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Die Spielregeln aufbauen bei der Spieltheorie


Was ein Unternehmen im Geschäft erreichen kann, hängt zum einen von der Macht im Spiel ab – der eigenen Macht und der Macht der anderen, die konkurrierende Ansprüche auf den zu verteilenden Kuchen haben. Die jeweilige Macht hängt wiederum von der Struktur des Spiels ab. Die Spieltheorie hilft, diese Machtverhältnisse genau zu bestimmen. Ihre Elemente sind – neben den Spielern – Mehrwerte, Regeln, Taktiken und der Spielraum.

Der Schlüssel zum Verständnis, wer Macht in einem Spiel hat, ist das Konzept vom Mehrwert. Der Mehrwert misst, was jeder in das Spiel einbringt. Er lässt sich mit folgender Formel darstellen: Mehrwert = die Größe des Kuchens, wenn das Unternehmen im Spiel ist, minus die Größe des Kuchens, wenn das Unternehmen nicht im Spiel ist. Bei der Berechnung dieses Mehrwertes machen die Unternehmen häufig zwei Fehler. Zum einen konzentrieren sich viele nur auf den ersten Teil der Gleichung, indem sie sich sich nur eine Frage stellen, nämlich: Wenn ich in das Spiel eintrete, was füge ich hinzu? Sie stellen also fest, was die anderen Spieler zahlen würden, um das eigene Unternehmen im Spiel zu haben, anstatt sich auf das Minimum an Spielgewinn zu konzentrieren, für das sie noch ins Spiel eintreten würden. Zum anderen wird häufig der eigene individuelle Mehrwert mit dem größeren Mehrwert einer Gruppe von Spielern verwechselt, die in der gleichen Position sind. Barry Nalebuff und Adam Brandenburger übertragen diesen Gedanken auf den Autosektor: »Der Mehrwert von Autos ist riesig, wir können uns das Leben ohne sie kaum noch vorstellen. Heißt das aber, dass Ford einen ebenso riesigen Mehrwert hat? Keineswegs. Nehmen Sie Ford aus dem Markt, dann gibt es immer noch General Motors, Chrysler, BMW, Toyota und viele andere Autohersteller. Was es nicht mehr geben würde, wären der Ford Explorer und der Ford Mustang. Damit hat Ford aber nur in einem viel begrenzteren Sinne einen Mehrwert, also einen viel kleineren Mehrwert.«

Ein weiteres Spielelement sind die Regeln. Diese strukturieren die Spielweise und sind, wie Mehrwerte, wichtige Machtquellen. Im Geschäftsleben sind dies aber keine Universalregeln, sondern die Regeln leiten sich aus Gesetzen, Gebräuchen und Verträgen ab. Das Hinzufügen einer Regel kann die Art und Weise, wie ein Spiel gespielt wird, sehr stark verändern: Ein Spieler, zum Beispiel ein Supermarkt oder ein Warenhaus, macht den anderen Spielern, den Kunden, das Angebot, die Waren zum aufgedruckten Preis zu kaufen. Dieses Angebot können die Kunden entweder annehmen, indem sie kaufen, oder ablehnen, indem sie nicht kaufen. Doch die Konsequenzen der Regel sind nicht leicht durchschaubar. Dies wird umso schwieriger, je komplizierter die Regeln sind. Ein weiteres Element sind die Taktiken; sie sind Mittel zur Formung von Auffassungen. Jedes Spiel wird von den unterschiedlichsten Auffassungen der verschiedenen Spieler beeinflusst. Zu jeder Spielbeschreibung gehört also auch die Darstellung, wie die einzelnen Spieler das Spiel auffassen und wie sie glauben, dass andere es auffassen. Indem ein Unternehmen Auffassungen von anderen Spielern verändert, kann es deren Spielschritte verändern. Auffassungen sind besonders wichtig in Verhandlungen.

Jedes Spiel hat schließlich auch einen Spielraum, also Grenzen, die bei der Definition des Spiels vorausgesetzt werden. Ein Spiel ohne Grenzen wäre zu komplex, um es zu analysieren. Dadurch, dass man in seiner Vorstellung Grenzen zieht, um die eigene Welt analysieren zu können, entsteht die Fiktion, dass es viele getrennte Spiele gibt. Beispielsweise wird über »die« Volkswirtschaft oder »die« Branche gesprochen, als wären sie abgegrenzte vollständige Bilder. Doch dies ist eine Fiktion, denn sämtliche Volkswirtschaften und Branchen der Welt hängen voneinander ab. Deshalb sind derartige Grenzen künstlich.

 

 

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