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Ein neuer Begriff bei der Spieltheorie – der Komplementor


Die Spieltheorie verlangt es, einen neuen Begriff einzuführen – den des Komplementors. Nicht alle in einem bestimmten Markt tätigen Unternehmen bieten konkurrierende Produkte oder Dienstleistungen an. Es finden sich auch genügend Beispiele für komplementäre Erzeugnisse, die einander ergänzen. So veranlasst eine schnellere Computer-Hardware die Benutzer, zu leistungsfähigerer Software überzugehen, und leistungsfähigere Software wiederum bringt die Anwender vom Kauf schnellerer Hardware. Telefongesellschaften subventionieren die Anschaffung eines mobilen Telefons, um neue Teilnehmer für ihr Netz zu gewinnen. Weitere Beispiele sind Autos und Kfz-Ratenkredite, Fernsehgeräte und Videorecorder oder Kataloge und Expresszustelldienste. Ein Komplement zu einem Produkt ist jedes ankre Produkt, welches das erstere attraktiver macht. Komplementäre Produkte oder Dienstleistungen ergänzen sich stets zu gegenseitigem Nutzen.

Für die Spieltheorie lässt sich daraus Folgendes ableiten: Bei der Denkweise der Komplementarität geht es darum, durch gegenseitige Ergänzungen den Kuchen zu vergrößern, statt nur mit Konkurrenten um einen Kuchen hingenommener Größe zu streiten. Paradebeispiel ist der Chip-Hersteller Intel. Grundsätzlich profitiert Microsoft, wenn Intel einen schnelleren Chip herstellt, und Intel nutzt die Vorteile, wenn Microsoft die Entwicklung seiner Software vorantreibt. Microsofts Computer schafften es jedoch nach Ansicht von Intel nicht, an die Leistungsgrenzen seiner Mikroprozessoren heranzureichen. Dies war ein Nachteil für die Kunden des Chip-Herstellers. Deshalb musste Intel, so Barry Nalebuff und Adam Brandenburger, eine andere Lösung finden: »Sonst spüren seine Kunden nicht die ständige Notwendigkeit, ihre Ausrüstung auf einen höheren Stand zu bringen. Wenn sie das aber nicht tun, wird nicht nur der Markt saturiert, sondern die anderen Chip-Hersteller – AMD, Cyrix und NexGen – können aufholen.« Intel investierte daraufhin in eine billige und weltweit nutzbare Video-Anwendung, ProShare, ein System für Videokonferenzen und die ideale Ergänzung zu den eigenen Chips. Intel suchte nun nach anderen t Internehmen für eine Kooperation. Die Telefongesellschaften erwiesen sich als natürliche Verbündete: ProShare ergänzte ihr Geschäft, weil es mehr Daten sendet und empfängt, als gewöhnliche Telefonleitungen übertragen können. Die Kunden, die ProShare-Geräte kauften, fragten verstärkt ISDN-Telefonanlagen nach. Die Telefongesellschaften wiederum subventionierten die ProShare-Geräte, um den Bedarf an ISDN-Anschlüssen zu erhöhen. Zusätzlich kam Compaq ins Spiel: Der PC-Hersteller integrierte ProShare in seine Computer für Firmenkunden. Dies verringerte die ProShare-Kosten für die Compaq-Käufer enorm und verstärkte die Marktpräsenz von ProShare weiter.

Dieses Beispiel zeigt, warum die Spieltheorie Komplementarität unter Unternehmen, die im gleichen Markt agieren, für wichtig erachtet: Alle Spieler – Intel, die Telefongesellschaften und Compaq – erkennen die Vorteile ihrer komplementären Beziehung: Intel will die Nachfrage nach Verarbeitungskapazität steigern, die Telefongesellschaften wollen die Nachfrage nach großen Mengen von Datenübertragungen erhöhen, und Compaq will, dass seine Geschäftscomputer gegenüber denen der Konkurrenten etwas Besonderes bieten.

 

 

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