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Eine Zeit extremer Veränderungen


Wie Sie hervorheben, existiert – nicht nur in Japan, sondern in allen entwickelten Wirtschaftsgefügen und in allen darin arbeitenden Unternehmen – ein dringender Bedarf an Innovationen.

Die nächsten zehn Jahre werden eine derartige Zeit extremster Veränderungen sein. Es werden Jahre sein, in denen sich der Schwerpunkt in allen entwickelten Volkswirtschaften von den zur Zeit hochentwickelten Industrien hin zu neuen Industrien verlagern wird. Es werden Jahre sein, in denen sich traditionellen Dienstleistern, wie zum Beispiel dem Einzelhandel, völlig neue Wege eröffnen. Es werden Jahre sein, die nach einem Wirtschaftswunder, ähnlich dem vor vierzig Jahren in Japan, verlangen.

Das sind die Herausforderungen, die Ihre Fragen aufgeworfen haben. Ich bin sicher, daß sie in Japan sich Ihnen stellen werden, und ich weiß, daß die junge Menschen in Japan dazu bereit sind. Doch es wird ungeheure Mühen kosten und einen ebensolchen Einsatz fordern.

Ich hoffe, hiermit Ihre vordringlichste Fragen beantwortet zu haben, und hoffe ebenso, dass dadurch die japanische Wirtschaft auf Ihre Fragestellungen eingehen wird.



Das »kreative Imitieren« japanischer Unternehmen

In der Antwort auf meine Frage heben Sie hervor, daß nicht allein in Japan innovative Methoden zur Anwendung kommen und neue Wege gefunden werden müssen, um unternehmerischen Einsatz zu fördern. Sie sagen aber auch, daß diese Thematik in Japan besonders schwer wiegt und die Umsetzung weitaus problematischer erscheint als anderswo. Als Grund dafür führen Sie an, daß große japanische Unternehmen europäisches und amerikanisches Handeln hervorragend kopiert haben, es jedoch versäumten, grundlegend neue Industrien und Dienstleistungsangebote zu schaffen.

Ich habe mir die Zeit genommen, um über Ihre Ausführungen nachzudenken. Meine eigenen Erfahrungen bei Daiei – unter anderem die Einführung der Unternehmensphilosophie der Supermarktkette und des Franchise-Konzeptes – sind in der Retrospektive nichts anderes als eine »kreative Imitation« bereits in den USA entwickelter Methoden. Nicht nur Daiei hat auf diesem Wege Erfolge erzielen können, sondern fast alle Unternehmen, die nach dem 2. Weltkrieg ein schnelles Wachstum verzeichneten. Wenn das so ist, müssen wir daraus schließen, daß die japanische Wirtschaft nicht in der Lage sein wird, weiterhin eine führende Rolle in der Weltwirtschaft einzunehmen, und nur die Namen der großen Unternehmen Bestand haben werden. Sie erwähnen in Ihrer Erwiderung auf meinen Brief über die Informationstechnologien, daß das Neue das Alte nicht ersetzen, sondern ergänzen sollte. Das entspricht weitestgehend Schumpeters These von »neuen Synthesen«, die grundlegend für Innovationen sind und deren Bedeutung sich die japanische Wirtschaft wieder in Erinnerung rufen sollte.

Bislang konnten japanische Unternehmen das »kreative Imitieren« erfolgreich praktizieren, indem sie Vorgänge in den USA genau beobachteten. Ohne Zweifel gibt es noch viel von den Vereinigten Staaten zu lernen, wo auf allen Gebieten Innovationen stattfinden. Um auch weiterhin von den USA lernen zu können, müssen wir den Übergang von der Analyse des Ergebnisses einer Innovation hin zur Analyse der eigentlichen Innovationsleistung meistern - und es bleibt keine Zeit, sich entmutigt abzuwenden.

In einem Essay schrieben Sie einmal, wie wichtig es ist, diese Zukunft, die schon zur Vergangenheit geworden ist, auszumachen und sie zu analysieren. Sie veranschaulichen das anhand der sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen im Japan der frühen sechziger Jahre. In diesem Sinne macht ihr letzter Brief deutlich, daß ein großer Teil der außergewöhnlichen Erfolge von Unternehmensführern nach den Reformen der Meiji-Zeit (1868-1912) von den heutigen japanischen Führungskräften im Kontext einer »Zukunft, die bereits stattgefunden hat«, und zwar in der japanischen Geschichte, betrachtet werden sollte.

 

 

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