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Entwicklung in den Größenklassen - Beschäftigungsbeitrag und Wachstumsmuster kleiner Betriebe


Die Diskrepanz zwischen dem Entwicklungsverlauf von Betrieben und Beschäftigten wird verständlicher, wenn man die betriebsgrößenspezifischen Unterschiede betrachtet. Denn die jeweiligen Einbrüche im langfristigen Beschäftigungstrend gehen auffällig mit der krisenhaften Entwicklung in größeren Betrieben einher. Dies wird anhand der absoluten Veränderungen und der Veränderungsraten in der Beschäftigtenentwicklung des nicht-öffentlichen Sektors deutlich. In den Großbetrieben mit mehr als 500 Beschäftigten verlief die Entwicklung Ende der siebziger Jahre noch einigermaßen stabil, während in der Krisenphase in den frühen achtziger Jahren Arbeitsplätze verloren gingen. Zwischen 1980 und 1984 zeigt sich bei den Großbetrieben ein Verlust von rund 700000 Beschäftigten. Auch der Trendbruch ab 1992 wurde wesentlich durch den großbetrieblichen Beschäftigtenrückgang ausgelöst (vgl. Abbildung 2). Über den gesamten Zeitraum seit 1977 haben die Großbetriebe 600000 Beschäftigte (-12 %) verloren. Bis Mitte des letzten Jahrzehnts reduzierten auch die mittleren Betriebsgrößen zunächst ihr Beschäftigtenvolumen bevor sich auch dort – allerdings nur bis 1992 – ein Zuwachs einstellte.

Demgegenüber haben vor allem die Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten ihr Arbeitsplatzvolumen nahezu ständig erhöht. Mit Ausnahme einer kurzen Stagnationsphase zwischen 1988 und 1989 stieg das Arbeitskräftepotential der Kleinstbetriebe mit weniger als 4 Beschäftigen kontinuierlich an. Besonders erfolgreich bei der Bereitstellung von Arbeitsplätzen waren jedoch vor allem die Kleinbetriebe in den Größenklassen mit zwischen 5 und 19 Personen. Zwar war auch dort in der Mitte der achtziger Jahre ein kurzfristiger und vergleichsweise geringfügiger Rückgang zu beobachten. Doch innerhalb der gesamten hier dargestellten Zeitspanne ist das Beschäftigtenvolumen der Betriebe mit 5 bis 19 Perso- • nen um 32 % gestiegen. Das gesamte Aggregat der Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten ist seit 1977 um 29 % bzw. um 1,2 Mio. Arbeitsplätze angewachsen.

Ein nur in groben Zügen ähnliches Verlaufsmuster läßt sich auf der Analyseebene von Betrieben beobachten. Auch dort ist zwischen Anfang und Mitte der achtziger Jahre sowie ab 1992 ein Rückgang der Zahl größerer Arbeitsstätten mit mehr als 500 Personen zu konstatieren. Festzuhalten ist, daß in der Beobachtungsspanne die Betriebszahlen nahezu adäquat zum Beschäftigungstrend angewachsen sind. D.h. die Annahme, hier handle es sich um einen größenklasseniihergreifenden Schrumpfungsprozeß, in dem die kleineren Größenklassen gewissermaßen zum Sammelbecken werden, greift zu kurz. Die Gesamtkonstellation der Veränderungen weist vielmehr darauf bin, daß sich hier auch in erheblichem Umfang Zuwachs- bzw. Betriebsgründungsprozesse bemerkbar machen. Anhand der Daten ist nicht festzustellen, inwieweit hierfür auch Unternehmensausgründungen bzw. Betriebsaufspaltungen verantwortlich sind.

Abbildung 3 zeigt, daß die Gesamtentwicklung im wesentlichen durch die Entwicklung der Zahl kleiner Betriebe determiniert wird. In Anbetracht des hohen Besatzes in den unteren Größenklassen verwundert dies auch kaum. Von herausragender Bedeutung ist jedoch, daß auch hier die Zuwachsraten der Kleinbetriebe mit zwischen 5 und 19 Personen diejenigen des gesamten Aggregats weit übertreffen. Seit 1977 hat die Zahl der Kleinbetriebe dieser Größe um 33 % zugenommen. Die Zahl der Kleinstbetriebe mit weniger als 4 Beschäftigten hat sich um 22 % erhöht. Zusammengenommen ist die Zahl der Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten um über eine viertel Million (269000) angewachsen.

Aufgrund des hohen Ausgangsniveaus bzw. der starken Besetzung in den unteren Betriebsgrößenklassen schlagen sich diese Veränderungen in der Anteilsstruktur hei den Betrieben nur bedingt nieder. Schon allein aufgrund der Verteilung kommen die beschriebenen Veränderungen dagegen in der Beschäftigtenstruktur besser zur Geltung: Während sich der Beschäftigtenanteil der Großbetriebe über den gesamten Zeitraum um gute 6 Prozentpunkte verringerte, die Anteile in den mittleren Betiebsgrößen in etwa stagnieren, macht sich vor allem in den kleineren Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten ein Anteilsgewinn von zusammen über 4 Prozentpunkten bemerkbar.

Somit wird deutlich: Ein wachsender und bedeutender Anteil der Arbeitsplätze wird heutzutage in Kleinbetrieben angeboten. Die Betriebe unterhalb einer Betriebsgröße von 50 Beschäftigten stellten im letzten Drittel der siebziger Jahre noch rund 38 % und nun Anfang bis Mitte der neunziger Jahre rund 43 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Da in dieser Rechnung im wesentlichen nur Lohn- und Gehaltsempfänger enthalten sind, das Kleinbetriebsvolumen jedoch ein großes Potential an Selbständigen und unbezahlt mithelfenden Familienangehörigen und anderen nicht-sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen birgt, dürfte der Beschäftigungsbeitrag dieser Betriebsgrößen weitaus höher sein als hier dargestellt. Den Ergebnissen der letzten Arbeitsstättenzählung 1987 - und folglich der Totalerhebung aller Arbeitskräfte - zufolge, sind in diesen Betriebsgrößen sogar über die Hälfte bzw. 51 % aller Beschäftigtenfälle zu finden. Es liegt aufgrund bisheriger Befunde zudem nahe, daß sich das Wachstum an Arbeitsplätzen in den Kleinbetrieben nicht erst seit 1977 sondern bereits im früheren Verlauf der siebziger Jahre entfaltete. So betrachtet dürfte der kleinbetriebliche Wachstumsprozeß über nahezu ein Vierteljahrhundert gehen (vgl. auch Leicht 1995).

 

 

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