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Eigentumsgedanke


Man sollte beim Eigentumsbegriff eine scharfe Unterscheidung vornehmen: Persönlich sollte ein Christenmensch den materiellen Dingen und Reichtümern dieser Welt nicht zu sehr anhängen. Keinesfalls sollte er sie für sich persönlich – also im Sinne des selber haben wollens` – höher oder auch nur gleich hoch schätzen wie seinen Glaubensreichtum und die hohen menschlichen und christlichen Werte wie die Liebe, das Erbarmen und die Vergebung. Spätestens wenn wir sterben, empfinden wir das mit großer Eindringlichkeit. Schon vor vielen Jahren habe ich in meinem Buch „Kreide für den Wolf“ den Leitspruch zitiert, den ein reicher Mann am Ende seines Lebens in den First seines Hauses hat eingravieren lassen: „Wir sind so fremde Gäste, und bauen hier so feste; und wo wir sollen ewig sein, da bringen wir so wenig ein“. Auch ist das übermäßige Ansammeln materieller Dinge tiefenpsychologisch eine Verdrängung des Todes, wie uns Christa Meves gelehrt hat.

Das ist aber keinesfalls ein Argument zur Schwächung der Eigentumsrechte. Auch nicht aus christlicher Sicht. Im Gegenteil! Ein Christenmensch sollte um so weniger geneigt sein, sich fremdes Eigentum auf ungerechte oder „sündige“ Weise anzueignen. Außerdem steht das private Eigentum und sein Schutz, wie mehrfach ausgeführt, in einem ganz stringenten Zusammenhang mit den Phänomenen Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden und Moral, die eine überragende und unverzichtbare Bedeutung für ein lebenswertes und würdiges Leben der Menschen haben. Auch den Fortschritt und die Zivilisation darf der Christ nicht gering schätzen; sind sie doch Bestandteil des göttlichen Auftrags an den Menschen, sich die Erde untertan zu machen und an der Schöpfung mitgestaltend teilzunehmen. Der liberale Freiheitsdenker und Marktwirtschaftler einerseits, und der gläubige Christ andererseits (die natürlich auch ein-und dieselbe Person sein können, ja meines Erachtens sogar sein sollten) mögen dem Privateigentum eine unterschiedliche Qualität hinsichtlich der eigenen Besitztümer beimessen, in der Sache selbst aber, in der Frage der Unantastbarkeit des Eigentums und seiner konstitutiven und existentiellen Bedeutung für Recht, Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden müssen sie sich, wenn sie die Gesetze der Logik nicht verletzen wollen, völlig einig sein. Der Liberale sieht das Eigentum ja nicht als Selbstzweck. Ziel des Liberalismus war und ist die persönliche Freiheit (mit all ihren Begleitbedingungen wie Gerechtigkeit und Frieden) – und das Mittel hierzu, das einzig taugliche Mittel, ist das Privateigentum. Man kann es in diesem Zusammenhang nur als tragisch bezeichnen, daß der große klassisch-liberale Gelehrte des 19. Jahrhunderts, Lord Acton, der zugleich tief religiös und einer der bedeutendsten Theologiekundigen war, in Deutschland so gut wie unbekannt geblieben ist (obwohl Deutschland seine zweite Heimat war und er sich hier sogar begraben ließ). Zum stringenten Zusammenhang zwischen der persönlichen Freiheit und der christlichen Religion hat er hunderte von Sentenzen hinterlassen. Hier sei nur eine als Beispiel ausgeführt: „Die christliche Vorstellung vom Gewissen fordert zwingend ein entsprechendes Ausmaß an persönlicher Freiheit... Wir sind verpflichtet, die Sphäre, in welcher wir allein der Stimme des Gewissens folgen können, bis zum Äußersten auszuweiten und sie vor jedem Eingriff zu bewahren – ohne Rücksicht auf jede andere Erwägung. Die Kirche darf keine Regierungsform dulden, in welcher dieses Recht nicht beachtet wird. Sie ist der unversöhnliche Feind des Staatsdespotismus, welchen Namen oder welche Form dieser auch annehmen mag und mit welchen Mitteln auch immer er ausgeübt wird.“ (Acton 1859, 1988) Was, fragt man sich, würde der gute Lord wohl zum heutigen Tanz der Kirchen auf den Kirmesböden des Zeitgeistes sagen?!

 

 

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