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Es gibt doch viele menschliche Bedürfnisse, die vom Markt einfach nicht bedient werden können, weil sie jenseits des Marktes liegen. Das kann man auch des öfteren von kirchlicher Seite hören.


Das ist zwar vollkommen richtig, taugt aber in keiner Weise als Kritik am Markt. Daß die Marktwirtschaft alles kann, hat noch nie jemand behauptet, der seines Verstandes mächtig war. Der Einwand, die Marktwirtschaft könne viele Bedürfnisse nicht bedienen, ist genauso sinnlos wie wenn man am Sozialsystem eines Ameisenhaufens kritisieren würde, daß es nicht in der Lage sei, Lokomotiven zu bauen. Natürlich kann der Markt unendlich viel nicht. Er kann weder tiefe Liebe produzieren noch Freundschaft, weder die Familie ersetzen noch die elterliche Sorge für die Kinder, weder eine Symphonie komponieren noch ein Bild malen. Kein Wirtschafts- oder Gesellschaftssystem kann das. Das ist auch nicht seine Aufgabe. Aber der Markt kann durch seine menschlichen, rechtlichen und materiellen Freiräume sehr wohl mithelfen, daß die Welt jenseits des Marktes es leichter hat, sich überhaupt entfalten zu können. Unzählige Dinge nichtmaterieller Art, wie beispielsweise die heutzutage selbstverständliche Liebesheirat, sind erst dadurch möglich geworden, daß wir vermittels der einzigartigen Produktivität des Kapitalismus nicht mehr den unbarmherzigen Zwängen der schieren Existenzsicherung unterliegen. Und wer es trotzdem nicht lassen kann, dem Markt vorzuwerfen, daß er viele emotionale, metaphysische und seelisch-menschliche Bedürfnisse nicht bedienen könne, dem sei gesagt, daß diese Bedürfnisse noch viel weniger von Funktionären und Parteipolitikern bedient werden können. Und sie – die Politik, die Parteien und Funktionäre und deren zwingende Befehle – sind ja, wie schon mehrfach betont, die einzige Alternative zu Markt und Freiheit.

Was die Kirchen angeht, die sich oft und gern der besagten Kritik anschließen, so sollten sich ihre theologischen Experten einmal mit dem Gedanken befassen, daß es sich bei der Theorie des „Marktversagens“ letztlich um die Soft-Version eines eschatologischen Aberglaubens handelt. Es sei daran erinnert, daß der nationalsozialistischen und kommunistisch-realsozialistischen Ideologie eine Art Endzeit-Glauben gemeinsam war. Die einen glaubten an einen „letzten menschheitserlösenden Kampf“ gegen das Weltjudentum, die anderen an einen „letzten menschheitserlösenden Kampf“ gegen die Weltbourgeoisie. Der gemeinsame tiefenpsychologisch verankerte Nenner dieser teuflischen Totalitarismen war der Anti-Kapitalismus, die atavistische Furcht vor der Technisierung und der arbeitsteiligen Anonymisierung der modernen Zivilisation. Nach dem weltweiten Bankrott der beiden (eng verwandten) Ideologien lebt ihr gemeinsamer Urgrund in der Soft-Verpackung der Marktfeindschaft weiter, scheinheilig verpackt in den harmlos klingenden Mythos vom Marktversagen. Denn letztlich besagt dieser Vorwurf, daß der Markt nicht in der Lage sei, die Menschheit zu erlösen, und daß es hierzu eines bestimmten genialischen und gesinnungsethisch großartigen politischen Entwurfs bedürfe. Daß man dem solcherart „versagenden“ Markt mit dem Ausbau des Sozialstaats – also mit der heutzutage fast geheiligten Gewaltinstitution des sozialpolitischen Machbarkeitsglaubens – entgegentreten müsse, ist eine ersatzreligiöse und politisierte Form christlicher Erlösungslehre, also eine zutiefst antichristliche Blasphemie. Es ist mir unbegreiflich, daß die Herren in den theologischen Seminaren das noch nicht gemerkt haben.

 

 

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