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Die alleinige Weiterentwicklung zum Produktionsstandort reicht nicht aus


Wir können die Praktiken privater Unternehmen aus den industrialisierten Ländern kaum entschuldigen. Einige dieser Unternehmen mißachten die Probleme in China, besonders solche, die sich direkt auf die Lebensumstände der Menschen auswirken, und weiten ihre Geschäfte nur mit dem einen Ziel vor Augen nach China aus: Profite aus den kurzfristigen Vorteilen niedriger Lohn- und Grunderwerbskosten zu ziehen. Wir können nicht leugnen, daß alle Kosten in Japan gestiegen sind und daß die Produktionskapazitäten dieses Landes nahezu ausgeschöpft sind. So ist eine Kritik an der japanischen Industrie – und im besonderen der produzierenden – kaum fair Für sie ist die Ausweitung ihrer Aktivitäten nach China Teil der Suche nach Möglichkeiten, die Kosten zu senken. Und obwohl ihr Ziel einzig und allein kurzfristige Gewinne sind, so schaffen sie doch Arbeitsplätze in China –mit der Folge, daß das Einkommen der Menschen dort steigen wird.

Doch die Vorteile niedriger Lohnkosten und preiswerten Landes sind nicht nur auf China beschränkt, sondern sind typisch für alle Entwicklungsländer. Die Geschichte stellt jedoch unter Beweis, daß eine lokale, positive wirtschaftliche Entwicklung einen stufenweisen Verlust dieser Vorteile mit sich bringt. Und in der Tat ist zu beobachten, daß Unternehmen aus den industrialisierten Ländern bereits planen, ihre Expansionspolitik in Länder auszuweiten, die sich auf einer noch niedrigeren Entwicklungsstufe befinden als China, zum Beispiel Indien und südostasiatische Nationen wie Vietnam, Laos, Kambodscha oder Myanmar. Wir wissen, daß viele Firmen damit schon begonnen haben.

Doch inzwischen holen tatsächlich, Sie erwähnten das in Ihrem Brief, einige amerikanische Unternehmen, die ihre Produktion in Billiglohnländer verlagert hatten, diese wieder zurück in die Vereinigten Staaten.

Aus diesem Grunde kann niemand mit Sicherheit behaupten, daß sich Chinas wirtschaftliche Entwicklung fortsetzen wird, wenn sie sich weiterhin auf die Produktion von Exportgütern im Bereich der sekundären Industrien stützt. Im schlimmsten Falle könnten, bevor die positiven Auswirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung im ganzen Lande spürbar werden, die Spannungen zwischen den Regionen an die Oberfläche treten und Auswirkungen für das ganze Land haben.

Während der letzten zwanzig Jahre, in denen ich China sehr verbunden war, befürchtete ich, daß solche Probleme auftreten könnten. Sie schreiben, daß der Zusammenbruch des chinesischen Systems oder der Ausbruch eines Bürgerkrieges eine nie dagewesene Gefahr für den Zusammenhalt Chinas bedeuten würde. Darüber hinaus würde eine solche Entwicklung mit großer Sicherheit einen überaus negativen Einfluß auf die Entwicklung im östlichen Asien, Japan und Südostasien eingeschlossen, haben. An diesem Punkt sind meine Einschätzungen mit Ihren leider völlig identisch. Es gilt, sich dieses Szenario zu vergegenwärtigen und es mit aller Macht zu vermeiden.

Welche Mittel aber stehen japanischen Unternehmern zur Verfügung, um zu vermeiden, daß eine solche Vorstellung zur Wirklichkeit wird? Die Antwort auf diese Frage ist in Ihrem Brief eindeutig formuliert: Es handelt sich um die gleichzeitige Optimierung sowohl der »sichtbaren« als auch der unsichtbaren Infrastruktur Unternehmen haben in den industrialisierten Ländern bereits riesige Summen für Kapitalinvestitionen wie Fabriken, Verkehrs- und Telekommunikationsnetze ausgegeben, um eine sichtbare Infrastruktur zu schaffen. Die Übersee-Chinesen wiederum nutzen ihre Rolle, um eine »unsichtbare« Infrastruktur zu schaffen, zum Beispiel finanzwirtschaftliche Strukturen und Grundlagen für ein Absatzsystem.

Als Teil dieser Aktivitäten sehe ich die Rolle, die wir, die japanischen Unternehmer (ich denke dabei besonders an Unternehmer, die wie ich im Bereich des Einzelhandels aktiv sind), in China spielen können, folgendermaßen: Wir sollten die Anstrengungen der Übersee-Chinesen unterstützen und eine Kooperation zur Optimierung der »unsichtbaren Infrastruktur« anstreben.

Seit Jahren rät mir mein Gefühl, daß das Distributionssystem eines Landes mit dem Kapital der Menschen errichtet werden sollte, die auch in diesem Land leben. Einheimische wissen viel besser als jeder andere, welche Waren in welchen Teilen des Landes produziert werden und welcher Lieferweg der effektivste von einem bestimmten Produktionsort zu einem bestimmten Geschäft ist. Aus diesem Grunde denke ich, daß Menschen aus den jeweiligen Regionen viel eher in der Lage sind, Absatzprobleme zu erkennen, die in ihrem eigenen Land auftreten. Genauso bin ich der Ansicht, daß wir Japaner Neulinge, die bislang noch nicht einmal eine annehmbare Vertriebsinfrastruktur in ihrem eigenen Land etablieren konnten, es vermeiden sollten, uns in Angelegenheiten der Handelsstrukturen anderer Länder einzumischen.

 

 

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