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Die Optimierung der individuellen Stärken


Sie haben in einem vor kurzem in Tokio gehaltenen Seminar betont, daß es die Verantwortung eines jeden von uns sei, unsere persönlichen Stärken weiterzuentwickeln. Sie argumentierten ebenso, daß Gleiches, im Hinblick auf die Umstrukturierung von Unternehmen und den Abbau von Stellen, besonders für Führungskräfte gelten muß.

Während ich diesen Ausführungen folgte, wurde mir bewußt, daß die Rolle der Unternehmen in einer zukünftigen wissensbasierten Gesellschaft darin besteht, Mitarbeiter in ihren Bemühungen zu unterstützen, die individuellen Stärken zu optimieren. Das versetzt Firmen in die Lage, einen Beitrag zum Wohle der Gesellschaft zu leisten, indem sie zu einer Anhäufung von Individuen werden, die über eine ausgeprägte Neigung zur Steigerung der eigenen Leistungsfähigkeit verfügen. Wenn die einzelnen Volkswirtschaften global immer enger zusammenrücken, wird es für japanische Unternehmen immer häufiger notwendig sein, global zu denken und vor Ort zu handeln. Die Förderung von Fähigkeiten wird in Übersee genauso wichtig sein wie im eigenen Land. Führungskräfte müssen über Sensibilität für globale Verantwortung verfügen.

Ich möchte einige Fragen aufwerfen, die darauf abzielen, mich und andere japanische Führungskräfte in die Lage zu versetzen, die Bedeutung unserer Verantwortung zu überdenken.

Es kann nicht länger bezweifelt werden, daß das Bildungssystem im Zusammenhang mit dem Wandel der japanischen Gesellschaft – hin zu einer wissensbasierten Gesellschaft –einen hohen Stellenwert einnehmen wird. Das aktuelle japanische Bildungssystem beruht auf dem Auswendiglernen von Fakten, wie der Wiedergabe von bedeutenden historischen Ereignissen und Ergebnissen chemischer Reaktionen, ohne auch nur einen Gedanken an die Zusammenhänge oder den ihnen zugrundeliegenden Versuch zu verschwenden. Ganz offensichtlich ist dieses Bildungssystem nicht geeignet, solche Fähigkeiten freizusetzen, die eine wissensbasierte Gesellschaft erfordert: nämlich Kreativität und selbstbestimmtes Handeln. Eine Reform ist überfällig.

Wie, meinen Sie, sähe er aus, der wirklich »gebildete Mensch«in einer wissensbasierten Gesellschaft? Ich würde mich freuen, Ihre Gedanken zu diesem Thema zu hören, denn Ihre Meinung wird sicherlich sehr wertvoll für die Reform des japanischen Bildungssystems sein.

Ich hoffe, Sie werden mir verzeihen, wenn ich damit beginne, daß für mich die japanische Kritik am eigenen Bildungssystem schon immer sehr schwer nachzuvollziehen war. Natürlich gibt es einige gewichtige Fehlentwicklungen. Ich werde ein wenig später darauf eingehen. Doch sie dürfen, soweit ich das beurteilen kann, nicht dem Bildungssystem angelastet werden. Es sind Probleme, die von außen herangetragen werden, und zwar durch Entwicklungen der letzten dreißig, vierzig Jahre, denen sich die Gesellschaft bislang nicht angepaßt hat.

Ich habe mir seit vielen Jahren angehört, daß das japanische Bildungssystem zur Konformität erzieht, daß es Individualität und Kreativität unterdrückt und angepaßte Menschen hervorbringt, die weder in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen, noch innovativ und eigenständig zu denken. Doch die erzielten Resultate unterstützen diese Thesen nicht. Ein Außenstehender wie ich muß etwas verwundert feststellen, daß Japan sich seit Jahrhunderten durch ein ungeheures Potential an eigenständigen Leistungen und Kreativität auszeichnet.

Es gibt große Probleme, das räume ich ein. Der Leistungsdruck, besonders vor Prüfungen, ist an japanischen Schulen außerordentlich ungesund — ich denke, dem wird jeder zustimmen. Nicht die Tatsache allein, daß junge Menschen um ihre Kindheit gebracht werden, obwohl das schlimm genug ist, betrübt mich. Als viel schlimmer empfinde ich das eiskalte Konkurrenzverhalten der Schüler untereinander. Vor einigen Jahren war ich zutiefst schockiert, als der damals vierzehn Jahre alte Sohn eines Freundes von uns mir mit großer Begeisterung erzählte, daß sein bester Freund ernsthaft erkrankt wäre und damit kein ernstzunehmender Mitbewerber mehr für die Zulassung zur High-School sei. Das wäre im Westen unvorstellbar. Wir bemühen uns, besonders in den USA, darum, daß die jungen Menschen sich als Mitglieder eines Teams sehen. Und in der Tat sind unsere höheren Schulen darum bemüht, das Miteinander und die Teamfähigkeit zu fördern, so wie das bei Ihnen in Japan in den großen Unternehmen bei jungen Mitarbeitern der Fall ist.

 

 

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