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Der Prozeß der Unternehmensentwicklung - Das unternehmerische Potential verstehen und fördern


Das Gros der Sozialwissenschaftler dürfte die Ansicht teilen, daß in verschiedenen Gesellschaften mit gleicher Ressourcenausstattung diejenige das beste Produktionsergebnis pro Kopf der Bevölkerung erzielen und damit höheres Einkommen und gesellschaftliche Bewußtseinsbildung anregen wird, deren Bevölkerung ein besonders hohes Maß an Kompetenz, Erfindungsreichtum und Unternehmergeist aufweist. Dem CEFE-Modell liegt die Annahme zugrunde, daß die Steigerung des Wohlstands einer Gesellschaft elementar von ihren menschlichen Ressourcen abhängt. Je produktiver und verantwortlicher die Menschen sind, desto größer ist der Wohlstand der jeweiligen Nation.

Die Qualität, Art und Häufigkeit der Interaktionen und ihrer Ergebnisse hängen zum einen von dem Leistungsvermögen, der Motivation und den Ressourcen des einzelnen und zum anderen von den herrschenden Bedingungen im Makro-, Meso- und Mikroumfeld ab. Die jeweiligen Faktorkombinationen regen Situationen an, die für den einzelnen oder die Gesellschaft im Ergebnis positiv, negativ bzw. neutral sein können (siehe Abbildung 1).

Jeder dieser sechs Faktoren kann allein bestehen oder mit den anderen zu jedem beliebigen Zeitpunkt in einer „Kausalkette“ in unterschiedlicher Folge oder Kombination verknüpft sein und dabei jene Aktivitäten auslösen, die berufliche Chancen eröffnen oder verstellen, Kunden für ein bestimmtes Produkt gewinnen lassen oder zum Verlust des Kunden führen, und die Expansion, Stagnation oder Niedergang des Unternehmens verursachen. Eine Chance mag sich beispielsweise deshalb entwickeln und als solche erkannt werden, weil eine bestimmte Kombination aus persönlicher Motivation, Leistungsvermögen und Unvollkommenheit bzw. „Bedarf“ auf der Mesoebene vorliegt. Oder unternehmerische Familientraditionen im Mikroumfeld motivieren ein Familienmitglied, die notwendige Qualifikation für eine unternehmerische Existenzgründung zu erwerben. Selbst Interaktionen, die nicht wirtschaftsbezogen sind, wie etwa ganz alltägliche Gespräche mit Freunden, folgen demselben Muster und ihr Ergebnis wird ebenfalls von diesen Faktoren bestimmt.

Diese Faktoren lassen sich einander nicht linear zuordnen, ihre zeitliche Abfolge und ihre Kombinationsmöglichkeiten können zufällig sein und zuweilen „chaotisch“ erscheinen. Ihre Intensität und ihr Wirkungsgrad können je nach Person und Gesellschaft variieren. Jeder Faktor unterliegt ständigem Wandel: Volkswirtschaften wachsen, stagnieren und schrumpfen, um dann erneut zu wachsen; auf der Mesoebene entstehen Märke und vergehen wieder, mal weht ein schwacher, dann wieder ein rauher Wettbewerbswind, und auch die Verfügbarkeit von Ressourcen schwankt; die Motivation wird laufend durch neue Situationen und entsprechende Rückkopplung geprägt, Qualifikationen werden erworben und gehen verloren und auch die eigenen Ressourcen können zu- oder abnehmen. Aber aus eben diesem Veränderungsprozeß heraus entstehen dem unternehmerisch handelnden Menschen die Chancen, Situationen zu erkennen und produktiv zu nutzen. Der Prozeß und seine Faktoren sollen verstanden und herausgearbeitet werden, damit die Personen aus den Förderstrukturen, aber auch die Einzelpersonen, diese Faktoren nach ihrer Analyse in bestimmten Situationen positiv beeinflussen können.

Jeder Faktor kann von dem einzelnen Unternehmer oder dem Personenkreis in den Förderinstitutionen im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten grob oder fein abgestimmt werden. Aufgrund der hohen Situationsdynamik müssen die Förderinstitutionen dabei jedoch eine ständige Gratwanderung vornehmen, bei der sie entweder zu weit oder nicht weit genug gehen, bei der sie entweder ein Anreizsystem oder den Fördertropf schaffen.

Um Strategien zur produktiveren Gestaltung unterschiedlicher Situationen erarbeiten zu können, müssen die Stärken und Schwächen der einschlägigen Komponenten jedes der vorstehend genannten Faktoren untersucht werden.

In der aufgestellten Gleichung würden unter Gesellschaft/Umfeld auf der Makroebene beispielsweise folgende Komponenten aufgelistet: herrschende Kultur, rechtlicher und ordnungspolitischer Rahmen, globale oder regionale Infrastruktur, einschlägiges Bildungswesen und politische Ökonomie. Auf der Mesoebene erschienen Förderinstitutionen, Märkte, Wettbewerb und Gelegenheiten, während auf der Mikroebene in erster Linie der familiäre Hintergrund und die unmittelbare häusliche Situation zu nennen wären.

Bei der Erarbeitung von personenbezogenen Strategien sind im Rahmen der Überprüfung des individuellen Leistungsvermögens folgende Komponenten zu betrachten: physiologische Merkmale, Erziehung, Erfahrung und erworbene Qualifikation. Im Zusammenhang mit der Motivation müßten der Stellenwert, den der einzelne der Erreichung des Ziels beimißt bzw. sein Engagement für dasselbe und die Erfolgswahrscheinlichkeit bewertet werden. Bei den persönlichen Ressourcen wäre zu untersuchen, ob diese ererbt oder erwirtschaftet sind, und der Nutzen gegen die Risiken abzuwägen.

Mit welcher Wahrscheinlichkeit sich in einer bestimmten Situation „Erfolg“ oder ein produktives Ergebnis einstellt, hängt von dem Umfang ab, in dem die einzelnen Faktoren wirksam werden. Bei gleichen Voraussetzungen und prinzipiell unbeschränkter Teilnahme liegt es im Interesse aller, so viele produktive Ergebnisse wie möglich zu erzielen.

Prinzipiell ist diese Theorie auf jeden Bereich anwendbar, in dem es zu einer Wechselbeziehung zwischen der Gesellschaft und dem einzelnen kommt, im Unternehmenssektor ebenso wie im Bildungs- und im Gesundheitswesen. Selbst in Mikrokosmen, wie z.B. in einer großen oder mittleren Organisation, sind der Erfolg der Organisation und die berufliche Karriere der Mitarbeiter von den produktiven Ergebnissen der inner- und außerbetrieblichen Interaktionen abhängig. Durch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die sechs genannten Faktoren lassen sich produktivere Resultate erzielen.

Da die sechs Faktoren das Produkt menschlicher Wechselbeziehungen sind, kommt der Stärkung des Humanvermögens auf beiden Seiten der Gleichung (d.h. sowohl auf der Seite des Individuums als auch der Gesellschaft) entscheidende Bedeutung zu, wenn es darum geht, den Anteil der produktiven Ergebnisse aus volkswirtschaftlichen Interaktionen zu erhöhen. Dies ist ein Hinweis auf den großen Bedarf zur Entwicklung oder Qualifizierung der menschlichen Ressourcen, da entsprechende Maßnahmen entscheidend zur Erhöhung der Kompetenz der Schlüsselakteure der Interaktionen beitragen. Diese sind anschließend nicht nur imstande, produktivere Ergebnisse erzielen, sondern diese auch wirksamer weiterzuverfolgen.

Das CEFE-Trainingsprogramm setzt schwerpunktmäßig an den Umständen an, die für eine Entscheidungsfindung im Rahmen der vorstehend beschriebenen Interaktionen bestimmend sind. Ziel ist es, die wirtschaftlichen Schlüsselakteure in die Lage zu versetzen, produktivere Ergebnisse zu erzielen. Da die Akteure auf beiden Seiten der Gleichung angesprochen werden (Individuum und Gesellschaft) und mit den notwendigen Kenntnissen, Qualifikationen und Strategien zur Ankurbelung des Wachstums ausgestattet werden, sollte die Häufigkeit produktiver Interaktionen zunehmen.

Die Erfahrungen von CEFE belegen, daß die Entwicklung der Humanressourcen ein geeignetes Instrument zur Förderung der Privatinitiative ist. Volkswirtschaften, die auf das Leistungspotential ihrer Menschen bauen, werden nicht nur höheres wirtschaftliches Wachstum erzielen, sondern auch einen größeren Anteil ihrer Bevölkerung am erreichten Wohlstand teilhaben lassen.

Für die Entscheidungsträger erheben sich in diesem Zusammenhang zwei außerordentlich wichtige Fragen:

– Welches sind die kritischen Faktoren, die der Erzielung produktiverer Ergebnisse entgegenstehen?

– Welches sind die kosteneffizientesten Instrumente, mit denen sich diese Faktoren produktivitätssteigernd beeinflussen lassen?

Nehmen wir als Beispiel die Förderung einkommensschwacher Zielgruppen. Oftmals hat die Vernachlässigung dieser Gruppe dazu geführt, daß sie unter veralteten rechtlichen und ordnungspolitischen Rahmenbedingungen tätig wird. Zudem verfügt sie nur über beschränkte Zugangsmöglichkeiten zu Förderinstitutionen und Bildung. Da dieser Personenkreis wenig mit modernen Wirtschaftsmethoden in Berührung kommt, mangelt es ihm auch häufig an einschlägigen Geschäftserfahrungen. Im Rahmen der Humanressourcenentwicklung stehen zur Förderung dieses Personenkreises z.B. folgende Instrumente zur Verfügung: Motivationstraining, Entwicklung marktorientierter Qualifikationen, Vermittlung von strategischen Kompetenzen, die es dem einzelnen ermöglichen, aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen. Auf der Seite der Gesellschaft können folgende Instrumente eingesetzt werden: Veränderung der rechtlichen Rahmenbedingungen, Verbesserung des Zugangs zu lokalen Förderinstitutionen und sozialen Programmen zur Schaffung eines familienfreundlicheren Umfeldes, indem den für die praktische Arbeit Verantwortlichen das für professionelles Arbeiten erforderliche Rüstzeug vermittelt wird. Food-for-Work-Soforthilfeprogramme sind ein typisches Beispiel für eingleisige Interaktionen. Einem starken Geber auf der einen Seite steht ein schwacher Empfänger auf der anderen Seite gegenüber. Die Kommunikation ist auf ein Mindestmaß beschränkt. Vom Empfänger werden keine besonderen Kompetenzen verlangt, und die Entwicklung des Humanvermögens ist im Prozeß nicht vorgesehen. Solange die Komponente der Humanressourcenentwicklung, die den Empfängern die notwendigen Fähigkeiten zur Wiederherstellung ihrer Einkommensgrundlage vermittelt, im Programm fehlt, sind von derartigen Programmen langfristig keinerlei positive Impulse auf das Wirtschaftswachstum der Gesellschaft und die Einkommens- oder Beschäftigungsverhältnisse der Empfänger zu erwarten. Häufig denken die etablierten Gesellschaftsschichten nicht einmal darüber nach, welche Auswirkungen die Entwicklung der menschlichen Ressourcen auf nachhaltige Einkommensstrukturen, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum hat, da ihnen die soziale Ungleichheit gar nicht in ihrem vollem Ausmaß bewußt ist.

Nehmen wir nunmehr als Gegenbeispiel die Bessergestellten, für die die Ressourcenfrage relativ unproblematisch ist und die gewöhnlich einen Hochschulabschluß besitzen. Bei der Arbeit mit diesem Personenkreis wird es weniger um die Motivationsförderung, als vielmehr um Zielfestlegung, Chancenwahrnehmung, strategisches Planungsvermögen sowie die Verbesserung der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen gehen.

All diese Beispiele dienen in erster Linie zur Verdeutlichung der zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten, zwischen denen eine Förderorganisation situations-und zielgruppengerecht wählen kann. Doch ganz gleich, für welches Instrument sie sich entscheidet, die Entwicklung des Leistungspotentials der Menschen ist das Herzstück jeden Wandels, denn Voraussetzung für eine wirksame Mittelverteilung ist, daß es qualifizierte Menschen gibt, die den Mitteleinsatz in die Wege leiten und planen.

Die CEFE-Methode zur Unternehmensförderung stellt die Synthese aus Unternehmensforschung, -theorie und -praxis dar. Ihre Stärke liegt in dem besonderen Akzent, den sie auf die praktischen Ergebnisse ihrer Maßnahmen legt. Gleichzeitig schlägt sie die Brücke zwischen Wirtschaftswachstum, der Schaffung zusätzlicher und qualifizierterer Arbeitsplätze und der Verbesserung der persönlichen Einkommensverhältnisse. Unter dem Strich geht es bei ihr immer um die Steigerung der Leistungsfähigkeit des Unternehmenssektors, wenngleich sich das Konzept auch in anderen Bereichen wie der allgemeinen und beruflichen Bildung, dem Managementtraining, der Entwicklung des ländlichen und städtischen Raums, dem Wiederaufbau und der Privatisierung, der Reintegrations- und Flüchtlingshilfe sowie der Landwirtschaft großer Beliebtheit erfreut. Aufgrund der kontinuierlichen Durchsetzung der CEFE-Maßnahmen innerhalb der letzten zehn Jahre auf vier Kontinenten und der Verpflichtung zu Monitoring und Evaluierung, hat sich die Methode zu einem der attraktivsten Instrumente für die Entfaltung des wirtschaftlichen Potentials einkommensschwacher Zielgruppen, der Anregung unternehmerischer Verhaltensweisen, der Entwicklung betriebswirtschaftlicher Kenntnisse und der Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen herausgebildet.

 

 

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