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Der Weg vom Produzenten in die Küche: Die Migros-Geschäftsprinzipien


Gottlieb Duttweiler war zunächst einmal kein politischer Missionar, sondern ein dynamischer Unternehmer. Als solcher fand er erst relativ spät zum Einzelhandel. In einem Vortrag vom 22. Januar 1926 vor der Statistisch-volkswirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons Zürich („Das Verkaufswagen-System im Lebensmittel-Kleinhandel”) weist er selbst darauf hin, daß er sich praktisch erst seit sechs Monaten mit dem Detailhandel befasse, daß er aber aus seiner Erfahrung als Großhändler und als Farmer in Brasilien nunmehr den gesamten Weg vorn Produzenten bis in die Küche des Verbrauchers richtig abzuschätzen vermöge. Er „war wirklich überrascht über die Ungleichheiten in der Entlöhnung der verschiedenen Glieder.... Die mühsam produzierte Ware wird [in] Übersee mit Ochsenkarren manchmal tageweit zur Bahn gebracht für ein Entgelt, das nur wenige Prozente der Ware ausmacht.“ Er setzt dann die Rechnung fort. Bahn in Übersee – Agenten – Schiffsfracht – Versicherungs- und Umschlagspesen in europäischen Häfen – Transport in die Schweiz – Einfuhrzoll, und fährt fort: „Die große Verteuerung entsteht in der Verteilung“, d.h. auf dem verbleibenden Weg in die Küche des Verbrauchers: Dieser koste oft mehr als das, was der Pflanzer am Ursprungsort erhalte. Deshalb habe er sich mit einigen Freunden daran gemacht, die Reibungsverluste auf diesem Weg zu beseitigen. Unter Berufung auf die Prinzipien von Henry Ford und das „Taylorsystem“ zeigt er auf, wie das praktisch geschehen soll. Bereits im ersten Flugblatt vom 25. August 1925 war es formuliert: ,,...Nachdem wir jahrelang den Großhandel belieferten – wollen wir nun unter der neuen Firma Migros AG die Haushaltungen direkt bedienen, die Grundsätze des Großhandels im Kleinhandel anwendend...“(Hervorhebungen im Original).

Es war vielleicht etwas kühn, dies als die 1925 niedergelegten Grundsätze zu bezeichnen, denn einige Elemente waren erst in der weiteren Erfahrung zu Grundsätzen geworden (z.B. das kontinuierliche Nachschubsystem, die aufklärende Werbung) und andere 1925 festgelegte Grundsätze waren inzwischen aufgehoben worden – namentlich natürlich die Beschränkung auf Verkaufswagen mit allem, was im Katalog von 1926 damit zusammenhing. Im Lauf der weiteren Entwicklung der Migros ist auch von den hier erwähnten Prinzipien zumindest eines, nämlich das der großen Packungen und der runden Preise, zunehmend durchbrochen worden, und die einst so wichtige Eigenleistung des Konsumenten ist zwar durch Selbstbedienung noch gesteigert, gleichzeitig aber durch komfortablere Läden und ein dienstleistungsintensiveres Sortiment wieder relativiert worden.

 

 

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