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Erst klug reden, später handeln


Es liegt in der menschlichen Natur, dass man seine Mitmenschen einschätzen möchte. Die Fachliteratur behauptet, dass der erste Eindruck besonders stark und nachhaltig wirkt. Manche Forschungsergebnisse deuten sogar darauf hin, dass wir bereits in den ersten Momenten des Kennenlernens beginnen, unser Gegenüber zu beurteilen. Studien über die Auswahlverfahren neuer Mitarbeiter zeigen, dass Personalchefs oft in den ersten Minuten eines Vorstellungsgesprächs entscheiden, ob sie einen Bewerber einstellen oder nicht.“ Die natürliche menschliche Neigung, andere zu beurteilen und einzuschätzen, ist gerade bei Managern stark ausgeprägt, da sie in ihrem Beruf ständig Urteile über Menschen treffen müssen: Entscheidungen darüber, wer einzustellen ist, wen man fördert, wem man eine bestimmte Aufgabe oder ein Projekt zuweist, wessen Rat man befolgt und so weiter. Auswertungen und Beurteilungen aller Art stellen einen allgegenwärtigen Teil des betrieblichen Alltags dar. Es stellt sich somit die Frage, auf welcher Basis diese Urteile gefällt werden. Es gibt hierfür mindestens zwei voneinander unabhängige Möglichkeiten: (1) Wir beurteilen einen Mitmenschen aufgrund seiner Leistung, des Erfolgs seiner Arbeit und seines Beitrags zum Unternehmen; oder (2) wir beurteilen einen Mitmenschen aufgrund seiner Kompetenz. Letzteres ist in vielen Fällen die einzige sofort verfügbare Information. Den Eindruck von Kompetenz erreicht man zumeist mit klugen Worten, Selbstbewusstsein, Redegewandtheit, der Fähigkeit, Informationen interessant zu vermitteln und einer gewählten Ausdrucksweise. Wird Eloquenz mit Kompetenz verwechselt, entsteht ein Problem. Ein Kollege, der als Mitglied eines Beratungsgremiums zusammen mit anderen hochrangigen Führungskräften für eine Universität tätig war, beschrieb uns, wie er sich des Unterschieds zwischen Schein und Sein bewusst wurde. Als er dem Beratungsgremium beitrat, lernte er zwei weitere Mitglieder kennen, die beide der obersten Führungsspitze von Bankinstituten angehörten. Einer der beiden sah aus wie der typische Banker und war ein brillanter Redner. Seine Ausführungen über Finanzthemen aller Art waren sehr interessant und hervorragend formuliert. Dieser Mann war ganz klar ein großartiger Redner. Der andere Banker hingegen machte einen deutlich ungeschliffeneren Eindruck. Er war weder elegant gekleidet noch schlagfertig und nicht so gut angezogen, nicht so glatt und redegewandt. Unser Kollege verriet uns, dass er sich bei diesem zweiten Banker zunächst sehr gewundert hatte, dass es dieser bis in die oberste Führungsspitze geschafft hatte. Nach einiger Zeit stellte sich aber heraus, wie und warum der weniger »smarte« Banker seinen Job erhalten hatte: Seine Bank konnte seit über zehn Jahren Spitzenergebnisse vorweisen, sowohl wirtschaftlich gesehen als auch in Bezug auf die Kundenzufriedenheit. Die Bank des großartigen Redners hingegen war für ihre schlechte Leistung bekannt und konnte die Gewinne nur nach drastischen Kosteneinsparungsmaßnahmen steigern. Unser Kollege lernte aus dieser Erfahrung den Unterschied zwischen kompetent wirken und kompetent handeln. Diese beiden Eigenschaften schließen sich nicht notwendigerweise gegenseitig aus, gehen aber keinesfalls immer Hand in Hand. Das gesprochene Wort ist oft das einzige Kriterium, nach dem ein Mensch beurteilt wird, da es das offenkundigste ist. Ob jemand gute Arbeit leistet, stellt sich erst viel später heraus, doch ob er oder sie kompetent klingt, hört man sofort. Hinzu kommt, dass in großen, vielschichtigen Unternehmen die Leistung der einzelnen Mitarbeiter in der Masse der Betriebsabläufe untergeht. Die Gesamtleistung eines Unternehmens ergibt sich aus der Arbeit vieler, voneinander abhängender Individuen, sodass der Beitrag einer einzelnen Person nur sehr schwer und ungenau auszumachen ist. Außerdem wechseln die Aufgabenbereiche der Mitarbeiter zu häufig, als dass sich eine bestimmte Leistung eindeutig einer Person zuordnen ließe. Im Gegensatz dazu lässt sich sofort und ganz eindeutig beurteilen, wie kompetent sich ein Mensch anhört.

 

 

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