen des Konkurrenzkampfs nicht unterscheiden wird, stellen viele Unternehmen einer falschen Logik folgend Praktiken auf, die den internen Konkurrenzkampf unterstützen: Individuelle Leistungsbewertung, Prämien und Anerkennung, um die hart gekämpft wird, Beförderungen in Positionen, in die nur jeweils ein Mitarbeiter gelangen kann, und andere Praktiken, die dazu führen, dass Kollegen gegeneinander und nicht miteinander arbeiten. Diese Vorstellungen und die damit verbundenen Praktiken wirken sich fast immer negativ auf die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens und das Wohlergehen der Belegschaft aus. British Petroleum erlebte seinen Aufschwung in den neunziger Jahren, weil die unterschiedlichen Geschäftsbereiche in einer Unternehmenskultur mit starker Betonung der Kooperation ihr Wissen teilen und voneinander lernen konnten. The Men's Wearhouse ist so erfolgreich, weil das Verkaufspersonal im Team arbeitet und nicht der Erfolg des Einzelnen, sondern der des ganzen Teams zählt. »Dem Kunden ist es letztendlich egal, wer die Provision erhält, für ihn zählt die gute Atmosphäre. Deshalb verkaufen wir im Team. Ein Fachverkäufer kann dem Kunden eine Tasse Kaffee anbieten, ein anderer fragt nach, ob er die Kleidung bügeln soll, während der Kunde neue Sachen anprobiert, und ein Dritter führt den Kindern des Kunden vielleicht so lange einen Videofilm vor. « Einer der Gründe für die niedrige Personalfluktuation bei SAS Institute ist, dass sich die Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen, da sie nicht ständig Angst haben müssen, es könnte sie jemand schlecht machen. Im Gegensatz dazu konnte bei Fresh Choice unmittelbar nach dem Erwerb von Zoopa aufgrund des firmeninternen Gerangels um Positionen und Status und der daraus folgenden Unsicherheit und Angst der Mitarbeiter kein wechselseitiger Lernprozess stattfinden. Ähnlich verhielt es sich bei General Motors. Auch hier verhinderte die innerbetriebliche Konkurrenz, dass die Mitarbeiter voneinander lernten und ihr Wissen mit jemandem teilten, da sie in jedem Kollegen einen potenziellen Rivalen vermuteten. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass sich Menschen in einem Arbeitsklima der kooperativen Zusammenarbeit wohl fühlen. Eine Studie über 180 Mitarbeiter aus fünf verschiedenen Unternehmen ergab, dass »Arbeitnehmer, die ähnliche Ziele verfolgen, sehranspruchsvoll sind, Ressourcen gemeinsam nutzen und Konflikte sehr gut lösen können. Durch Kooperation verbessert sich das Arbeitsklima, die Arbeitsmoral und die Produktivität.« John F. Donnelly, der Firmenchef von Donnelly Mirrors, meinte in diesem Zusammenhang: »Spaß an der Arbeit und Zufriedenheit im Job lassen sich sowohl im Team als auch alleine verwirklichen. Für das Geschäft ist dies sehr gut, da es in der Industrie auf Teamgeist ankommt . . . Natürlich braucht man qualifizierte Mitarbeiter, aber einer allein kann die heutigen Anforderungen nicht erfüllen. Das gelingt nur im Team. «

Wissen lässt sich viel einfacher in die Tat umsetzen, wenn in den Unternehmen weder Konkurrenzkampf noch Angst herrschen. Wer glaubt, dass innerbetriebliche Konkurrenz die Mitarbeiter zu hohen Leistungen anspornt, verwechselt Konkurrenz mit Motivation. Die innerbetriebliche Konkurrenz und die daraus entstehenden Konflikte zwischen den Kollegen haben nichts mit dem Interesse des Unternehmens zu tun, den Konkurrenzkampf auf dem freien Markt erfolgreich zu bestreiten.

 

 

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