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Für eine neue Kultur unternehmerischen Handelns und Annäherungen


Zunächst: Warum der Begriff „Entrepreneurship“ im Titel dieses Buches? Es gibt im Deutschen kein Wort, das die Bedeutung von Entrepreneurship einigermaßen zutreffend wiedergeben würde. Unternehmertum? Das klingt sehr nach gesetzten Herren im grauen Anzug beim Verbandstreffen der Mittelstandsvereinigung, nicht gerade nach kreativen Ideen und Neuanfang. Unternehmensgeist? Ja, das wäre der richtige Begriff, wenn er denn deutlich machte, daß es um unternehmerische Initiativen geht und um die Gründung und Startphase eines Unternehmens. Bleiben wir also vorerst bei Entrepreneurship. Wir verstehen darunter die Entwicklung einer unternehmerischen Idee und ihre Umsetzung im Markt.

Bleiben wir beim englischen Sprachgebrauch. Es fällt auf, daß dort eine Unterscheidung zwischen entrepreneurship und business administration gemacht wird. Warum diese Differenzierung? Sie will das innovative Moment und den Neuanfang betonen im Gegensatz zu Unternehmensverwaltung (administration). Im Deutschen wird am häufigsten der Begriff Unternehmensführung verwendet, der diese Unterscheidung nicht deutlich macht. Darüber hinaus stößt man in der anglo-amerikanischen Literatur auf eine differenziertere Betrachtung des Unternehmers, die in der deutschen Literatur und auch in der politischen Diskussion nicht vorgenommen wird. „Whereas English speakers identify entrepreneurship with new, small business, the Germans identify it with power and property, which is even more mistaking. The Unternehmer – the literal translation into German of.. entrepreneur – is the person who both owns and runs a business (the English term would be owner – manager)“ (Drucker, 1993, S. 25) Betrachten wir die Behandlung der Figur des Unternehmers in der Wirtschaftstheorie näher. Eine Überraschung wartet auf uns. Erstaunlicherweise wird der Unternehmer in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur weitgehend ausgeblendet. „Entrepreneurship is an important and, until fairly recently, sadly neglected subject“, sagt Mark Casson (1990, S. XIII), den man als Wiederentdecker der Unternehmerfigur bezeichnen könnte.

Vor allein in den USA hat sich in den letzten zehn Jahren eine neue Forschungsrichtung etabliert, die die eigenständige Funktion des Entrepreneurs im Gegensatz zu der des Managers herausarbeitet. Warum wird soviel Nachdruck auf diese Unterscheidung gelegt? Weil eine eigene Qualität vorliegt, etwas Neues. „The essence of entrepreneurship is being different“ sagt Casson. Was ist daran so andersartig? Der Manager, so könnte man argumentieren, muß sich in der Normalität und im Betriebsalltag bewegen, während für erfolgreiches Entrepreneurship genau die gegenteiligen Eigenschaften notwendig sind.

Der Entrepreneur ist auch nicht der Kapitalist, eine Unterscheidung, die schon auf J. B. Say zurückgeht und die von Joseph Schumpeter (zitiert nach der Auflage von 1993, S. 217), dem Klassiker in der wirtschaftswissenschaftlichen Beschäftigung mit Unternehmerverhalten, aufgegriffen wurde. Diese Unterscheidung ist von Bedeutung, da die beiden Funktionen in der Öffentlichkeit, teils aber auch in der Geschichte der Ökonomie, immer wieder wie eine einzige behandelt worden sind. Man kann den Unterschied mit einem aktuellen Bonmot umschreiben: „Der Entrepreneur schafft Arbeitsplätze, der Kapitalist setzt sie frei“. Der Entrepreneur hat eine Idee, gründet ein Unternehmen, stellt Leute ein. Der Kapitalist hat Geld, kauft sich in einem Unternehmen ein und versucht, die Verzinsung für sein Kapital zu verbessern. Er rationalisiert oder schließt unproduktive Teile des Unternehmens, setzt damit tendenziell Beschäftigte frei. Auch Schumpeter beschreibt den Entrepreneur aus dem Wunsch, Neues zu erschließen, gewohnte Bahnen zu verlassen und aus den (man höre!) träumerischen Gedanken Wirklichkeit werden zu lassen (a.a.O. S. 125 f.). Bei Schumpeter liegt die Betonung auf der Durchsetzung, nicht auf dem Erfinden. Die Unternehmerfunktion bestehe nicht darin, Erfindungen zu machen, sondern Wissen lebendig werden zu lassen und am Markt einzuführen (a.a.O. S. 128f.). Schumpeter selbst geht davon aus, daß mit der Innovation die bestehenden Strukturen zerstört werden. Er sah die in der Realität zu beobachtenden Märkte als von Oligopolen dominiert. Wettbewerb und damit eine effizientere Ressourcenallokation entstehe erst durch die auf diese Märkte drängenden neuen Unternehmer, die mit ihren Innovationen das bestehende Gleichgewicht am Markt zerstören. Dieser Mechanismus ist mit dem Begriff „kreative Zerstörung“ in die wirtschaftswissenschaftliche Diskussion aufgenommen worden.

Auf eine besondere Beziehung zwischen der unternehmerischen Vision und der Person verweist Hans Hinterhuber (1992): die unternehmerischen Ideen seien Ausdruck der eigenen Lebens- und Berufserfahrung. Er spricht sogar vom „Gefühl einer Sendung“. Erst dieses Bewußtsein setze die notwendigen Energien frei, um ein Produkt am Markt durchzusetzen. Der Autor nennt mehrere Beispiele für unternehmerische Ideen, die unsere Gesellschaft mehr als andere prägten, da ihre Entwickler über „eine Idee im Sinne Platons“ verfügten und von einer Art Sendungsbewußtsein beseelt waren: Gottlieb Duttweiler in der Schweiz mit seiner Idee, die überkommenen Handelsstrukturen aufzubrechen und Produkte deutlich billiger gerade den ärmeren Bevölkerungsschichten anbieten zu können, oder Steven Jobs und Stephen Wozniak mit ihrer Vision der Demokratisierung des Computers. Auch interessant der Hinweis, daß die unternehmerische Vision in der Regel „eine Idee von großzügiger, klassischer Einfachheit“ sei (a.a.O. S. 44). Dazu gehöre Realitätssinn: Einfälle allein seien noch keine Vision. Realitätssinn heiße, die Dinge wirklich so zu sehen, wie sie sind und nicht, wie sie in den Wünschen sein sollten. Und schließlich die Fähigkeit, sich aus der Realität zurückzuziehen, das „selbstherrliche“ Schaffen neuer Voraussetzungen, die die Spielregeln neu definieren. In der amerikanischen Literatur wird letzteres oft beschrieben mit „The entrepreneur has to put the odds in his favour“, auch und gerade wenn sich visionäre Unternehmensgründer bei der erstmaligen Präsentation ihrer Idee häufig nicht verständlich machen können.

 

 

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