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Ein detaillierterer Blick auf das Muster der Entwicklung - Beschäftigungsbeitrag und Wachstumsmuster kleiner Betriebe


Dieser grobe Überblick soll dazu überleiten, auch im Dienstleistungssektor zu untersuchen, auf welchen Besonderheiten und auf welchem Entwicklungsmuster die beobachteten Wachstumsprozesse im einzelnen beruhen. Für diesen Zweck wurden wiederum die Wirtschaftsklassen des Dienstleistungssektors in der Rangfolge ihrer Wachstumsstärke geordnet. Dabei wurde innerhalb des Sektors nach 63 Wirtschaftszweigen differenziert.19 Unter den 30 Wirtschaftsklassen mit der absolut höchsten Beschäftigungswirkung im kleinbetrieblichen Sektor finden sich 11 Wirtschaftszweige, die dem Bereich der unternehmensorientierten und wissensintensiven Dienstleistungen zuzuordnen sind. Eine ähnliche Beobachtung läßt sich auch aus der Entwicklung der Betriebszahlen dieses Größenbereichs entnehmen.

In den Auflistungen rangieren mit an vorderster Stelle die Betriebe der Unternehmensberater, die Architektur- und Rechtsanwaltsbüros sowie die Werbefachleute.20 Zwar ist in diesen Bereichen vor allem ein betriebsgrößenübergreifender Zuwachs zu verzeichnen, doch haben die Wachstumsschübe in den unternehmensorientierten Diensten gemein, daß hier im Größenspektrum der Betriebe mit weniger als 20 Personen jeweils rund die Hälfte des Gesamtzuwachses an den Beschäftigten des gesamten Wirtschaftszweiges erzielt wurde.21

Ein großer Teil dieser Dienste – wie bspw. die Rechtsberatung und Architektur – wird selbstverständlich auch haushaltsorientiert erbracht. Beides, die Zunahme unternehmens- als auch haushaltsorientierter professioneller Dienste, sowohl im kleinbetrieblichen Bereich als auch insgesamt, kann als Beleg für einen durchgreifenden Wandel in der Konsum- und Nachfragestruktur angesehen werden. So drücken sich in der vermehrten Inanspruchnahme von produktionsbegleitenden Serviceleistungen vor allem organisatorische Veränderungen in den Unternehmen aus, da sich der Handlungs- und Entscheidungsspielraum in bezug auf die Frage „make or buy“ von Leistungen im Lauf der Zeit vergrößert hat (vgl. Strambach 1993). Mit der Externalisierung bestimmter in den Unternehmen erbrachter Leistungen hat insbesondere die Bedeutung wissensintensiver Dienste zugenommen. Dies ist nicht nur eine Frage der Kostenabwägung zwischen unternehmensinterner Leistung und Fremdvergabe, sondern ebenso von veränderten Anforderungen und dementsprechender Spezialisierung. Das gilt auch für die durch private Haushalte nachgefragten wissensintensiven Dienste, die der Bewältigung zunehmend komplexer erscheinender Anforderungen (z.B. Rechts- und Steuerberatung) zustatten kommen.

Anhand der wirtschaftssystematischen Differenzierung wird nochmals unterstrichen, welchen Stellenwert allein das Wachstum im Gesundheitswesens für den Kleinbetriebssektor hat. Denn diese Zunahme kommt weniger in privaten Krankenhäusern und Sanatorien, sondern vielmehr hei den niedergelassenen Heilberufen zur Geltung. Das Wachstum an Arbeitnehmern in diesen Praxen zeigt sich zu über 90 % in dem hier beobachteten kleinbetrieblichen Bereich. Im Vergleich mit anderen Berufsgruppen wurden hier im Zeitraum seit 1977 mit Abstand die meisten kleinbetrieblichen Arbeitsplätze geschaffen. D.h., die Expansion der kleinen heilberuflichen Praxen geht nicht nur mit der Gründung vieler selbständiger Existenzen, sondern auch mit der Schaffung vieler zusätzlicher Stellen einher. Bei all diesen Betrachtungen kommt allerdings einschränkend hinzu, daß gerade in den vorgenannten Wirtschaftszweigen die Zunahme der Teilzeitbeschäftigung besonders auffällig ist (vgl. auch Leicht 1995, S. 234 ff.).

Wenn zuvor darauf hingewiesen wurde, welchen Zuwachs die Kleinbetriebe des Einzelhandels zu verbuchen hatten, dann dürfte vor allem von Interesse sein, daß dies in etwas geringerem Umfang in den Segmenten der Lebensmittelsupermärkte und Waren-Discounter der Fall ist. Dies entspricht auch der Beobachtung anhand der jüngeren Handels- und Gaststättenzählung, die eine stärkere Konzentration im „nichtspezialisierten Lebensmittelhandel“ belegt.23

Höhere Zuwächse sowohl bei den Betriebsstätten als auch bei den Arbeitsplätzen wurden im Bereich des „sonstigen Einzelhandels“ festgestellt. Dazu zählt ein breites Warensortiment bzw. Spektrum an Anbietern, das vom Betten-, Pelz- und Reformhaus bis zum Sporthaus und von der Buch- bis zur Kunsthandlung reicht. Allein die kleineren Betriebe dieses Wirtschaftszweiges stellen zusätzlich 125000 Stellen bereit. Bemerkenswert ist demgegenüber, daß die Zahl der Arbeitnehmer in der Wirtschaftskategorie der „Warenhäuser“ insgesamt um ein Drittel bzw. um über 100000 zurückgegangen ist.

Die in den Tabellen vorgenommene Disaggregierung hat außerdem den Vorteil, daß hier auch wachsende Tätigkeitsbereiche in Zahlen kenntlich werden, die auf der Ebene höherer Branchenaggregate verloren gehen. Nicht unerwähnt bleiben sollen daher z.B. die an Betrieben und Beschäftigten wachsenden kleinen Speditionen, die Personenbeförderungsunternehmen und Reisebüros, die als Ausdruck einer zunehmenden Mobilität in der Wirtschaft und Gesellschaft stehen. Gleiches gilt auch für den Bedarf an Freizeiteinrichtungen oder den „Außer-Haus-Verzehr“: Vergleichsweise weniger an Beschäftigten als vielmehr an Betrieben haben die Gaststätten seit 1977 zugenommen. Die Zunahme an privaten Sporteinrichtungen zeugt ebenfalls von einem gewandelten Freizeitverständnis, das unter Umständen Kleinbetrieben zum Vorteil reicht.

 

 

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