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Der Beitrag des Wissensmanagements zum Umsetzungsproblem


Mit all dem modernen »Wissensmanagement« und dem Interesse, das geistigem Kapital entgegengebracht wird, dürfte es das Umsetzungsproblem eigentlich gar nicht geben. Immerhin ist die Tatsache, dass »der Faktor Wissen für den nationalen und einzelunternehmerischen Erfolg in der Konkurrenz ständig an Bedeutung gewinnt«, allgemein anerkannt. Thomas Stewarts Aussage ist hierfür bezeichnend: »Die neue Wirtschaft beruht auf dem wachsenden Wert des Wissens als Mittel und als Ergebnis. Dies macht Wissen zum entscheidenden Faktor dafür, was gekauft und verkauft wird.«Viele Consultants, Unternehmen und Wirtschaftsautoren betrachten Wissen als eine greifbare Ware, die man erwerben, messen und verkaufen kann. Aus dieser Vorstellung über Wissen und Know-how ergeben sich zwei Probleme: Die Definition von Wissen als etwas Konkretes und Messbares führt zu einer problematischen Trennung zwischen Wissen als materieller Ware und der praktischen Nutzung dieser Ware. Das Ergebnis ist, dass die Bildung von Wissenskapital und der Erwerb oder die Entwicklung von geistigem Eigentum in den Vordergrund rücken (man beachte die Verwendung des Begriffs Eigentum), in der Annahme, dass Wissen, sobald man es sich angeeignet hat, auch sinnvoll und effektiv genutzt wird. Diese Annahme trifft oft nicht zu.

Die praktische Anwendung des Wissens wird zwar in der Fachliteratur und in einigen Managementpraktiken in Betracht gezogen, doch generell genießt dieses Thema vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. Eine Umfrage von Ernst & Young, die 1997 in 431 Unternehmen durchgeführt wurde, zeigt recht deutlich, weshalb Wissensmanagement in den meisten Unternehmen kaum positive Ergebnisse erzielt und sich unter Umständen sogar kontraproduktiv auf die Umsetzung von Wissen in betriebliches Handeln auswirkt. Die Umfrage ergab, dass die Investitionen in Wissensmanagement bei den meisten Unternehmen daraus bestehen, Wissensquellen wie Intranets, Datenpools und Netzwerke aufzubauen, um das Auffinden von Ansprechpartnern zu erleichtern. Zusätzlich werden die technischen Mittel zur Verbesserung der Zusammenarbeit bereitgestellt. Wissen wird damit ähnlich wie jeder andere Rohstoff behandelt, den man sammelt, gemeinsam nutzt und verteilt. Nur selten integrieren die Unternehmen vorhandenes Wissen in Produkte und Dienstleistungen oder entwickeln neue Produkte und Dienstleistungen auf der Basis dieses Wissens. Keines der Wissensmanagementprojekte befasst sich mit der kontinuierlichen Umsetzung von Wissen. Einer der Hauptgründe, warum Wissensmanagement oft nur wenig Nutzen im täglichen Berufsalltag bietet, ist, dass die Manager, Consultants und Informationstechniker, die für die Erstellung der Werkzeuge für das Wissensmanagement verantwortlich sind, nur eine ungenaue Vorstellung davon haben, wie Mitarbeiter Wissen während ihrer Arbeit tatsächlich anwenden. Soziologen bezeichnen dies als »Arbeitswissen«. Wissensmanagementsysteme berücksichtigen meist nicht, dass wesentliche Informationen, einschließlich Fachwissen, oft durch Gespräche, Plaudereien und Zuschauen bei der Arbeit vermittelt werden, wofür die soziale Interaktion ein ausschlaggebender Faktor ist. Dennoch stehen bei den meisten Methoden des Wissensmanagements die Technologie und die Verwaltung sowie die Vermittlung schriftlicher Informationen wie Fakten, Statistiken, vorgefertigte Präsentationen und Berichte im Vordergrund. Im Juni 1997 berichtete der Tagungsausschuss einer Konferenz über die Schaffung und Nutzbarmachung von geistigem Kapital: »Die meisten betrieblichen Initiativen zur Verwaltung des geistigen Kapitals konzentrieren sich auf ganz spezielle Projekte, die sich üblicherweise mit dem Einsatz der geeigneten Technologie zur gemeinsamen Nutzung von Wissen und Anwendung der optimalen Verfahren beschäftigen.« Der Technologie, insbesondere der Informationstechnologie, wird leider ein viel zu hoher Stellenwert eingeräumt. Wie der Bericht des Tagungsausschusses bemerkte, »kann man nicht alle Probleme einfach mit fortschrittlicher Technologie lösen«. Im Gegensatz zu starren Datensystemen wird Wissen, das durch Gespräche und zwischenmenschliche Kommunikation vermittelt wird, gemeinsam mit dem dazugehörigen Lernprozess weitergegeben. Das Lesen von Berichten und die Vorführung von Präsentationen sagt nichts über die Feinheiten der Arbeitsmethoden aus – wie zum Beispiel über Fehlschläge, über angenehme und unangenehme Aufgaben und über die Hilfsbereitschaft oder mangelnde Kooperation von Kollegen. Starre, formelle Datensysteme können arbeitsrelevantes Wissen, das sich nur schlecht in Worte fassen lässt, nicht speichern. Diese Art von Wissen nennt man verstecktes Wissen. Während Unternehmen also Millionenbeträge für die Aufstellung von Wissensmanagement-Teams ausgeben, wird der größte Teil des tatsächlich angewandten, nützlichen Wissens in Gesprächen der Mitarbeiter, Und Lernen aus Fehlern und Erfolgen, durch Beobachtung erfahrener Kräfte bei der Arbeit und durch Schulung und Unterstützung Heuer Mitarbeiter vermittelt. In der oben erwähnten Umfrage von Ernst & Young wurden die Führungskräfte auch dazu befragt, wie sie den Erfolg ihrer Unternehmen hinsichtlich des Wissensmanagements einstufen würden.

 

 

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