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Die Notwendigkeit wirtschaftlicher Hilfe


Gerade in den armen Ländern der Welt ist es von Bedeutung, einen schnellen Aufschwung herbeizuführen. Ein Grund für diese Notwendigkeit ist das Wissen, daß schnelles Wachstum durchaus möglich ist. Der andere ist, daß das globale wirtschaftliche Ungleichgewicht nicht länger haltbar ist. Denn es unterscheidet sich grundlegend von dem wirtschaftlichen Ungleichgewicht der Vergangenheit.

So weit unsere Geschichtsschreibung zurückreicht, hat es zu allen Zeiten und in allen Ländern reiche und arme Menschen gegeben. Das Ungleichgewicht war in der Vergangenheit in quantitativer Hinsicht noch viel größer als heute. Nirgendwo werden wir heute, in einem beliebigen »entwikkelten« Land, eine Situation vorfinden, die auch nur annähernd dem Ungleichgewicht nahe kommt, das sich in dem Unterschied zwischen dem unermeßlichen Reichtum des Hofes und der Prinzen in »Genji Maogatari« (ich lese es gerade mit großem Vergnügen noch einmal) und der unvorstellbaren Armut der Bauern und Holzfäller zu dieser Zeit, vor tausend Jahren, ausdrückt. Und natürlich waren die Verhältnisse in Japan zur Heian-Zeit nicht anders als im China der Song-Dynastie oder in Europa unter Karl dem Großen. Historisch gesehen hat es nie einen großen Unterschied hinsichtlich der Ungleichheit in dem einen oder anderen Land gegeben. Heute jedoch sind die Armen in einem reichen Land unendlich reicher als die meisten Menschen in den wirklich armen Ländern, mit Ausnahme einer ganz, ganz verschwindend kleinen Minderheit. Und die moderne Informationstechnologie hat dieses Ungleichgewicht sichtbar und damit nicht mehr tolerierbar gemacht.

Gleichzeitig wissen wir, daß es nicht daran liegt, daß die armen Länder noch ärmer geworden sind. Es ist keineswegs, wie der Marxismus des 19. und 20. Jahrhunderts behauptete, eine Frage der »Ausbeutung«. Im Gegenteil, nichts ist jemals so eindeutig widerlegt worden wie die sogenannte »Abhängigkeitstheorie« — die intellektuelle Version des alten Slogans des »Imperialismus« —, die vor dreißig oder vierzig Jahren besonders in Lateinamerika populär wurde. Der rasante Aufstieg einiger sehr armer Länder in Südostasien, aber auch die plötzliche Wende in den lateinamerikanischen Staaten nach der Einführung der freien Marktwirtschaft hat gezeigt, daß es heute nicht mehr die Unterscheidung zwischen reichen Ländern und armen Ländern gibt. Es gibt nur gut- und schlecht-gemanagte Länder.

Allein die Kräfte des Marktes können diese Aufgaben bewältigen — und sollten es. Die jeweilige Regierung, ob in Chile oder in Singapur, muß die entsprechenden sozialen und wirtschaftlichen Voraussetzungen schaffen. Und dann wird der Markt das übrige tun.

Auch im Umweltschutz kann die Marktwirtschaft eine bedeutende Rolle spielen. Es ist sicherlich intelligenter, den Umweltschutz, sowohl für Verbraucher als auch für Landwirte und kleine Unternehmen, wirtschaftlich attraktiver zu machen, statt mit Sanktionen zu drohen. Aber die Initiative muß von der Politik ausgehen — und deren Strategien werden grenzüberschreitend sein müssen.

Eine zentrale Frage berührt deshalb sicherlich die Effektivität der Politik. Was kann die Politik eigentlich wirklich leisten?

Dies wird, so kann mit großer Sicherheit vorausgesagt werden, ein zentrales Anliegen der nächsten Jahrzehnte sein —und auf der Tagesordnung steht unser Überleben. Die globalen Anliegen sind nur ein Teil der Herausforderungen an die Politik. In ihren traditionellen innenpolitischen Aufgaben sehen die Regierungen ähnlichen Herausforderungen entgegen. Wir sind nun tatsächlich an einem Punkt angelangt, an dem wir die Politik kreativ erneuern müssen. Unsere grundlegenden politischen Theorien sind heute etwa dreihundert Jahre alt. Sie gehen auf das England des späten 17. Jahrhunderts zurück, auf Theoretiker wie etwa John Locke. All diese Theorien beschäftigten sich mit der Frage: Was sollte die Politik leisten? Und wie sollte sie es tun? Keine hat sich in den vergangenen dreihundert Jahren mit der Frage auseinandergesetzt: Was kann die Politik leisten? (Der letzte, der dieser Frage im Westen nachgegangen ist, war Machiavelli im frühen 16. Jahrhundert.) Und dennoch ist es gerade diese Frage, die wir uns stellen müssen - und zwar bald.

 

 

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