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Die Dimensionen der Kultur


Wenn sich Unternehmenskultur aus gemeinsamen Prämissen zusammensetzt und ein strukturelles Konzept darstellt, ist es sinnvoll zu klären, worauf sich diese Prämissen beziehen. Der Inhalt der Kultur bezieht sich auf Probleme, mit welchen sich jede Gruppe auseinander setzen muss: Das sind der Umgang mit dem externen Umfeld und das Management der internen Integration. Hinzu kommen fundamentale Fragen zum Wesen von Wahrheit, Zeit und Raum, von menschlicher Natur und menschlichen Beziehungen.

Kulturelle Prämissen entstehen aus den Beziehungen der Gruppe zur externen Umwelt. Um erfolgreich arbeiten zu können, muss sich die Gruppe über ihre Ziele, die dafür geeigneten Mittel, die Bewertung der eigenen Leistungsfähigkeit und eventuell notwendige Korrekturstrategien einigen, denn Konflikte zwischen bestehenden Subkulturen in der Gruppe könnten sich negativ auswirken. Andererseits können sich Differenzen auch als hilfreiche Quellen für Anpassung und Lernbereitschaft in sich verändernden Umwelten erweisen. Ein hohes Maß an Einigkeit ist eher zu Beginn der frühen Wachstumsphasen einer Unternehmung nützlich, später kann jedoch genau diese Übereinstimmung zu einer Behinderung werden.

Die Kultur einer Unternehmung ist ein vielschichtiges, überaus facettenreiches Phänomen und so wirkt sich die Lösung der externen Probleme natürlich auch auf die interne Integration der Gruppe aus. Beide hängen direkt voneinander ab und laufen parallel.

Die Kultur entsteht aus einem Lernprozess, der die Anstrengungen der Gruppe enthält, externe und interne Schwierigkeiten zu meistern. Die Führungskräfte sind für den Umgang mit den externen Faktoren verantwortlich, denn sie geben die Lösungen vor. Ihre Führungsqualitäten liegen weiterhin darin, erfolgreiche Gruppen zu bilden, welche in ihrem Zusammenspiel die externen und internen Herausforderungen zu meistern fähig sind.

Menschen in neuen Gruppensituationen müssen eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Kategoriensystem entwickeln, um die Bedeutung der unterschiedlichsten Aspekte zu definieren. Begriffe wie Arbeit, Teamwork, Respekt, Qualität und so weiter müssen formuliert werden. Gruppen müssen darüber Entscheidungen treffen, wer dazu gehört und wer nicht, wie Einfluss und Macht zugewiesen wird, wie Aggressionen in konstruktive Bahnen gelenkt werden, und sie müssen Regeln entwickeln, die Vertrauen ermöglichen und klare Vorgaben zu Belohnungen und Bestrafungen beinhalten. Des Weiteren müssen Gruppen Erklärungen finden, die den Mitgliedern die Auseinandersetzung mit unvorhersehbaren oder unerklärlichen Ereignissen ermöglichen. Die Prozesse der Gruppenbildung und -entwicklung spielen sich gleichzeitig mit denen der Problembewältigung und Aufgabenlösung ab. Die reibungslose Interaktion muss durch das Management gewährleistet werden. Edgar Schein unterstreicht die Rolle jener Diskussionen: »Wenn interne Dispute nicht beigelegt werden, wenn die Leute zu sehr mit ihrer Position und ihrer Identität beschäftigt und unsicher sind, wenn sie die Spielregeln nicht kennen und somit die Vorgänge weder voraussehen noch begreifen, dann können sie sich auch nicht auf die wichtigen Überlebensprobleme des Unternehmens konzentrieren.«

Die Faktoren Wirklichkeit, Wahrheit, Zeit und Raum haben eine wichtige Bedeutung innerhalb der Kulturanalyse. Die persönliche Wirklichkeit des Einzelnen, sein Realitätssinn, seine Kategorien für die Wahrnehmung der Zeit und die Gestaltung seines räumlichen Umfelds basieren auf dem Lernprozess, in welchem er sich sein kulturelles Wissen angeeignet hat. Die sichtbaren Artefakte solcher Auffassungen können schnell zu Missverständnissen führen. So zeigen zum Beispiel neuere Untersuchungen zu Joint-Ventures zwischen Unternehmen aus verschiedenen Ländern, dass sich eine Gruppe mitunter nur bildet, wenn eine Kultur die andere Kultur dominiert, oder dass sich Gruppen überhaupt nicht bilden können, da ihre kulturellen Prämissen unvereinbar aufeinander prallen. An der Bedeutung und dem Gebrauch des Raumes lassen sich diese Aspekte beispielhaft belegen. Prämissen über den Raum gelten als selbstverständlich und laufen unbewusst ab, und Raum hat sowohl eine materielle wie soziale Bedeutung. Begriffe wie Vertrautheitsabstand, persönlicher Abstand und sozialer Abstand sind kulturell innerhalb klarer Grenzen definiert. Hält eine Person diese Wohlfühl-Grenze eines anderen nicht ein, weicht der betroffene Gesprächspartner unwillkürlich und unbewusst zurück, er fühlt sich bedrängt. Auch eine der subtilsten Ausdrucksformen des Raumes, die Körpersprache, kann innerhalb verschiedener Kulturen schnell zu Missverständnissen führen. Nur Insider verstehen die Bedeutungen der verschiedenen Signale und es ist gefährlich, zur Interpretation einfach die Grundprämissen der eigenen Kultur anzuwenden. Deshalb ist es Aufgabe des Managements, die kulturellen Signale zu entschlüsseln, um so eine Beeinträchtigung des normalen Arbeitsflusses durch kulturelle Missverständnisse zu vermeiden. Die Vorbildfunktion von Führungskräften bezüglich dieser Faktoren führt des Weiteren dazu, dass diese in Zeiten einer veränderten Umwelt nicht nur ihre Auffassungen und Verhaltensweisen ändern, sondern auch die Mitarbeiter »umerziehen« müssen. »Die Definition von Wirklichkeit, Zeit und Raum repräsentiert die grundlegendste Prämissenebene und damit auch den Bereich, an den man sich am stärksten klammert, um Ungewissheit und Angst zu vermeiden.«

Die westliche Tradition betrachtet das Wesen des Menschen im Allgemeinen als proaktiv. Er kann freie Entscheidungen treffen und sich vervollkommnen, falls er richtig handelt. Diese Grundannahmen finden sich in den Anreiz- und Kontrollsystemen der meisten Unternehmen wieder und sie müssen von allen Managern innerhalb des Systems geteilt werden, damit es nicht zu Widersprüchen und dadurch zu Verwirrung kommt. Zusätzlich muss man sich im Unternehmen darauf einstellen, dass sich das Wesen des Menschen ändern kann. Hierfür können Veränderungen im Lebenszyklus oder in den sozialen Bedingungen verantwortlich sein.

Bei menschlichen Handlungsweisen unterscheidet Edgar Schein die Handlungs-Orientierung (der Mensch muss die Dinge in die Hand nehmen und seine Umwelt aktiv kontrollieren), die Sein-Orientierung (der Mensch ist der Natur unterworfen und muss sie also akzeptieren, wie sie ist) und die Entwicklungs-Orientierung (die Vorstellung, dass der Einzelne durch die Entwicklung seiner Fähigkeiten ein Verhältnis der Harmonie mit der Natur finden und somit eine Einheit mit seiner Umwelt erreichen muss). Diese verschiedenen Orientierungen werden jeweils unterschiedliche Grundannahmen über angemessenes menschliches Handeln im Hinblick auf die Umwelt enthalten.

Im Kern jeder Kultur stehen die Grundannahmen über die richtigen Beziehungsformen zwischen den Mitgliedern der Gruppe, welche diese zu einer sicheren, angenehmen und produktiven Gemeinschaft machen. Fehlen solche Prämissen, erhalten wir Anarchie. Prämissen über Beziehungen werden Probleme der Macht, Einflusssphäre und I 1 ierarchie, aber auch der Vertrautheit, Liebe und Beziehungen zwischen Gleichrangigen lösen. Die Beziehungsprämissen stehen in einem engen Zusammenhang mit Grundannahmen über das Wesen des Menschen. Geht man zum Beispiel von einer angeborenen menschlichen Aggressivität aus, so werden die Beziehungsprämissen Kontrollmechanismen enthalten. Sie prägen jedoch auch Phänomene wie Individualismus und Gruppendenken, Beteiligung und Engagement. So weisen einige Kulturen wie zum Beispiel die der USA eine konkuricnz-individualistische Prägung auf, während andere, wie zum Beispiel die japanische Kultur, einen kollateralen oder gruppen-kooperaiven Charakter betonen. Wieder andere Kulturen, etwa die einiger südländischer Staaten, sind linear und messen Hierarchien und Traditionen als Grundstützen der Autorität große Bedeutung bei.

 

 

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