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Denken wie ein selbständiger Auftragnehmer bei Chaosmanagement


Mit der Umstellung zur Organisation von Selbständigen ergeben sich nicht nur Folgerungen für die Unternehmensleitung, sondern es erhebt sich die Frage, wie aus einem Befehlsempfänger ein eigenverantwortlich Handelnder wird. Oder konkret: In welchem Umfang wird die Arbeit nur vom bloßen Reagieren bestimmt oder auch vom eigenen Agieren und wie ändert sich dies im Lauf der Zeit? Und wie kann dies überhaupt erkannt und näher spezifiziert werden? Die erste Forderung von Peters zielt dabei auf eine ehrliche Rechenschaft über die eigene Tätigkeit mit den Stichpunkten: Art und Umfang der Tätigkeit, Wertschätzung der Kunden, Kooperationen innerhalb und außerhalb des Unternehmens, Bewertung der Konkurrenzfähigkeit sowie Veränderungen in der Handlungsweise.

Bei periodisch angefertigten Resümees wird der Unterschied zwischen einem Stabsmitarbeiter und einem selbständigen Auftragnehmer deutlich. Während bei dem ersten sich die Berichte stets ähneln, verändern sich bei Selbständigen die Aufgaben, erweitern sich der Kundenkreis und das Netzwerk und es tauchen neue Tätigkeitsfelder auf. Dies trägt sowohl zum Mehrwert des eigenen Unternehmens wie auch des Kunden bei. Diese Resümees verhelfen dem Mitarbeiter zu einer fundierten Einschätzung der Arbeitsplatzsicherheit im eigenen Unternehmen und der Wertschätzung in anderen Unternehmen. Durch diese bürokratisch anmutende Prozedur gewinnen das Unternehmen und die Mitarbeiter, da sie sie zu einer Bestandsaufnahme ihrer effektiven Arbeit zwingt. Auch werden Anstöße registriert, die Möglichkeiten zu Angebotsverbesserungen und neuen Projekten eröffnen. Nachdem immer deutlicher wird, dass es eine Arbeitsplatzsicherheit nicht mehr gibt, wird es für die Beschäftigten immer dringlicher, sich ihrer Qualitäten im Berufsleben zu versichern und diese planvoll auszubauen. Dies bedeutet nicht nur Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen und Fachkongressen, sondern auch den Ausbau des Netzwerkes mit Experten und den gezielten Arbeitsplatzwechsel. Dies versetzt einen nicht nur in die Lage, eine bestehende Position besser auszufüllen, man erwirbt auch die Fähigkeit, eine neue Position zu gestalten. Denn es wird immer wichtiger, sich seinen eigenen Job zu basteln. Peters rät zu dem Mut, den man braucht, um den Schritt von einer abhängigen Beschäftigung in die Selbständigkeit zu tun. Ein solches Verhalten ist aber nur möglich, wenn die Neigungen zur (vermeintlich) übersichtlichen Einbindung bzw. Rückversicherung zurückgestellt werden.

Die Eigenständigkeit erfordert eine ständige Lernbereitschaft –eine Vorstellung, die Chefs und Mitarbeitern gleichermaßen nicht leicht fällt. Möglicherweise kann die Weiterbildung im Unternehmen geleistet werden, der Mitarbeiter hat aber kritisch zu prüfen, ob die angebotenen Lernziele genügen. Ziel dieser ständigen Lernbereitschaft ist die überragende Kompetenz und absolute Autorität. Nicht ausreichend hierfür ist nach Peters Einschätzung die Aneignung des technischen Vokabulars, wie dies an amerikanischen Business Schools vermittelt wird. Vielmehr ist ein tieferes Wissen vonnöten, das durch ein Beziehungsnetz von Experten und Marktparteien erarbeitet wird. Wichtig dabei ist, dass die Ängstlichkeit bei der Schaffung und Pflege des Netzwerks überwunden wird. Dazu gehört auch die Lust an der Auseinandersetzung mit einem Sinn für Humor und dem Spaß am Absurden. Man darf keine Angst haben, sich selbst zum Narren zu machen. Kompetenz und Autorität schafft man nur, wenn man die Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit verliert.

Der Schritt vom Befehlsempfänger zum Selbständigen erfordert letztlich eine neue Persönlichkeit. Die Karriereleiter mit der vorgegebenen Richtung besteht nicht mehr. Der Sozialvertrag der Beschäftigung in einem Unternehmen bis zum Rentenalter ist aufgekündigt. Was Unternehmen heute versprechen können, ist, ständig Kompetenz und Autorität zu gewinnen; nach Überzeugung von Peters ein gutes Geschäft. In der Konsequenz erfordert dies aber eine engagierte Arbeit bis zum Rentenalter, was aber auch zur geistigen Frische und Gesundheit beiträgt. Mit der neuen Entwicklung stirbt die abhängige Arbeit nach vorgegebenen Regeln, der Mitarbeiter hat seine Geschäftstätigkeit zu schaffen und auszufüllen. Dies ist der Kern der neuen freiheitlichen Gesellschaft, die Überwindung der Ohnmacht, verbunden mit Risiken, aber mit auch erheblich mehr Gestaltungsmöglichkeiten in einem demokratisierten Umfeld.

 

 

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