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Die Reichen immer reicher...


Wirtschaftliche Macht hin oder her; fest steht, daß im Kapitalismus offensichtlich das Gesetz gilt: Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. In dieser Behauptung steckt mindestens ein Dutzend Irrtümer oder Lügen zugleich. Hier sollen wenigstens die gängigsten vier oder fünf kurz gestreift werden. Zunächst impliziert die Parole von den Reichen, die immer reicher und den Armen, die immer ärmer werden, daß der Kapitalismus ganz generell Armut und arme Leute produzieren würde. Dazu vorweg: Es gibt auf dem ganzen Globus kein einziges auch nur halbwegs kapitalistisches Land, in welchem die Mehrheit der Bevölkerung nicht wohlhabend ist; und es gibt weltweit kein einziges signifikant nichtkapitalistisches Land, in welchem die Mehrheit der Bevölkerung nicht in Armut lebt. Die Heritage Foundation hat 1997 eine Studie mit dem Titel 1997 Index of Economic Freedom“ vorgelegt, eine umfangreiche und höchst sorgfältig erarbeitete wissenschaftliche Arbeit. Untersucht wurden 150 Länder der Erde, und zwar nach Maßgabe sämtlicher objektiv meßbaren Kriterien für Reichtum, Armut, Freiheit und Unfreiheit. Das eindeutige Ergebnis:

I) Je mehr wirtschaftliche Freiheit (oder Marktwirtschaft oder Kapitalismus) in einem Land, desto reicher ist es, gemessen am Inlandsprodukt je Kopf der Bevölkerung. 2) Es gibt keine Nation, die ökonomisch frei und dennoch arm wäre –und keine, die unterdrückt und trotzdem reich wäre. Doch gehen wir das Thema zunächst einmal historisch an. Mit zunehmender Verbreitung der sogenannten Industriellen Revolution im 19. und frühen 20. Jahrhundert hat sich nicht nur die Güterversorgung der breiten Bevölkerungsmassen dramatisch verbessert – auf ein Niveau zivilisatorischer und hygienischer Lebensumstände und Annehmlichkeiten, das sich sogar die Wohlhabenden früherer Zeiten nicht hätten träumen lassen -, sondern auch der gesellschaftliche Status des sogenannten gemeinen Volkes. Wie Ludwig von Mises es eindrucksvoll beschrieben hat, ging die ökonomisch-gesellschaftliche Dominanz von den Landeigentümern auf die Gesamtheit der Bevölkerung über. Der gemeine Mann war nun kein Bettler mehr, der von den Brosamen leben mußte, die vom Tisch der Reichen fielen. Die drei Paria-Kasten, die für die vorkapitalistische Zeit charakteristisch waren – die Sklaven, die Diener und die Armen, verschwanden. Ihre Nachkommen wurden in diesem neuen ökonomischen Umfeld nicht nur freie Arbeiter, sondern auch Kunden, welche als Abnehmer der Massenproduktion viel bedeutsamer wurden als die verbliebenen „Standes-Reichen“ mit ihrem vom Volumen her unbedeutend gewordenen Luxuskonsum. (s. Mises 1958)

Auch machte es der Kapitalismus für jedermann möglich, die Standesgrenzen zu überschreiten und einzureißen. Reichtum war nicht mehr an den gesellschaftlichen Stand als Adliger oder Landbesitzer gebunden, sondern an Leistung im Dienste der Massenversorgung auf immer größer werdenden Märkten. Für jedermann war nun auch die Möglichkeit eröffnet, zu sparen, Kapital anzusammeln und zu investieren. Der Graben, der in den vorkapitalistischen Zeiten zwischen den Eigentümern und den Besitzlosen geklafft hatte, wurde stetig schmaler. Immer mehr Arbeiter konnten zu Eigentümern von Aktien, Versicherungspolicen und Immobilien werden. Ja, noch mehr: Die Masse der Bevölkerung wurde zu den eigentlichen „Herren“ des Kapitals. Vorher konnte niemand außer den Eigentümern selbst darüber befinden, was mit den Schlössern und Latifundien zu geschehen hatte, jetzt aber bestimmten die Massen der Konsumenten über den Kapitaleinsatz. Nur wenn die Kapitaleigentümer in Produktionsanlagen investierten, mit welchen die Bedürfnisse der großen Bevölkerungsmehrheit befriedigt wurden, konnte sich das Kapital verzinsen und erhalten, alles andere Kapital erbrachte Verluste und ging verloren. Im Kapitalismus ist die ganze Bevölkerung der eigentliche Herr des Kapitals, der bestimmt, wo und wie es eingesetzt und in den Dienst aller gestellt wird – ganz egal, wem es physisch oder juristisch gehört. Es ist bei dieser Gelegenheit wichtig, darauf hinzuweisen, daß jeder dirigistische und konfiskatorische Eingriff des Staates in die Sphäre des Kapitals nicht nur eine Teilenteignung der Kapitaleigentümer darstellt, sondern auch und vor allem eine Entmündigung und eine Enteignung der Entscheidungshoheit des Volkes über den Kapitalstock einer Nation – und auch eine Entreicherung der gesamten Bevölkerung.

 

 

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