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Die Überprüfung der Theorie – Woher die Arbeitsplätze kommen.


Um unsere Analyse zu überprüfen, haben wir Programme entworfen, die auf den spontanen, indigenen Institutionen des informellen Sektors Perus beruhen, bzw. sich aus erfolgreichen Modellen der entwickelten Länder ableiten lassen. Wir nahmen an, wenn unsere Schlußfolgerungen aus den Forschungen in Peru und dem Studium der westlichen Geschichte „mit den Augen eines Informellen“ korrekt sind, dann müsse ein politisches Reformprogramm mit einer solchen Vorgeschichte da erfolgreich sein, wo andere gescheitert waren.

Der erste Schritt dieser Methodologie war die Identifikation der wichtigsten informellen Institutionen, die an die Stelle der dysfunktionalen formellen treten wir haben sie aus ihrem sozialen Kontext gelöst, ihre Gesetzmäßigkeiten und Funktionsweise entschlüsselt, und versucht, ihre Arbeitsweise zu verstehen. All diese Untersuchungen wurden in enger Zusammenarbeit mit den Autoritäten des informellen Sektors während allgemeinen Versammlungen und im ständigen Austausch mit dem Wahlkreis durchgeführt. Durch diesen Dialog konnten wir herausfinden, welche informellen Institutionen die wichtigsten waren.

In einem zweiten Schritt verbesserten wir die rechtlichen Rahmenbedingungen, die von den informellen Institutionen getrennt worden waren, indem wir uns sowohl auf erfolgreiche heutige Gesetzgebung als auch auf nützliche historische Vorbilder bezogen. Gestützt auf diese beiden Grundlagen, die informellen Normen und die Erfahrungen der entwickelten Länder, haben wir in einem dritten Schritt Vorschläge zur Reform der offiziellen, unwirksamen Institutionen gemacht, die die Informellen ersetzt hatten. Da dann eine Kosten-Nutzen-Analyse diesen Reformvorschlag stützte, machten wir weiter.

Der vierte Schritt bestand darin, festzustellen, ob diese Vorschläge der Lebenspraxis der Menschen und ihren Bedürfnissen entsprachen. Um das zu überprüfen, machten wir den Test in der Politik. Wir legten jeden Vorschlag in Form eines Gesetzentwurfes vor, der, um unnötige, legale Ausflüchte und überflüssige Konfrontationen zu vermeiden, mit dem existierenden formellen Rahmen übereinstimmte. Wir stellten uns mit diesen Gesetzentwurf einer öffentlichen Debatte, in der wir unsere eigenen Vorschläge den geltenden unwirksamen gesetzlichen Bestimmungen gegenüberstellten. Zu diesem Zweck eröffneten wir zu jedem Gesetzentwurf eine neue Kampagne. Unsere Strategie umfaßte die Publikation von Alternativen in den offiziellen Zeitungen, eine ständige öffentliche Debatte auf nationaler Ebene und die Mobilisierung des informellen Sektors sowie aller übrigen interessierten Parteien. Wenn diese Gesetzentwürfe eine breite öffentliche Unterstützung erfuhren, dann betrachteten wir das als Hinweis darauf, daß sie eine Verbesserung des Status quo bedeuteten und weder dem informellen Recht noch den formellen Gesetzgebungsnormen entgegen standen. Es bedeutete, daß unser Vorschlag insofern praktikabel war, als daß er mit legalen Normen übereinstimmte und politisch durchsetzbar war.

Im fünften und letzten Schritt, wenn dieser Entwurf als Gesetz eingebracht war und die Regierung unsere Dienste erbat, setzten wir es als Pilotprojekt um. Durch diese praktische Anwendung erhielten wir ein zusätzliches Feedback zur Überarbeitung des ursprünglichen Forschungsergebnisses und zur Überprüfung seines praktischen Nutzens. In dieser Umsetzungsphase wurden auch die persönlichen Interessen der Reformgegner offenbar; das erleichterte uns, Methoden und Motive zu studieren, mit denen sie den Wandel blockierten. Das war eine sehr wichtige Informationsquelle, aus der wir Strategien zur Überwindung des Widerstands gegen den Wandel entwickeln konnten.

Dieser Methode des Praxistests von Ideen liegt die Annahme zugrunde, daß Institutionen zu komplex sind, als daß sie allein durch abstrakte Formulierungen verändert werden können. Zur Umsetzung unserer Ideen in praktische Vorschläge war also eine empirische Annäherung erforderlich. Da die Theorie die Existenz von gemeinschaftlichen Normen des informellen Sektors postuliert, die analog zum formellen Gesetz funktionieren, ist der einzige sichere Weg, ihre Gültigkeit zu testen, die Umwandlung jeder Annahme in einen legalen Gesetzentwurf und dessen Plazierung im Zentrum der politischen Debatte. Maßstab des Erklärungswertes unserer Theorie ist die Unterstützung, die der Gesetzentwurf erfährt und ob er schließlich zum formalen Recht des Landes wird.

Peru hat uns als Hauptlabor für diese Tests gedient. Seit 1985 haben wir diese empirische Methode entwickelt, um Gesetzesvorschläge in so unterschiedlichen Bereichen wie Wohnungsbau, Transport, Landwirtschaft, Telekommunikation und Bankwesen vorlegen zu können. Auf unser Drängen hat die Regierung von Peru ein Gericht geschaffen, das der Vereinfachung der Verwaltung dient und außerdem die Zugangskosten der informellen Unternehmer zum Markt minimieren sollte. Wir legten Programme vor, die illegalen Landbesitz legalisierten, einen Plan, der Perus Koka-Bauern von illegaler Drogenproduktion abhalten soll, und schlugen ein einheitliches Handelsregister vor, das die informellen Unternehmer in das formelle System integrieren soll.

Zusammenfassend läßt sich sagen: Wenn die Politik einer Regierung die wirklichen Bedürfnisse und die Lebenspraxis der Menschen widerspiegelt, steht der Blüte des Unternehmertums nichts im Wege.

 

 

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