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Die Einflüsse eines schwachen Dollar auf die japanische Industrie


Der zweite Trugschluß — ich weiß, daß ich mit dieser Äußerung heftige Diskussionen anzetteln werde — ist der, daß Japan durch den niedrigen Dollarkurs Schaden nimmt. Individuelle Unternehmen, die abhängig von Gewinnen aus Exporten in die USA sind, geraten in Schwierigkeiten, wenn der Dollar gegenüber dem Yen an Wert verliert. Doch im Verlauf der letzten Jahre wurde deutlich, daß ein schwacher Dollar für Japans Wirtschaft und seine Kokurrenzsituation auf dem Weltmarkt eher förderlich ist. Obwohl der Wert des Dollar heute im Verhältnis zum Yen nur noch 40 Prozent des vor einigen Jahren erzielten Wertes beträgt —und weniger als ein Drittel dessen, was er vor zwanzig Jahren wert war —, boomen die japanischen Exporte weltweit, auch in die USA, und der Außenhandelsüberschuß wächst unablässig. Das wäre nicht möglich, wenn ein niedriger Dollarkurs der japanischen Wirtschaft wirklichen Schaden zufügen würde.

Die Erklärung für dieses augenscheinliche Paradoxon: Japans Dollarzahlungen ins Ausland sind höher als die Einnahmen in Dollar, die aus dem Ausland in seine Kassen fließen. Wenn also der Dollarkurs sinkt, profitiert die japanische Wirtschaft.

Japan importiert weltweit die meisten Lebensmittel, Rohstoffe und Konsumgüter. Kein anderes großes Land führt heute 40 Prozent seines Bedarfs an Nahrungsmitteln ein, seinen vollständigen Bedarf an Rohöl, Eisenerzen und fast den gesamten Bedarf an Nutzhölzern. Natürlich werden alle Konsumgüter in Dollar bezahlt. Im Gegensatz zu allen wirtschaftstheoretischen Überzeugungen führt ein niedrigerer Dollarkurs aber nicht zu höheren Konsumgüterpreisen. Sie bleiben entweder auf dem gleichen Stand oder sinken sogar. Als Importland profitiert Japan also außerordentlich von einem niedrigen Dollarkurs.

Zudem ist ein sehr großer Teil der japanischen Exporte, wahrscheinlich die Hälfte, weitgehend unabhängig vom Dollarkurs. Es handelt sich hierbei um die Exporte auf das asiatische Festland und nach Europa. Die USA nehmen zur Zeit weniger als ein Fünftel der japanischen Exporte ab.

Auf der anderen Seite profitieren die USA, im Gegensatz zur Überzeugung ihrer Regierung und zahlreicher Ökonomen, nicht von einem niedrigen Dollarkurs. Während Japan der weltweit größte Abnehmer von Konsumgütern und Nahrungsmitteln ist, sind die USA auf der anderen Seite immer noch das größte Exportland für diese Waren. Diese Exporte leiden unter einem niedrigen Dollarkurs, vor allen Dingen, wenn die Preise in Dollar kalkuliert werden und nicht steigen, wenn der Dollarkurs sinkt.

Für einzelne japanische Unternehmen, so möchte ich wiederholen, birgt ein niedriger Dollarkurs sicherlich Probleme, einzelne US-Unternehmen dagegen profitieren davon. Doch die japanische Industrie insgesamt würde nicht unter einem niedrigen Dollarkurs leiden, sondern eher davon profitieren. Für die USA aber hat er eher negative Auswirkungen.

 

 

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