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Elite-Universitäten und glanzvolle Karrieren


Ähnlich auffällig, zumindest für einen außenstehenden Beobachter, ist die Tatsache, daß das derzeitige System den Zugriff auf einen großen Teil der Fähigkeiten der Bevölkerung Japans versperrt. Es eröffnet nur denjenigen, die einen Abschluß von einer der wenigen Elite-Universitäten vorweisen können, den Zugang zu Karrieren auf höchster Ebene, sei es in der Regierung, an führenden Universitäten oder in großen Unternehmen.

Ich bin bereit zuzugestehen — obwohl ich nicht davon überzeugt bin —, daß diese wenigen Universitäten eine verhältnismäßig große Anzahl der fähigsten und begabtesten jungen Menschen in Japan anziehen. Doch alles, was wir über die Entwicklung von Menschen wissen, spricht gegen die These, daß alle jungen Menschen sich im gleichen Rhythmus und mit gleicher Geschwindigkeit entwickeln und daß die Leistungsfähigkeit in einem Alter von siebzehn oder achtzehn ein verläßliches Indiz für spätere Fähigkeiten und Begabungen ist. Doch selbst wenn ein sehr hoher Anteil der begabtesten und fähigsten jungen Menschen, nehmen wir an 50 Prozent, diese Elite-Universitäten besuchen, bedeutet das, daß mindestens die Hälfte des Pools an Fähigkeiten und Begabungen in der japanischen Bevölkerung keinen Zugang zu Karrieren auf höchster Ebene haben.

Und das kann sich kein Land mehr leisten. Es ist daher ein Bildungssystem nötig, das das Potential an Fähigkeiten, das in einer Nation vorhanden ist, weitestgehend ausschöpft und in produktive Arbeit umwandelt.

Das japanische Bildungssystem fördert leider immer seltener Fähigkeiten und Begabungen. Es stellt die Bedeutung des Geldes in den Vordergrund. Um an einer der Elite-Universitäten aufgenommen zu werden, muß eine Familie reich genug sein, um der jungen Studentin oder dem jungen Studenten zumindest einen Raum finanzieren zu können, in der sie oder er studieren kann. Das bedeutet – besonders da japanische Appartements gewöhnlich sehr klein sind –, daß Kinder aus Arbeiterfamilien und selbst aus Familien der unteren Mittelschicht kaum mehr eine Chance auf eine höhere Ausbildung haben, egal wie begabt sie sind. Damit steht nicht mehr die Leistung eines Menschen im Vordergrund, sondern seine finanziellen Möglichkeiten. Das System ist nicht meritokratisch, sondern plutokratisch. Und das ist eine Entwicklung, die ich nicht gutheißen kam.

Es gibt noch einen weiteren Grund dafür, warum das derzeitige System, in dem die Teenager unter einem enormen Druck lernen und sich auf die gefürchteten Prüfungen vorbereiten müssen, Japan einen besorgniserregenden Schaden zufügen könnte. Jedesmal, wenn wir uns mit dem Lebenslauf kreativer Köpfe beschäftigt haben, besonders auf innovativen Gebieten, zum Beispiel in der Informationstechnologie, der Gentechnik, der Materialforschung, der allgemeinen Physik – aber auch in den Bereichen Musik, Mathematik oder Finanzen –, mußten wir feststellen, daß sich die Interessen dieser Menschen bereits mit zwölf oder dreizehn, spätestens jedoch mit vierzehn Jahren herauskristallisieren. Sie vertiefen sich in die Materie, verbringen endlose Stunden mit Experimenten, Lektüre, mit Modellbauten und dergleichen. Die meisten dieser jungen Menschen sind recht gute Schüler. Doch sie sind in den seltensten Fällen Musterschüler, ihre vorrangigen Interessen liegen außerhalb der Schule. Wenn sie dann Anfang Zwanzig sind, wird in vielen Fällen das Hobby aus der Teenagerzeit zum Ausgangspunkt einer glänzenden Karriere.

 

 

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