Economia48 Projekt Wirtschaftslexikon Management Lexikon Lexikon Wirtschaft
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

Die neuen Strategien bei der Prozessorientierung


Auch die Unternehmensstrategien müssen durch die Prozessbrille betrachtet werden. Die Möglichkeiten, wie Unternehmen Strategien gestalten können, die auf ihren Prozessen beruhen, sind vielfältig. Michael Hammer stellt sechs Ansätze vor, die entweder einzeln oder in verschiedenen Kombinationen eingesetzt werden können:

Die Strategie der Verstärkung zielt auf die Verbesserung von Prozessen zur besseren Bedienung bestehender Kunden ab. Es werden diejenigen Prozesse auf den derzeitigen Märkten identifiziert, welche die wichtigste Rolle spielen, und dann wird an deren Verbesserung gearbeitet. Dahinter steht die Überlegung, dass sich eine Verbesserung der wichtigsten Prozesse in überproportionalem Maße auf die Gesamtleistung des Unternehmens auswirkt.

Beispiel: Ein Hersteller und Händler von Kfz-Bauteilen erkennt, welche zentrale Bedeutung dem Musterentwicklungsprozess zukommt. Er verbessert die Leistung in diesem Prozess und erhöht damit den Marktanteil des Unternehmens. Bei der Ausdehnung werden leistungsfähige Prozesse zur Erschließung neuer Märkte genutzt. Ein Unternehmen, das diese Strategie wählt, versucht, auf bestehenden Prozessen aufzubauen und so neue Kunden zu bedienen. Betriebe mit überlegenen Prozessen können auf diese Weise in neue Absatzgebiete vorstoßen. Eine VersicherungsgeselIschaft gestaltet den Schadensabwicklungsprozess neu und weitet so ihr Geschäftsfeld Kfz-Versicherung auf Kunden mit hohem Schadenfreiheitsrabatt aus.

Eine Erweiterung der Prozesse hat das Ziel, bestehenden Kunden neue Dienstleistungen zu bieten. Um den Kundennutzen mit Hilfe einer breiteren Leistungspalette bei bestehenden Prozessen zu steigern, integriert das Unternehmen seine eigenen Prozesse mit denen des Kunden. Beispiel: Ein Reifenhersteller legt seinen Auftragsabwicklungsprozess mit dem Materialbeschaffungsprozess eines Reifenhändlers zusammen. Der Hersteller liefert nicht nur die Reifen, sondern verwaltet auch das Lager seines Kunden. Bei der Umwandlung wird ein Prozess, in dem das Unternehmen gute Leistungen erbringt, anderen Unternehmen als Dienstleistung angeboten. Hier liegt eine radikale Strategie vor, denn ein interner Prozess wird zu einem marktfähigen Erzeugnis ausgebaut. Beispiel: Ein Stromversorger liefert nicht nur Energie, sondern er weiß auch, wie man Kraftwerke betreibt und Stromzähler abliest. Diese Fähigkeit nutzt er als Einnahmequelle, indem er die Anlagen ehemaliger Kunden betreut und für andere Versorgungsunternehmen die Zählerablesung und Rechnungsstellung übernimmt. Die Strategie der Innovation nutzt Prozesse, in denen das Unternehmen gute Leistungen erbringt, als Grundlage für die Entwicklung und das Angebot anderer Produkte und Dienstleistungen. Beispiel: Eine Fachmarktkette beherrscht ihr elektronisches Bestandsmanagement so gut, dass es diese Fähigkeit auf dem Gebrauchtwagenmarkt anbietet. Beim Ansatz der Diversifikation werden neue Produkte mit dem Ziel entwickelt, neue Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Diese Strategie verlangt große Veränderungen in den Unternehmensprozessen, denn sie beschränkt sich nicht auf die Suche nach neuen Märkten, sondern erstreckt sich auch auf die Entwicklung neuer Arbeitsweisen.

Beispiel: Ein Landmaschinenhersteller konzipiert für seine Händler Prozesse zum Verkauf und zur Erbringung von Finanzdienstleistungen für die gemeinsamen Kunden. Er ist sich sicher, dass er Erfolg hat, weil er über ein stabiles Händlernetz und eine enge Beziehung zu den Kunden verfügt. Diese Strategievarianten zeigen deutlich den grundlegenden Unterschied zu den herkömmlichen Verfahren der Strategieformulierung: Während diese den Schwerpunkt zunächst auf die Identifizierung potenziell attraktiver Märkte und Geschäftsfelder legt und dann prüft, ob dort ein Vorstoß realistisch und sinnvoll wäre, geht ein prozesszentrierter Ansatz anders vor. Hier werden zunächst für das Unternehmen weitere Möglichkeiten der Leistungserbringung geschaffen. Dann erst wird überlegt, welche der neuen Optionen überhaupt umgesetzt werden sollen.

 

 

Diese Seite als Bookmark speichern :

 

 

Weitere empfehlenswerte Webseiten:

Aus Ideen werden Unternehmer - Konzentration auf Prämien

Stärkung von Individuen in der Organisation

Das neugierige Unternehmen bei Chaosmanagement

 

Startseite | Themen | Projekt | Kontakt | Impressum | Rechtliche Hinweise

1| 2| 3| 4| 5| 6| 7| 8| 9

Copyright © 2011 All rights reserved. Wissensarchiv für Wirtschaft