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Die materiellen Ungleichheiten zwischen den Bürgern


Zunächst einmal muß man festhalten: Für Ungleichheit, die nicht mit Zwang oder Unrecht herbeigeführt wurde – also nicht durch Schädigung oder Beraubung anderer, besteht weder ein ökonomischer noch ein ethischer Rechtfertigungszwang. Such is life. Nichts in der Natur ist gleich. Kein Grashalm ist wie der andere. Nichts auf der Erde und nichts im gesamten Kosmos ist irgend etwas anderem gleich; alles und jedes unterscheidet sich von allen und jedem anderen. Erst recht trifft das auf die Menschen zu. Gleichheit im Sinne von Nichtverschiedenheit wäre der sofortige Tod allen Lebens, das sofortige Ende der gesamten Schöpfung. Sogar zwei geklonte Menschen würden zwar äußerlich gleich aussehen, wären aber dennoch ganz und gar verschieden, denn sie würden unterschiedlich denken, fühlen und handeln, würden verschiedene Erfahrungen machen, sich mit unterschiedlichen Partnern zusammentun, unterschiedliche Bücher lesen, unterschiedliche Leute treffen und in verschiedenen Lebensumständen groß werden. Sie wären zwar genetisch gleich, würden sich aber unterschiedlich entwickeln, denn alles Leben lebt von Unterschieden. ,Gleich sein’ gibt es nicht auf der Welt, allenfalls ,gleich machen’ als wahnhafter menschlicher Versuch, bei welchem man – mit wenig Erfolg – Zwang und Gewalt anwenden muß. Zwang und Gewalt aber sind unmoralisch. Deshalb ist Freiheit – und mit ihr die Ungleichheit als Wesenselement der Freiheit – ein moralisches Prinzip, das sich auf die Natur und ganz besonders auf die Natur des Menschen gründet. Die Freiheit ist, wie Murray N. Rothbard und sein Nachfolger auf dem Rothbard-Lehrstuhl, Hans-Hermann Hoppe, überzeugend belegt haben, ein Prinzip der Gerechtigkeit. Und Unfreiheit ist unmoralisch, weil sie auf dem Prinzip aggressiver Gewalt in den menschlichen Beziehungen basiert. (s. Hoppe 1998)

Zwischen Freiheit und Gleichheit besteht eine scheinbar paradoxe Beziehung: Wenn man die Menschen und ihre materiellen Lebensumstände „gleicher“ machen will, muß man sie notgedrungen ungleich behandeln. Damit aber verletzt man das vor dem Recht und der Gerechtigkeit einzig zulässige Gebot der Gleichbehandlung aller Menschen. Das Gebot der Freiheit hingegen ist die rechtliche Gleichbehandlung des notwendigerweise immer Ungleichen. Das scheinbare Paradoxon löst sich jedoch auf, sobald man erkennt, daß für die Gleichbehandlung allgemeingültige und objektiv definierbare Regeln aufgestellt werden können, niemals aber allgemeingültige und objektive Regeln für das Gleichsein in einer Welt mit unterschiedlichen Menschen. Das hat auch Folgen für das Beurteilungskriterium ‚Moral’. In einer Gesellschaft, die sie nicht (oder noch nicht) diktatorisch regieren können, müssen sich die Politiker für jede Art der von ihnen erzwungenen Umverteilung eine an hohen ethischen Werten ausgerichtete Legitimation besorgen. Ethik, Moral und Gerechtigkeit verwehren sich jedoch, wenn man sie –wie ausgeführt – richtig definiert, als Legitimationsargumente für gewaltsame Eigentumseingriffe. Also muß man die Leute mit falschen Begriffen wie „soziale Gerechtigkeit“ hinters Licht führen und ihnen den Neid als eine (angeblich zulässige) Form der moralischen Entrüstung schmackhaft machen. Auch mit dem feinen Barometer des Gewissens werden die politischen Umverteiler auf raffinierte Weise fertig. Man muß dem Volk nur unablässig ein schlechtes Gewissen einreden. Wer Arbeit hat, soll ein schlechtes Gewissen haben, weil es Arbeitslose gibt; wer zu essen hat, soll ein schlechtes Gewissen haben, weil es überall in der Welt Hunger gibt; wer in Frieden lebt, soll ein schlechtes Gewissen haben, weil anderswo Krieg herrscht; wer körperlich und geistig gesund ist, soll ein schlechtes Gewissen haben, weil es Behinderte gibt; wer in intakten familiären Verhältnissen lebt, soll ein schlechtes Gewissen haben, weil andere in einem zerrütteten Umfeld leben, usw. Ein ganz besonders schlechtes Gewissen sollen die sogenannten „Besserverdiener“ haben, obwohl sie weder an den Miseren schuld sind noch daran etwas ändern können.

Das wahre Motiv der politischen Kaste, das hinter ihrer permanenten Beschwörung des Welten-Elends steckt, lautet: „Schaut nur hin, Ihr Wähler, was überall geschieht, wenn wir nicht eingreifen und alles zum Besseren wenden. Nur wenn Ihr uns und unsere Partei mit der Macht ausstattet, auf die Einkommen und Vermögen der Reichen zuzugreifen, und nur wenn Ihr alle bereit seid, Euer Scherflein auch selber beizutragen, und nur wenn Ihr bereit seid, uns auch ordentlich ‚machen’ zu lassen, kann all die Not und Drangsal auf der Erde und in unserem Land gewendet werden.“ In Wirklichkeit werden die beklagten Miseren – die echten wie die unechten –durch das Umverteilungs- und Abzockergeschäft der Politik regelmäßig verschlimmert, oft sogar erst hervorgerufen. Und was noch schlimmer ist: der wahre Gewissensimpuls der Menschen, der sie schon immer und überall zu nachbarlicher Hilfe bewegt hat, wird hierdurch erstickt. Was also ist nun wirklich eine Frage des Gewissens: die Tatsache der Ungleichheit der Menschen und ihrer materiellen Verhältnisse – oder die Methoden, wie man mit dieser Ungleichheit sein politisches Lügen- und Machtgeschäft betreibt?!

 

 

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