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Elemente einer offenen Kultur unternehmerischen Handelns


Wir reden so viel vom postindustriellen Zeitalter, aber wenn es darauf ankommt, wirtschaftliche Innovationen zu denken, fällt unseren Politikern außer der Förderung des High-Tech-Bereichs nicht viel ein. Mit dieser Beschränkung auf High-Tech schließt man den größten Teil der Bevölkerung aus einer Gründerkultur von vorneherein aus. Wenn eine neue Orientierung hinzukommt: „Mehr Zeitwohlstand statt Güterreichtum“, dann sind ganz andere Denkmuster und Innovationen notwendig.

Was wir brauchen ist eine culture of entrepreneurship, eine Atmosphäre, die weit mehr Ideenpotential zuläßt, als dies im Feld der Ökonomie, so wie es heute definiert ist, stattfindet. Die in ihre Kultur auch Künstler, Außenseiter und solche Gruppierungen einbezieht, die in der „Welt der Wirtschaft“ und ihren oft mausgrauen Vorstellungen keinen Platz sehen. Die Abneigung gegen Markt und eigenes unternehmerisches Handeln hat ja dazu geführt, daß in diesem Bereich fast ausschließlich gesellschaftliche Konventionalität und Geschäftshuber die Feder führen.

Allerdings: Nicht Alternativen zum Markt, sondern Alternativen im Markt sind hier gefragt. Das Wirtschaftsleben ist etwas viel zu Wichtiges, als daß wir es den Ökonomen überlassen sollten. In unserer Kultur werden Künstler und Unternehmer in der Regel als Gegensätze gesehen. Danach ist der Künstler ein Mensch, der einen eigenen Stil kreiert, wenn er seinen Visionen folgt, der Unternehmer hingegen der Vertreter des ökonomischen Kalküls, dem es in erster Linie darum geht, Gewinne zu erzielen. „Geist“ und „Geld“ haben sich in Deutschland noch nie gut vertragen. Die Verachtung der Zirkulationssphäre und die Gleichsetzung von Gewinn mit etwas Bösem ist zumindest seit der Romantik Grundausstattung fast jeder antibürgerlichen und antikapitalistischen Gesellschaftskritik.

Statt sich spinnefeind zu sein, sollten wir lieber miteinander spinnen. Sich auseinander-setzen ist gut und notwendig, sich zusammensetzen noch besser. Für eine neue culture of entrepreneurship braucht es einen Brückenschlag, braucht es auch einen Typ von Unternehmer, der, sei es als Wissenschaftler, als Künstler, als sozial engagierter Mensch, die Denkweisen und Möglichkeiten seines Gebietes einbringt in Ideen zur Verbesserung der Lebensqualität, für sinnvolle Dienstleistungen oder das bessere und haltbarere Produkt. Wir brauchen Entrepreneurs, die nicht ständig nur neue Bedürfnisse herauskitzeln, sondern auf vorhandene Probleme mit sozialer, ökonomischer, aber auch künstlerischer Phantasie antworten – Entrepreneurship als schöpferische Tätigkeit.

Konventionellem Unternehmertum stellte schon Mitte des letzten Jahrhunderts in England die Arts and Crafts Bewegung eine Position entgegen, die das künstlerische Element mit ökonomischer Ratio verband: Unternehmer, von denen man sagte, „ihre Tätigkeit ist Kunst und ihre Spur ist Schönheit“ (Kemp 1987, S. 325). Entscheidend sei, sagt der Wirtschaftsethiker Peter Ulrich (1997), daß wir wieder lernen, Wirtschaften als kulturelle Aktivität zu verstehen.

Heute sind in England bereits eine dreiviertel Million Menschen im kulturellen Sektor beschäftigt – fast doppelt so viele wie in der Autoindustrie. Zwei von drei Utopie entsteht nicht im Betriebsalltag. Neue Ideen, Experimente, brauchen Orte, die Offenheit, Spiel, Versuch ermöglichen.

 

 

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