Economia48 Projekt Wirtschaftslexikon Management Lexikon Lexikon Wirtschaft
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

Die Geheimnisse des chinesischen Managements


Wenn es nicht zu einem totalen Zusammenbruch des chinesischen Staates kommt, möchte ich annehmen, daß innerhalb von zehn Jahren ebenso viele Bücher mit dem Titel »Die Geheimnisse des chinesischen Managements« zu finden sein werden, wie während der vergangenen zehn Jahre Bücher mit dem Titel »Die Geheimnisse des japanischen Managements« zu finden waren. In China wird ein eigenständiger Managementstil und eine eigenständige Managementstruktur entwickelt. Ich habe oft betont, daß das japanische Geheimnis die Fähigkeit ausmacht, aus einem modernen Unternehmen eine Familie zu machen. Das Geheimnis des chinesischen Managements ist es, aus einer Familie ein modernes Unternehmen zu machen.

Ich stelle fest, daß in den letzten Jahren eine neue wirtschaftliche Supermacht entstanden ist, für die es bislang kein Beispiel gibt: die der Übersee-Chinesen. Sie leben verstreut an verschiedenen Orten, diesseits und jenseits des Pazifiks. In Hongkong natürlich, in Taiwan und Singapur. Drei Orte von bescheidenem Ausmaß, mit einer gänzlich oder aber zumindest vorherrschend chinesischen Bevölkerung. In Malaysia beträgt der chinesische Bevölkerungsanteil 30 Prozent; auf den Philippinen, Taiwan, in Indonesien und in Thailand ist der chinesische Bevölkerungsanteil etwas niedriger. Auf der amerikanischen Seite des Pazifiks leben Übersee-Chinesen, in Vancouver/Kanada, in San Francisco sowie in vielen anderen kalifornischen Orten.

Die Chinesen sind loyale Staatsbürger des Landes, in dem sie leben. Doch sie schaffen gleichzeitig ein unsichtbares wirtschaftliches Netzwerk, das aus familiären und freundschaftlichen Banden geknüpft ist. Es gründet auf dem gegenseitigen Vertrauen der Familienmitglieder zueinander, was in der langen chinesischen Geschichte oft der einzige Garant für ein Überleben und einen bescheidenen Wohlstand war. Es sei noch einmal wiederholt: Diese Entwicklung ist neu, und es ist mit Sicherheit sinnvoll, sich mit ihr auseinanderzusetzen und sie überaus ernst zu nehmen.

Die Übersee-Chinesen sind dabei, sehr schnell neue multinationale Konzerne aufzubauen, denen vornehmlich familiäre Strukturen zugrunde liegen. Das geschieht sehr oft ohne große finanzielle Investitionen.

Als Beispiel dafür soll ein Unternehmen aus Bangkok dienen, das weltweit Bauteile für die größten Hersteller von Personalcomputern fertigt; der Eigentümer und Betreiber dieses Unternehmens ist ein thailändischer Staatsbürger chinesischer Abstammung. Es verfügt weltweit über elf Produktionsstätten, drei auf dem chinesischen Festland, vier in den USA, drei in Malaysia und eine in Indonesien. Geplant ist, noch 1995 zwei oder drei zusätzliche Produktionseinrichtungen in Europa zu errichten, wahrscheinlich in Großbritannien. Jede dieser Produktionsstätten wird von einem Bürger des Landes geleitet, in der sie steht. Doch jeder dieser Manager ist chinesischer Abstammung und steht in verwandtschaftlichen Beziehungen zum Eigentümer oder dessen Frau (die einzige Ausnahme stellt der Manager des amerikanischen Unternehmens dar; er ist US-Bürger deutscher Herkunft, der jedoch mit der Nichte des in Bangkok lebenden Eigentümers verheiratet ist). Keine dieser elf Produktionsstätten ist sehr groß – ebenso wenig werden die in Europa besonders groß sein. Keine beschäftigt mehr als einhundert bis einhundertfünfzig Mitarbeiter. Doch zusammen versorgen sie, mit den Einzelteilen, die sie herstellen, fast alle großen Computerhersteller der Welt - mit einem Marktanteil, der an die 50 Prozent heranreicht.

 

 

Diese Seite als Bookmark speichern :

 

 

Weitere empfehlenswerte Webseiten:

Die Arbeit im eigenen Heim und das Satelliten-Büro

Soziale Mobilität

Ist im Liberalismus oder im Kapitalismus oder in der Marktwirtschaft also „jeder seines Glückes Schmied“?

 

Startseite | Themen | Projekt | Kontakt | Impressum | Rechtliche Hinweise

1| 2| 3| 4| 5| 6| 7| 8| 9

Copyright © 2011 All rights reserved. Wissensarchiv für Wirtschaft