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Die beste aller Welten


Das hört sich an, als sei der Kapitalismus oder die Marktwirtschaft die heile Welt oder die beste aller Welten, in der alles nur gut und ideal sein kann. Um Himmels willen, nein! In einem ganz bestimmten und wichtigen Sinne trifft sogar das Gegenteil zu. Das realistische Menschen- und Gesellschaftsbild des Kapitalismus oder der Marktwirtschaft steht ja gerade gegen den utopisch-idealistischen Perfektionswahn des Sozialismus und gegen den Machbarkeitsglauben der politischen Gesellschaftsklempner. Im Gegensatz zu den idealisierten Gesellschaftsentwürfen aller Formen des Sozialismus-Kommunismus, die für ihre irdischen Paradiese stets den „neuen Menschen“ erschaffen wollen (notfalls, indem sie alle vorhandenen erschlagen), funktioniert die Marktwirtschaft auch mit den in der Realität vorzufindenden „zweitbesten Menschen“. Von Herbert Giersch stammt der Satz: Auch der Wettbewerb „aus zweitbesten Motiven zweitbester Menschen“ bringt noch hervorragende Ergebnisse. (Giersch 1986) Das einzigartige an dieser Ordnung besteht ja gerade darin, daß die in ihr lebenden und handelnden Exemplare des homo sapiens auch charakterschwach und von geringer Intelligenz sein können, daß sie auch egoistisch und hartherzig handeln können – und damit doch zugleich zum Wohle aller anderen beitragen, ob sie das nun beabsichtigen und wollen oder nicht. Im Unterschied zu jedem anderen sozioökonomischen System hängen in der Marktwirtschaft Einkommen, Stellung Karriere und Privilegien aller Art nicht von der Willkür der großen Politzampanos oder von der beliebigen Gunst oder Mißgunst politischer Kader ab, sondern hier kann jedermann – ob guter oder schlechter Mensch – seine Ziele nur dann verwirklichen und sein persönliches materielles Wohl, Einkommen, Vermögen etc. nur dann erlangen oder mehren, wenn ei die Wünsche und Bedürfnisse anderer Marktteilnehmer entweder zu deren Zufriedenheit oder möglichst noch besser ah seine Mitbewerber erfüllt. Und zwar freiwillig und gewaltfrei Marktwirtschaft ist eine Ordnung des Dienens und nicht – wie der Sozialismus – eine Organisation des Befehls und der Unterdrückung. Guy Kirsch, ein Schweizer Nationalökonom, hat das einmal in die schönen Sätze gekleidet: „Der Markt zwing seiner Konstruktionsidee nach jeden einzelnen, seine Wohlfahrt dadurch zu fördern, daß er der Wohlfahrt der anderer Gesellschaftsmitglieder dient. Das bedeutet:... [Es] ist dem einzelnen die Möglichkeit zur gewaltsamen Aneignung fremde] Ressourcen, also die Mehrung des eigenen Verdienstes übel das Ausmaß der Dienste hinaus, die er anderen leistet, versperrt. Der Dienst am Nächsten erfolgt nicht nur, wenn Wohl. wollen und Mitgefühl dazu anhalten, sondern der Beitrag zur Wohlfahrt der anderen wird auch dann geleistet, wenn lediglich triviales Eigeninteresse am Werk ist... Hier soll die Gewalt. des Menschen über den Menschen, die Instrumentalisierung des einen durch den anderen verhindert werden, und doch soll die individuelle Freiheit nicht an den alles verschlingenden Leviathan verloren werden. Damit unterscheidet sich dieses Konzept von all jenen Entwürfen für Idealstaaten, die von Platc über Hobbes, Hegel hin zu Lenin und ihren Nachfolgern den sozialen Frieden die Freiheit des Menschen zu opfern bereis sind.“ (Kirsch 1981) Das einzige, was mir an Kirschs Wortwahl mißfällt (obwohl ich weiß, daß er das richtige gemeint hat), ist der Ausdruck, Konstruktionsidee’. Die Marktwirtschaft ist im Unterschied zu allen anderen denkbaren oder real existierenden Systemen keine „Konstruktion“, also nicht das Ergebnis eines menschlichen Entwurfs oder Plans. Sie entstand (übrigens lange vor dem Staat) und entsteht spontan immer und überall, wo man sie entstehen läßt. Und sie funktioniert sogar da, wo man sie verbietet, nämlich in Form von so genannten grauen oder schwarzen Märkten. Sie ist, wie Hayek das meisterlich formuliert hat, „zwar das Ergebnis menschlichen Handelns, aber nicht menschlichen Entwurfs“. Gerade deshalb ist sie – voi dem Hintergrund der Unvollkommenheit und Fehlbarkeit de menschlichen Wissens und Wesens, und ähnlich dem komplexen, synergetischen und kybernetischen Netzwerk der Natur - weitaus effizienter und der Natur des Menschen angemessener. ja man könnte sogar sagen „weiser“ als jedes Konstrukt irgendeines planerischen Hirns. Damit unterscheidet sich die Marktwirtschaft, um es zu wiederholen, von allen utopischen oder idealisierenden Konstruktionen, die eine „bessere Gesellschaft“ und einen „besseren Menschen“ voraussetzen – oder gar einer (angeblich) allwissenden Planbehörde bedürfen. Die Liberalen wollen, indem sie auf Markt und Kapitalismus setzen, eine menschenfreundlichere Gesellschaft, ohne daß sie dabei der Illusion verfallen. der Mensch sei per se sonderlich menschenfreundlich. Wenn die liberale Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung von einem ziemlich eigensüchtigen ,homo oeconomicus` ausgeht, dann nicht, weil sie diesen Teil der menschlichen Natur für lobenswert oder gar für den einzigen Charakterzug unserer Spezies halten würde, sondern einzig und allein deshalb, weil alles andere am menschlichen Wesen (das natürlich auch existiert!) gar nicht konstitutiv für eine große, arbeitsteilige Gesellschaftsordnung sein kann. Die finsteren Seiten der menschlichen Natur, sprich Raub und private Gewaltanwendung, Mord und Totschlag, Körperverletzung und Eigentumsschädigung, fallen in den Zuständigkeitsbereich des staatlichen Gewaltmonopols. des Polizei- und Justizapparates. Und die hellen und leuchtenden Seiten der menschlichen Natur, sprich Liebe und Hingabe. Mitgefühl und Freundschaft, sind dem privaten Bereich der Gesellschaftsmitglieder zugeordnet. Sie zum tragenden oder konstitutionellen Element einer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung machen zu wollen, ist eine nicht mehr zu überbietende Wahnvorstellung, ein Delirium von einem irdischer Paradies oder Gottesstaat (oder von einer angeblich allwissenden Politikerkaste, die sich in der Lage dünkt, Gott zu spielen) Kein Wunder, daß solcher Wahn, wo immer und wann immer man ihn in die Realität umsetzen wollte, in eine irdisch( Hölle geführt hat. Es gibt eine Moral der Realitätsakzeptant und eine Unmoral der Realitätsverweigerung, eine Moral der Wirklichkeit und eine Unmoral der Illusion, nämlich überall da, wo Realitätsverweigerung und Illusion Auswirkungen au! andere Menschen haben, die sie ausbaden müssen. Die Unmoral der Illusion ist besonders groß und verwerflich dort, wc hinter ihr ein politisches, interessengeladenes Kalkül steckt Und das steckt hinter jeder polit-ökonomischen Konstruktion die von der Marktwirtschaft mit ihren realen Menschen und realen Gegebenheiten unseres Planeten abweicht.

Marktwirtschaft löst also zwei entscheidende gesellschaftliche Probleme oder Fragen: 1) Wie können große Menschenmassen miteinander friedlich kooperieren und interagieren ohne daß jeder jeden lieben und mitfühlend umarmen muß -also ohne, daß wir allesamt gute, perfekte und edle Menscher sein müssen; und 2) Wie können große Menschenmassen – je. der für sich und alle gemeinsam – die wechselnden Knappheiten der Welt und des irdischen Daseins möglichst effizient und erfolgreich überwinden, ohne sich gegenseitig zu verletzen, berauben, zu unterwerfen, auszubeuten oder gar zu töten. Dassdie Funktionsweise der Märkte diese Probleme nicht nur einigermaßen hinreichend löst, sondern darüber hinaus sogar bewirkt, daß jeder jedem anderen nützlich ist und daß alle gemeinsam durch dieses Einandernützlichsein auch noch immer wohlhabender werden, ist ein Geschenk der Natur oder de; Himmels, vor dem wir – wie einstmals Adam Smith – in staunender Dankbarkeit stehen sollten.

Aber das alles ist eben nicht die „heile Welt“, sondern das is. die einzige menschenwürdige und lebenswerte Möglichkeit, ir der kranken Welt, wie sie nun einmal ist, friedlich, zivilisier und einigermaßen angenehm leben zu können, und zwar für alle Menschen – und nicht nur für Heilige und nicht nur für auserwählte Herrschaftscliquen.

 

 

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