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Die Verbreitung des angstbasierten Managements


Wie verbreitet sind Angst und Misstrauen am Arbeitsplatz nun wirklich? Mit einigen wenigen Beispielen kann man schließlich nicht nachweisen, dass es sich hier um ein weit verbreitetes Problem handelt. Sind es also nur Einzelfälle? Leider nicht! Verschiedene groß angelegte Studien belegen unsere Einschätzung über die Verbreitung des Problems. In der ersten aus dem Jahr 1994 wurden über 2400 Arbeitnehmer landesweit von dem amerikanischen Forschungsinstitut Princeton Survey Research Associates befragt. Verschiedene Ergebnisse dieser Studie belegen, dass Angst und Misstrauen in amerikanischen Unternehmen ernst zu nehmende Probleme am Arbeitsplatz darstellen: Angesichts des allgemeinen Arbeitsplatzabbaus fühlen sich viele schon privilegiert, wenn sie überhaupt eine Stelle haben. Nur eine Minderheit (38 Prozent) der Arbeitnehmer glaubt, sehr schnell eine neue Anstellung finden zu können» Die Studie fand heraus, dass zwischen der Loyalität und dem Vertrauen von Arbeitnehmern gegenüber ihren Arbeitgebern eine große Differenz besteht . . . Weniger als vier von zehn Arbeitnehmern (38 Prozent) vertrauen darauf, dass ihr Arbeitgeber seine Versprechungen hält. 16 Prozent (einer von sechs) Arbeitnehmer geben zu, einen Vorschlag zur Produktivitätssteigerung nicht geäußert zu haben, aus Furcht, dass jemand deswegen seinen Arbeitsplatz verlieren könnte . Als Amerikanische Arbeitnehmer haben nur mangelhafte Kenntnisse von Arbeitsschutzgesetzen und Vorschriften, die ihre Rechte am Arbeitsplatz regeln. Die meisten Arbeitnehmer überschätzen ihren rechtlichen Schutz, fordern aber in einigen Bereichen noch mehr Schutzmaßnahmen. Angesichts von Personalabbau und Umstrukturierungen wünschen sich Arbeitnehmer hauptsächlich Gesetze, die sie davor schützen, willkürlich gekündigt zu werden, durch Teilzeitbeschäftigte ersetzt zu werden oder ihren Arbeitsplatz durch Personalabbau und Werkschließungen zu verlieren. Andere neuere Studien aus Amerika und Großbritannien zeichnen ein ähnliches Bild. Eine Studie von 1970, die unter den Absolventen der Bucknell Universität durchgeführt wurde, kam zu dem Ergebnis, dass 91 Prozent Unternehmen für weniger loyal gegenüber ihren Angestellten hielten, 60 Prozent meinten, dass das Arbeitsklima bedrohlicher geworden sei, und »drei Viertel der Befragten sind entweder schon gekündigt worden oder haben einen Verwandten oder Freund, dem gekündigt worden ist«. Eine Umfrage der britischen Zeitung Observer kam zu ähnlichen Ergebnissen: »Fast die Hälfte der Befragten hatte schon einmal ihre Stelle verloren, hatte längere Arbeitszeiten, eine neue Stelle zu schlechteren Konditionen oder kurzfristige Arbeitsverträge annehmen müssen. Nur ein Drit:el war der Ansicht, dass es einfach wäre, einen neuen Arbeitsplatz zum gleichen Gehalt zu finden.«

Weitere Daten aus Umfragen in zwei Unternehmen von 1997 belegen die Verbreitung von Angst und Misstrauen. Zwei Punkte sind zu diesen Daten wissenswert. Erstens, beide Umfragen wurden durch die Unternehmen selbst (beziehungsweise durch externe Forschungsinstitute, die damit beauftragt wurden) durchgeführt, mit dem Ziel, die Einstellung der Angestellten zu beurteilen. Wir hatten zwar Zugang zu den Umfrageergebnissen, haben die Studie jedoch nicht selbst durchgeführt. Zweitens, und fast noch wichtiger, keines der Unternehmen hat den Ruf, es herrsche ein besonders angsterfülltes Arbeitsklima. Bei einem der beiden Unternehmen handelt es sich um eine große Firma aus dem produktiven Sektor mit loyalen und langfristig beschäftigen Arbeitnehmern und Vorgesetzten, die den Anspruch und den Ruf haben, die Motivationen und Einstellungen der Beschäftigen ernst zu nehmen. Das Unternehmen investierte in der Vergangenheit viel in Weiterbildungsmaßnahmen und Managemententwicklung, um die Produktivität der Arbeit auf ein hohes Leistungsniveau zu steigern. Das zweite Unternehmen ist ein großes, internationales, halbstaatliches Finanzinstitut mit einer Personalvertretung (die auch die Umfrage durchführte) und Arbeitnehmerrechten, die denen des öffentlichen Dienstes entsprechen. Das Unternehmen gibt in großem Umfang Arbeit an externe Fachkräfte weiter und steht immer wieder unter dem Druck, Änderungsmaßnahmen durchzuführen. Doch im Vergleich zu vielen anderen amerikanischen Privatunternehmen könnte man eigentlich vermuten, dass die Belegschaft dieses Finanzinstituts, die sich größtenteils aus hoch qualifizierten Akademikern zusammensetzt, über einen relativ sicheren Arbeitsplatz verfügt. Sie zeigt die Umfrageergebnisse für das erste Unternehmen. Hierbei wurde das Verhältnis der positiven Antworten in diesem Unternehmen mit den Durchschnittswerten anderer hoch produktiver Unternehmen verglichen (Daten, die dem Institut, das die Umfrage durchführte, zur Verfügung standen). Die Daten sprechen für sich. Nur knapp über die Hälfte der Beschäftigten bejahten die Frage, ob »das Unternehmen betriebsinterne Angelegenheiten mit Integrität behandle«. Weniger als die Hälfte der Befragten bejahten die Frage, oh sie respektvoll behandelt und oh traditionellle Verfahrensweisen hinterfragt würden. Nur knapp ein Drittel stimmte der Aussage zu, dass »innovative Ansätze auch scheitern dürften, ohne dass sich für die verantwortliche Person oder Abteilung negative Konsequenzen ergeben«. Sogar die landesweiten Durchschnittswerte hoch produktiver Unternehmen wiesen auf ein beträchtliches Ausmaß an Misstrauen und Angst hin, obwohl die Ergebnisse etwas besser waren als die des befragten Unternehmens. Die Ergebnisse im befragten Unternehmen lassen auf ein bemerkenswertes Niveau an Unsicherheit und Misstrauen schließen, obwohl es sich um ein großes, erfolgreiches, allgemein respektiertes lind sicherlich vergleichsweise menschenfreundliches Unternehmen handelte. Die Ergebnisse des großen, internationalen, halbstaatlichen Finanzinstituts sprechen ebenso für sich. Weniger als ein Viertel der hoch qualifizierten Beschäftigten dieses renommierten Unternehmens hatten den Eindruck, dass zwischen der Geschäftsleitung und den Angestellten ein Vertrauensverhältnis bestünde. Wenige waren der Ansicht, dass sich die Geschäftsleitung Gedanken über die Beschäftigen machen würde; ein Großteil der Angestellten fühlte sich unter Druck gesetzt, beispielsweise Verfahren abzukürzen und Qualitätsaspekte zu vernachlässigen; und wieder gab nur ungefähr die Hälfte der Befragten an, ein gutes Gefühl dabei zu haben, wenn sie das Risiko eingehen, neue Arbeitsverfahren einzuführen. In einem Unternehmen, in dem so viel gegenseitiges Misstrauen herrscht und in dem Wissensaustausch und das Prinzip von Versuch und Irrtum so gering geschätzt werden, ist es unwahrscheinlich, dass vorhandenes Wissen geteilt und freiwillig neues Wissen erworben wird. Diese Unternehmen wurden nicht ausgewählt, weil sie Extremfälle darstellen. Das Arbeitsklima ist hier wahrscheinlich besser als in vielen anderen. Dennoch vermitteln diese Studien den Eindruck, dass es weitaus mehr Angst und Misstrauen am Arbeitsplatz gibt, als es nützlich ist und man vermuten würde.

 

 

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