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Der Brückenschlag zwischen Unternehmergeist und Wirtschaftswachstum - Das unternehmerische Potential verstehen und fördern


Für die meisten westlichen Länder war die Nachkriegszeit der fünfziger und sechziger Jahre die Zeit des großen Aufbruchs. Dies galt auch für die Entwicklung der Sozialwissenschaften wie der Soziologie, der Psychologie, der Politik-und der Wirtschaftswissenschaften. Die Wissenschaftler wurden ermuntert, in die Grenzbereiche ihrer Disziplinen vorzudringen und interdisziplinär zu arbeiten. In seinem Buch „On the Theory of Social Change: How Economic Growth Begins“ schlägt Everett Hagen die Brücke zwischen Persönlichkeitsentwicklung und unternehmerischem Verhalten zum wirtschaftlichen Wachstum der Gesellschaft. Hagen sah im Unternehmer einen sowohl an technischen als auch an praktischen Fragen interessierten, kreativen Problemlöser, der hauptsächlich durch die „duty to achieve“ angetrieben wird. Seinem zentralen Thema des Zusammenhangs von Wachstum und unternehmerischer Motivation liegt die sogenannte „authoritative-creative personality dichotomy“ zugrunde. Auch auf die Gefahr der unzulässigen Verkürzung hin, sei hier seine These wiedergegeben, daß sich die Persönlichkeit des Unternehmers in dessen Kindheit herausbildet, die von geringer väterlicher Dominanz und mütterlicher Wärme, von Erziehung zur Eigenständigkeit und hohen Ansprüchen an die eigene Leistung geprägt ist. Eine solche Erziehung bringt einen vergleichsweise schöpferischen Menschen hervor, bei dem „relative social blockage“ oder Hindernisse, die aufgrund überkommener Denkweisen errichtet werden, unternehmerische Reaktionen auslösen. Auch Gesellschaften haben seiner Auffassung nach zu unterschiedlichen Zeitpunkten eine ähnliche Entwicklung durchlaufen, was dann zu einer Explosion der kreativen Energie innerhalb der Kulturen und damit zu Wirtschaftswachstum geführt hat.'

Thomas Cochran zählte ebenfalls zu den Pionieren, die versuchten, einen direkten Zusammenhang zwischen unternehmerischem Verhalten und Wirtschaftswachstum herzustellen. Bei der Untersuchung kultureller Themen in Lateinamerika arbeitete er drei wichtige Variablen heraus: kulturelle Werte, Rollenerwartungen und soziale Sanktionen. Seiner Ansicht nach zeigt der Unternehmer kein von der Norm abweichendes oder supernormales Verhalten, sondern ist vielmehr ein Mensch, der die „modal personality“ der Gesellschaft verkörpert. Diese Modalpersönlichkeit wird durch die in der jeweiligen Kultur vorherrschende Art der Kindererziehung und Schulbildung bestimmt. Für die spätere Leistung eines Menschen in der Geschäftswelt sind drei Faktoren maßgeblich: seine Einstellung zum Beruf, die von den Sanktionierungsgruppen an sein Verhalten gerichteten Erwartungen sowie die operativen berufs- oder situationsbestimmten Anforderungen. Dabei werden die beiden erstgenannten Faktoren durch das Wertesystem der Gesellschaft bestimmt. Fördert dieses Wertesystem unternehmerisches Handeln, gibt es Wirtschaftswachstum.

Von den Feldtheoretikern, die individuelles Verhalten unmittelbar auf das soziale Umfeld zurückführen, wurde ein anderer Ansatz gewählt. Anhand der Profile erfolgreicher Unternehmer untersuchten sie regionale Unterschiede, familiäre Herkunft, enge frühere Assoziation mit der Geschäftswelt usw. Dadurch gaben sie denjenigen, die unternehmerisches Handeln in bestimmten Situationen analysieren und fördern wollten, einige zusätzliche Anhaltspunkte.' Zur Frage des unternehmerischen Verhaltens in ethnischen oder kulturellen Minderheiten schreibt Frank Young „...when a group has a high degree of institutional and occupational diversity relative to its acceptance in the larger society, it tends to intensify its internal communication with the result that a unified definition of the situation emerges.“ Von diesem Netz enger und treuer Verbündeter, das wir z.B. unter Finanzgebern, Einkäufern und Zulieferern finden, ist immer wieder in den Studien zur Herausbildung unternehmerischen Verhaltens die Rede, und es wird häufig als eines der grundlegenden Merkmale der Unternehmenskultur herangezogen.

Am bekanntesten unter den Wissenschaftlern, die an einer Theorie über den Zusammenhang zwischen schöpferischem Unternehmer und Wirtschaftswachstum gearbeitet haben, dürfte wohl der Harvard-Psychologe David McClelland sein, der in seinem Buch „The Achieving Society“ für die jüngste Vergangenheit den Versuch unternommen hat, ein Wertemuster herauszuarbeiten, das zeitlich stets dem raschen wirtschaftlichen Wachstum vorangegangen ist. Er versuchte, eine Beziehung zwischen wirtschaftlichem Fortschritt und dem in einer Kultur vorhandenen „popular need for achievement“ herzustellen, das er definierte als „the desire to do something for its own sake rather than to gain power, love, recognition or for that matter, profit“. Zu diesem Zweck untersuchte er in erster Linie Lesebuchgeschichten aus verschiedenen geschichtlichen Epochen, wertete diese nach dem vorhandenen Leistungsniveau anhand eines Punkteschemas aus und suchte dann nach einem Maßstab für rasches wirtschaftliches Wachstum. Die Volksmärchen wurden in ihrem Leistungsniveau entsprechend der Häufigkeit und Stärke des Bezuges zu „unique accomplishments, competition with self-imposed standards of excellence, long term involvement and the desire for success in competition with others“ bewertet. Zur Feststellung von Wachstum zog McClelland verschiedene Maßstäbe heran, angefangen von der umstrittenen Methode, den steigenden Stromverbrauch zu erfassen, bis hin zu den durchaus faszinierenden Untersuchungen über die Qualität und den Inhalt von Urnen prä-inkaischer Begräbnisstätten.

Natürlich boten seine Verallgemeinerungen zahlreichen Kritikern viele Angriffsflächen. Dennoch kann McClelland für sich in Anspruch nehmen, als erster die Theorie des unternehmerischen Verhaltens für öffentliche Förderprogramme zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums urbar gemacht zu haben. Seine Arbeiten kennzeichnen einen radikalen Wendepunkt in der Theorie, auf dem Weg zu einem dynamischeren Modell des Unternehmerverhaltens, in dem der Unternehmer sowohl als Produkt der Gesellschaft als auch als Initiator gesellschaftlicher Normen gesehen wird.'

 

 

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