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Die Problematik der Regionalisierung


Wir werden zur Zeit Zeuge zunehmender Regionalisierungsbestrebungen in vielen Teilen der Welt. Trotz eifriger Bemühungen von EU und NAFTA, das Gegenteil vorzugaukeln, sehen Außenstehende unvermeidlich Anlaß, an geschlossenen Wirtschaftsräumen zu zweifeln. Ich stimme mit Ihrer Erwiderung zu diesem Punkt völlig überein. Die Behauptungen, das Aufstreben des Regionalismus stünde in direktem Zusammenhang mit einer wirtschaftlichen Blockbildung, wird sich als nicht haltbar herausstellen. Ich kann die Argumentation der Befürworter einer Regionalisierung, die eine Liberalisierung der globalen Beziehungen als Folge der Liberalisierung in bestimmten Regionen erwarten, durchaus verstehen. Es ist eine Frage der Zeit: Während der fortschreitenden Liberalisierung innerhalb einer bestimmten Region wird sich das wirtschaftliche Wachstum außerhalb dieser Region wahrscheinlich verlangsamen, bevor das zu erwartende Überlaufen des Fasses den Rest der Welt von dieser Liberalisierung profitieren läßt.

Die Europäische Gemeinschaft etwa nahm 1957 mit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) ihren Anfang. Es dauerte mehr als dreißig Jahre bis zur Unterzeichnung der Maastrichter Verträge, die die Gründung der EU besiegelten. In Japan begann 1957 die rasante wirtschaftliche Entwicklung der Nachkriegszeit. Zu dieser Zeit war niemand - außer Ihnen - in der Lage vorherzusagen, daß Japan eine führende Rolle in der Weltwirtschaft spielen würde, daß die Ölkrise die Welt zwingen würde zu akzeptieren, daß ihre natürlichen Ressourcen endlich sind, daß die Berliner Mauer fallen würde und daß darauf folgend die Sowjetunion auseinanderbrechen würde. Sie haben das in Ihrem Buch »The New Realities« (dt. »Die neuen Realitäten«) prognostiziert.

Genauso wenig wird man das Argument nicht vorbehaltlos akzeptieren können, daß der Regionalismus in einer zukünftigen Weltwirtschaft zur Regel wird. Die Welt sieht sich zur Zeit mit einer globalen Umweltproblematik konfrontiert, die über die Problematik der Knappheit von Ressourcen bei weitem hinausgeht und die Zukunft der Menschheit in Frage stellt. Es bleibt keine Zeit zu verlieren.

Die Japan zugewiesene Rolle ist von globaler Bedeutung. Denn es ist großzügigen fremden Ländern zu verdanken, die ihre Ressourcen teilten, daß dieses rohstoffarme Japan zu einer solchen wirtschaftlichen Blüte gelangen konnte. Wenn ich mir vor Augen halte, wie ernst die globalen ökologischen Probleme sind, so nehme ich mit Sicherheit an, daß von uns Leistungen erwartet werden, die von Nutzen für die ganze Welt sind.

Deshalb darf es auch nicht zu einer weiteren Blockbildung kommen. Die Zeit für eine weltweite ökonomische Liberalisierung ist da. Auf diesem Wege müssen wir die effektivsten Produktionsmethoden herausfinden und die optimalen Standorte nach grenzenlosen, globalen Vorgaben auswählen. Wir müssen uns vergegenwärtigen, daß Regierungen, die in erster Linie nach den Vorgaben nationaler Politik handeln, diese Aufgaben kaum bewältigen können. Die private Unternehmerschaft ist in die Pflicht genommen.

Ich bin der Ansicht, daß sich die japanischen Unternehmer diese Verantwortung ein wenig klarer vor Augen führen sollten. Anstatt auf der Suche nach billigem Grund und Boden und billigen Arbeitskräften um den Globus zu jetten, ist es wichtiger, sichere Vereinbarungen mit den lokalen sozialen Gemeinschaften zu treffen, um Arbeitsprozesse in Übereinstimmung mit lokalen Anforderungen einzurichten, Management-Know-how und Fähigkeiten ohne Vorbehalte weiterzuleiten, Fähigkeiten zu fördern und somit einen Beitrag zum weltweiten Wirtschaftswachstum zu leisten. Meine Entscheidung, in China zu investieren, ist ein Beispiel in diese Richtung. Das Konzept eines globalen Denkens und des Handelns vor Ort erfordert solche kommunalen Initiativen - und zwar weltweit. Die private Unternehmerschaft in Japan muß, wenn sie den Unbilden der Veränderungen der Weltwirtschaft standhalten will, daran arbeiten, die Produktivität zu steigern. Die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt muß wachsen, und lebenslange Beschäftigungsverhältnisse, genauso wie nach Alter gestaffelte Gehälter, müssen überdacht werden. Aus diesem Grunde sind Kriterien erforderlich, die die Mobilität erhöhen und die das wirtschaftliche Mißverhältnis – von Produktion zu Dienstleistung, von Stadt zu Land, von Jung zu Alt – vermindern.

Sie machen deutlich, daß der Schlüssel zum Erfolg in der Fähigkeit der Unternehmen liegen wird, sich der Perspektive einer Welt ohne Grenzen zu öffnen und Management-Teams zu schaffen, die dem Ziel verpflichtet sind, dem Unternehmen zu Gewinnen zu verhelfen, und denen die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern oberstes Gebot ist. Während dieser kritischen Zeiten, wo grundlegende Weichen für die Zukunft der japanischen Industrie gestellt werden, ist es unverantwortlich von Entscheidungsträgern, Statements abzugeben, die in der Vergangenheit erbrachte (große und kleine) Leistungen von Mitarbeitern des Unternehmens schmälern.

Natürlich muß auch die Selbstverantwortung von Mitarbeitern gefordert werden. Es ist jetzt, viel mehr als je zuvor, von existentieller Bedeutung, daß Mitarbeiter frei sind in der Wahl der Werkzeuge und Hilfsmittel, die sie benötigen, um ihren Beitrag zum Wohlergehen des Unternehmens, der Gesellschaft und der ganzen Welt zu leisten. Trotzdem ist es zuviel verlangt, auch selbstverantwortlichen Mitarbeitern alle Bürden der Verantwortung aufzuerlegen.

 

 

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