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Es gibt aber doch Statistiken, die beweisen, daß in den letzten Jahren immer mehr Menschen in unserem Land unter die Armutsgrenze gerutscht sind.


Daß es diese Statistiken gibt, ist richtig, und die meisten Zahlen stimmen sogar. Und dennoch handelt es sich dabei meistens um Fälschungen und primitive Irreführungen. Das beginnt bereits bei der Definition von ‚Armut’. 1981 legte die Europäische Kommission fest: arm ist, wer weniger als halb soviel verdient wie das Durchschnittseinkommen der Bevölkerung eines Landes. Da es in einem reicher werdenden Land hinsichtlich der Einkommen immer Vorauseilende und Nachzügler gibt, wird also – nach dieser Definition – der Prozentanteil der „Armen“ um so mehr und um so rascher wachsen, je schneller und je mehr das Durchschnittseinkommen des betreffenden Landes wächst. Der Journalist Wolf Schneider hat einmal gespottet: „Sollte eines fernen Tages das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in einem Land auf zwei Millionen steigen, so würden die einfachen Millionäre sich unterhalb der Armutsgrenze wiederfinden.“ (Schneider 1997) Ein weiterer Trick der politischen Scharlatane, die mit der Armuts- und Reichtumsstatistik in der Tasche herumlaufen, besteht darin, das sogenannte Sozialvermögen der Bundesbürger einfach zu unterschlagen. Wie jedermann weiß, beziehen Selbständige und Unternehmer nur in seltenen Ausnahmefällen staatliche Renten oder Zahlungen aus der staatlichen Kranken-, Arbeitslosen- und Invaliditätsversicherung; auch keine Lohnfortzahlungen der Arbeitgeber (die sie ja selbst sind). Diese öffentlichen Institutionen schütten in Deutschland jährlich einen Betrag von deutlich über 800 Milliarden Mark aus. Würde es diese Kollektiveinrichtungen nicht geben, müßten sich die Bürger privat versichern und/oder individuell durch Sparen auf privaten Konten vorsorgen, wie das die Selbständigen und Unternehmer tun müssen. Und dann wären besagte 800 Milliarden DM aus den Zinsen der Ersparnisse oder durch sukzessives Auflösen des Sparkapitals zu erbringen. Wenn man nun bei der üblichen ,Reichtum-Armut’-Kritik vorn Vergleich der Einkommen und Vermögen der sogenannten ,abhängig Beschäftigten’ einerseits und den sogenannten ‚Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen’ andererseits ausgeht, so muß man auch unterstellen, daß bei den letzteren die Vermögenssubstanz nicht aufgebraucht werden muß, um zur Position ,Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen’ zu kommen. Geht man alsdann von einer Verzinsung des Vermögens von 5% aus und errechnet, welche Ersparnisse die ,abhängig Beschäftigten’ haben müßten, um die gesamten 800 Milliarden DM daraus beziehen zu können, so kommt man auf die astronomische Summe von 17 Billionen Mark. Das sind siebzehntausend Milliarden – und das Vielfache des gesamten Bruttosozialprodukts. Allein das Anspruchsvermögen der Bundesbürger gegenüber der staatlichen Rentenversicherung ist in etwa gleich hoch wie das gesamte Sach- und Geldvermögen der Deutschen. Zahlen von einer solchen Dimension bei den üblichen Einkommens- und Vermögensvergleichen und bei den scheinheiligen Reichtums-Armuts-Geifereien vor den Fernsehkameras einfach unter den Tisch fallen zu lassen, läßt den Rückschluß vorsätzlicher Irreführung zu. Und so etwas fällt eigentlich unter die Kategorie Täuschung und Betrug, um denen, die nicht kollektiv abgesichert sind, das Ersparte zu nehmen.

 

 

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