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Ein Streifzug durch die Geschichte des Unternehmertums - Das unternehmerische Potential verstehen und fördern


Der Begriff „Entrepreneur“ oder Unternehmer taucht zum ersten Mal in der französischen Militärgeschichte des 17. Jahrhunderts auf und bezog sich damals auf den Leiter einer Militärexpedition. Dem Iren Richard Cantillon, der im Frankreich des 18. Jahrhunderts lebte, ist das Verdienst zuzuschreiben, als erster den Begriff „Unternehmer“ im wirtschaftlichen Kontext verwendet zu haben. Er bezeichnete damit eine Person, die Waren und Leistungen zu einem bestimmten Preis einkauft, um sie später zu einem unbestimmten Preis weiterzuverkaufen und damit ein nicht versichertes Risiko eingeht. Diese Definition schien so lange zu genügen, bis Jean Baptiste Say etwa ein Jahrzehnt später, nämlich 1803, die Funktion des Unternehmers in einen breiteren Kontext stellte, und dabei den Akzent setzte auf „the bringing together of the factors of production with the Provision of management and the bearing of the risks associated with the venture“.

Wenngleich es Say und Cantillon gelungen war, ein vorübergehendes Interesse am Typus des Unternehmers und seiner gesellschaftlichen Rolle zu wecken, rückte erst der aus Mähren stammende Joseph Schumpeter am Anfang des 20. Jahrhunderts das Wirken von Unternehmern als den zentralen Akteuren des Wandels ins öffentliche Bewußtsein. Seiner Auffassung nach bestand die wichtigste Aufgabe des Unternehmers in der Durchsetzung von Neuerungen. Allerdings wird verschiedentlich die Ansicht vertreten, daß die frühen Schriften Max Webers (1904) einen großen Einfluß auf Schumpeter ausgeübt haben. In Webers Arbeit wird der Unternehmer als eine dynamische Persönlichkeit vor dem Hintergrund der schwerfälligen und unbeweglichen traditionellen Wirtschaft dargestellt. Als eine Art Held setzt er die bahnbrechenden Prozesse des Wandels in Gang. Weber erkannte in den religiösen Anschauungen bzw. der Arbeitsethik des Protestantismus, die den Verzicht auf Maßlosigkeit, Geltungskonsum oder Müßiggang als gesellschaftliche Normen verankert, das Hauptmotiv des Unternehmers, das zu höherer Produktivität, ständigem Sparen und zur Kapitalbildung führt – alles Faktoren, die für das wirtschaftliche Wachstum unabdingbar sind.

Schumpeter hingegen vertrat die Ansicht, daß der Unternehmer selbst den Protestantismus als Vehikel zur Legitimierung seines Handelns benutzte. Das Motiv war der Wille „to found a private kingdom...the will to conquer, the impulse to fight, to prove oneself superior to others, to succeed for the sake of it, and not for the fruits of success itself... finally there is the joy of creating, of getting things done or simply exercising one's energy and ingenuity“. War der Unternehmer für Weber das Produkt seiner Gesellschaft, kann er für Schumpeter in jeder beliebigen ethnisch homogenen Bevölkerungsgruppe auftreten und besitzt sowohl die besondere Gabe, die Dinge intuitiv so zu erfassen, wie sie sich im nachhinein als richtig herausstellen, als auch die Dynamik und Willenskraft zur Überwindung der herkömmlichen Normen und gesellschaftlichen Widerstände. Beide Theorien gehören zu den meistzitierten in der einschlägigen Literatur und nötigen uns auch heute noch großen Respekt ab.

 

 

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