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Die Geburtsstunde der Unternehmerförderung - Das unternehmerische Potential verstehen und fördern


In seinen späteren Werken, so z.B. in seinem Buch „Changing Values for Progress“, gibt McClelland konkrete Empfehlungen für die Schaffung einer Kultur, in der unternehmerisches Handeln gedeihen kann. Am bekanntesten ist in diesem Zusammenhang das von ihm angeregte Leistungsmotivationstraining für Führungskräfte. Seine Theorie stützte sich im wesentlichen auf die These, daß Erwachsene ein sehr starkes Leistungsbedürfnis entwickeln können.' Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die meisten Psychologen die Möglichkeit einer Persönlichkeitsveränderung nach der Kindheit in Abrede gestellt. Später entwickelte McClelland gemeinsam mit seinem Kollegen D.G. Winter eine Methode zur Förderung unternehmerischen Verhaltens. Dazu war es notwendig, die diesem Verhalten zugrunde liegenden Motive zu untersuchen und vorab zu erklären, was ein Motiv überhaupt ist. Sie gingen von der Annahme aus, daß alle Motive erlernt sind und selbst körperliches Unwohlsein oder Lustgefühl nur Reaktionen auf „cues“ sind, die ein Erkennen dessen auslösen, was vorhanden ist oder fehlt. Diese Verhaltensweise ist ähnlich der des Pawlowschen Hundes, der bereits anfängt Speichel zu produzieren, sobald er nur die Glocke hört, die vor seinen Mahlzeiten klingelt. Um bestimmte Erfahrungen herum bilden sich Erwartungscluster, die – wenn sie nur lange genug bestehen – irgendwann selbst zum Motiv werden. Diese Handlungsimpulse unterliegen einer bestimmten individuellen Stärke- und Bedeutungshierarchie. Je häufiger der Mensch über ein bestimmtes Motiv nachdenkt, desto stärker ist es. Aus diesen Annahmen folgt, daß sich Motivationsänderungen über eine Veränderung der vorhandenen Motivhierarchie bewirken lassen. Zur Erreichung dieses Ziels setzte das Verhaltenstraining gemeinhin auf folgende Methoden: Häufigkeit der Belohnung für das gewünschte Verhalten, Relevanz des unterrichteten Materials, Abfragen des Gelernten, Warmherzigkeit und Verständnis seitens des Anleitenden, vernunftmäßiges Denken und Prestige zur Begründung eines Argumentes sowie Förderung der Verhaltensänderung durch Affiliation zu einer neuen Referenzgruppe.

Zur Überprüfung dieser Theorie wurden mehrere Trainingskurse in Indien durchgeführt. Ebenso wie bei der Beurteilung der Volksmärchen in „The Achieving Society“ wurde auch hier das vorgelegte Material auf Leistungsmerkmale hin untersucht, indem die Führungskräfte spontan in einer Kurzgeschichte ein „neutrales“ Bild von dem, was da passierte, zeichnen sollten. Dann lernten sie, die Ergebnisse der Kurzgeschichten in dem Auswertungsschema darzustellen. Im Anschluß daran wurde ihnen aufgegeben, ihre Geschichten unter dem Aspekt umzuschreiben, möglichst viele Punkte für ein hohes Leistungniveau zu erzielen. Zweck dieses thematischen Apperzeptionstests war es, einen Lernvorgang zur Bildung neuer „clusters of expectancies“ oder assoziativer Netze in Gang zu setzen, um dadurch die Leistungsmotivation zu stärken. Ein solches Leistungsmotivationstraining konnte sich über einen Zeitraum von bis zu drei Wochen erstrecken. Dabei ging man davon aus, daß die Wahrscheinlichkeit, einen Handlungsimpuls auszulösen, um so größer ist, je gründlicher die Teilnehmer die entsprechenden Assoziationen konzeptualisieren oder das Motiv definieren. Durch Aneignung und Einüben des Motivs wird das gewünschte Verhalten erreicht. Wenngleich die Tests nie ganz klar abgegrenzt waren, spürten doch so gut wie alle Teilnehmer, daß da „etwas Grundsätzliches vor sich ging“, und die meisten von ihnen waren dankbar für diese Chance zu angeleiteter Selbstanalyse, Reflexion ihrer Motivation und Überprüfung ihrer persönlichen Ziele. Diese Art des Trainings bildete mit gewissen Abänderungen bis Ende der achtziger Jahre die „Norm“, nach der die meisten Unternehmerschulungen durchgeführt wurden.

 

 

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