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Der Lieferant des virtuellen Unternehmens


Der zunehmend globale Wettbewerb und die immer kürzeren Lebenszyklen der Produkte zwingen Lieferanten und Kunden, ihre gewohnte Distanz aufzugeben. Der Käufer kann von seinem Lieferanten nicht nur eine schnelle und zuverlässige Versorgung erwarten, sondern auch eine wachsende Beteiligung bei der Entwicklung und Herstellung des Endproduktes. Für das virtuelle Unternehmen bedeutet dies: Es muss mit seinen Lieferanten gemeinsam eine »co-destiny« aufbauen. Die bislang trennenden Mauern müssen eingerissen werden. Zuweilen werden die Unternehmen sogar ineinander übergehen.

Mittlerweile kommt es vor, dass Lieferanten Büros im Betrieb ihrer Kunden unterhalten oder dass sich Lieferant und Kunde gegenseitig mit Kosteninformationen versorgen.

Doch ist es nach der Meinung von William Davidow und Michael Malone nicht leicht, diese Brücke zwischen Hersteller und Lieferant zu bauen: »Es ist nicht damit getan, zu verkünden, man wolle „jetzt enger zusammenarbeiten“. Es erfordert vielmehr eine gehörige Portion Vertrauen und Willenskraft, die Geschicke des Unternehmens in die Hände von Außenstehenden zu legen. So viel Vertrauensvorschuss leistet auch der fortschrittlichste Vorstandschef nicht immer ohne Überwindung.« Besonders heikel ist das Offenlegen der eigenen Kosten, aber es gibt keine Alternative. Gerade bei Just-in-TimeLieferungen haben Anbieter und Abnehmer kaum eine andere Wahl, als ihre taktischen und strategischen Informationen miteinander zu teilen.

Dieses Miteinander macht es erforderlich, dass die Hersteller die Menge ihrer Zulieferer auf eine überschaubare Anzahl begrenzen, also ihre Beschaffungsbasis »gesundschrumpfen«. Bei der Auswahl der Lieferanten sollten sie nur diejenigen behalten, mit denen sie schon eng zusammenarbeiten und die ihnen das zuverlässigste Leistungspaket anbieten. Die Qualitätsvorgaben sind streng und die Zahl der ausgemusterten Lieferanten ist hoch: BMW beispielsweise trennte sich von 100 Zulieferbetrieben, die mit den hohen Qualitätsstandards überfordert waren, und Dell Computer setzt seinen Zulieferern nicht nur strikte Produktspezifikationen, sondern verlangt auch, dass die Lieferanten dieser Lieferanten ähnliche Vorgaben einhalten.

Dies hat zur Folge, dass sich die Zulieferbetriebe anstrengen müssen, um von ihren immer anspruchsvoller werdenden Kunden nicht fallen gelassen zu werden. Große Zulieferer haben die Möglichkeit, sich an ihrem Partnerunternehmen direkt zu beteiligen, etwa durch Aktienkäufe. Die kleineren, weniger kapitalkräftigen Betriebe müssen sich auf eine andere Weise für ihre Kunden unersetzlich machen, zum Beispiel dadurch, dass sie die großen Rivalen an Qualität, Beweglichkeit und Liefertempo übertreffen. Auch werden Zulieferer ihre alten Standorte schließen und neue in der Nähe ihrer wichtigsten Kunden eröffnen, denn viele Kunden bevorzugen Lieferanten, die möglichst

nahe bei ihnen angesiedelt sind. Ein anderer Weg zur Kundenbindung besteht für die Zulieferer darin, ihr Produktangebot durch wertschöpfende Dienstleistungen zu ergänzen, beispielsweise Reparaturleistungen an den gelieferten Produkten, Schulungsprogramme für Einkäufer oder Mithilfe bei der Entwicklung und Konstruktion.

 

 

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