Economia48 Projekt Wirtschaftslexikon Management Lexikon Lexikon Wirtschaft
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

Fabriken


Das ist zutreffend. Aber auch hier darf man nicht Ursache unc Wirkung verwechseln, wie das überall in der historischen unc politischen Literatur geschieht. Natürlich hatte die Konzentration der Menschenmassen, die vom Land in die industrieller Ballungszentren zogen, schreckliche Zustände im Gefolge. Die Städte, deren Infrastruktur noch mittelalterlich war (ungepflasterte Straßen, mangelhafte Wasserversorgung, fehlende Kanalisation usw.), wurden zu Alptraum-Orten aus Schmutz, Ruß, Fäkalien und Raumnot. Besonders die Stadt Manchester, derer Bevölkerung sich von 1750 bis 1830 von 17.000 auf 180.000 Einwohner mehr als verzehnfachte, wurde zu einem planlos wuchernden Moloch aus Fabriken und Elendshütten.

All das Elend hat sich jedoch nicht faktisch, sondern nur optisch verschlimmert. Nicht das Ausmaß an Armut und Not hai sich mit der Massenwanderung der Menschen in die ersten Fabriken vergrößert, sondern die Sichtbarkeit und Wahrnehmung desselben. „Die Zusammenballung der Menschen in den Betrieben“, schrieb der deutsche Rechtsgelehrte Franz Böhm, „machte die Erscheinung publik... Im Feudalismus war das Massenelend latent und in die Vereinzelung gedrängt, im Rechtsstaat wurde es offenbar... Natürlich verhält es sich nicht so, daß der Industrialismus die Massen bitterarmer Menschen erst geschaffen hat, er fand sie vor.“ (Böhm 1960, S. 113)

Jedenfalls wäre die Landbevölkerung nicht zu Hunderttausenden in die Fabrikstädte geströmt, wenn es ihnen dort nicht besser, sondern schlechter (oder auch nur gleich schlecht) gegangen wäre als an ihren vorherigen Aufenthaltsorten. Es ist kaum vorstellbar, in welches Chaos aus Hunger und Elend das alte Europa gestürzt wäre, wenn die Industrielle Revolution nicht — gewissermaßen in allerletzter historischer Minute —stattgefunden hätte. Was der Kapitalismus, der angeblich Massenelend erzeugt haben soll, der abendländischen Menschheit wirklich gebracht hat, läßt sich — wenn auch nur andeutungsweise — bei einem Blick auf jene Dritte-Welt-Länder erahnen, die — bei vergleichbarer Bevölkerungsentwicklung — noch in vorindustriellen Gefügen verharren. Aber, wie gesagt, läßt sich das nur andeutungsweise erahnen, denn wären diese Länder nicht an die Milliarden-Dollar-Ströme aus den kapitalistischen Ländern angeschlossen, so wären die dortigen Lebensverhältnisse noch katastrophaler.

 

 

Diese Seite als Bookmark speichern :

 

 

Weitere empfehlenswerte Webseiten:

Liquiditätsmanagement beim Turnaround-Management

Der Sprung vom Kunden zur Strategie bei Trends

Bei der Digitalisierung betriebliche Funktionen zum Kunden auslagern

 

Startseite | Themen | Projekt | Kontakt | Impressum | Rechtliche Hinweise

1| 2| 3| 4| 5| 6| 7| 8| 9

Copyright © 2011 All rights reserved. Wissensarchiv für Wirtschaft