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Das Unternehmen als Netzwerk bei Chaosmanagement


Das Bild der »Kleeblatt-Organisation« wurde von dem britischen Unternehmensberater Charles Handy 1989 geprägt. Diese setzt sich aus einem Kern fest angestellter Mitarbeiter zusammen, die über die Kernkompetenzen des Unternehmens verfügen. Projektbezogen werden Kompetenzen anderer Experten und Unternehmen in Anspruch genommen. Für die weiteren Arbeiten werden kurzfristig Teilzeit- und Aushilfskräfte beschäftigt. Wichtig ist dabei, diese Teile zu einer reibungslos funktionierenden Einheit zusammenzufügen.

Grundsätzlich sind sowohl die Netzwerke wie auch ihre Teile in Art und Umfang ihrer Organisation frei und können sich damit jeder Marktsituation anpassen. Peters liefert hierzu einige prägnante Beispiele aus den unterschiedlichsten Branchen. Über die Frage, Aktivitäten im eigenen Haus zu erledigen oder an andere abzugeben, sind z. B. bei Unternehmen aus der Informationsbranche sehr unterschiedliche Entscheidungen getroffen worden. 1992 betrug der Jahresumsatz pro Mitarbeiter bei Apple Computers 506 000 Dollar. Bei IBM betrug die Vergleichszahl lediglich 218 000 Dollar und bei Digital Equipment 128 000 Dollar. Die Zahlen sind Ergebnisse unterschiedlicher Outsourcingstrategien.

Durch diesen Trend zum Outsourcing konnten und können sich eine Vielzahl kleiner und mittlerer Unternehmen im Markt platzieren. Beispielsweise konnte sich im Umfeld der genannten IT-Unternehmen ein weiteres, spezialisiert auf Computeraufrüstung, mit rasanten Wachstumsraten entwickeln. Wie es nichts Ungewöhnliches mehr ist, dass Kompetenzen anderer Firmen herangezogen werden, können bisher nur intern genutzte Aktivitäten externen Kunden angeboten werden. So ist es durchaus nicht mehr außergewöhnlich, dass Hersteller und Dienstleister mit sich selbst konkurrieren. Vielfältige Chancen eröffnen sich auf dem Markt für Dienstleistungen; genannt werden beispielhaft Sortierung und Verteilung von Post, Wartungsarbeiten für Industrieanlagen, Kreditkartenbearbeitung, Organisation von Logistik und Lagerhaltung bis hin zum Fuhrparkmanagement.

Perspektiven für erfolgreiche Aktivitäten ergeben sich auch durch die Organisation von Komplettangeboten. So können Produktbeschaffung, Anlieferung, Wartung und Reparatur bis zur Entsorgung zu einem kundenfreundlichen Rundummanagement zusammengefügt werden. Wichtig dabei ist, dass sich dieses Angebot lückenlos in die Struktur und Arbeitsabläufe des Kunden einfügt. Die Bündelung der Kernkompetenzen des Unternehmens mit Fähigkeiten anderer zu einem Netzwerk erlaubt ein ganz auf die Forderungen des Marktes abgestimmtes Angebot, von speziellen Problemlösungen bis hin zu einem Rundummanagement.

Voraussetzung für das Funktionieren eines solchen Netzwerkes ist eine reibungslose Kommunikation. Diese Form des Agierens ist erst mit der Einführung der neuen Informationstechnologie zu einer realistischen Konzeption geworden. Dabei können nicht nur vertikal organisierte Unternehmen in horizontale Strukturen gegliedert werden. Auch Vernetzungen zwischen bisher unabhängig handelnden Geschäftsleuten sind möglich wie z. B. überregional tätige Organisationen von Händlern, Architekten oder Rechtsanwälten. Ein weiteres überaus wichtiges Erfolgskriterium für Netzwerke ist das Vertrauen, das nicht nur innerhalb des Unternehmens ausgebildet sein darf. Alle Teile sind Mitarbeiter an der gemeinsamen Aufgabe. Dies beginnt schon bei der Sprache, die vielfach noch ausgrenzende Züge aufweist (z. B. ist der Begriff Outpartnering schöner als Outsourcing). Es müssen auch eine Vielzahl von Verabredungen getroffen werden, um Interessenskollisionen zu verhindern. Überlegenswert ist auch, gewichtigen Auftragnehmern im eigenen Hause Mitgestaltungsmöglichkeiten einzuräumen.

Die Nutzung der Informationstechnologie für interaktive Netzwerke muss nicht auf den gewerblichen Sektor beschränkt bleiben. Um ein Beispiel aus dem Bildungsbereich zu nennen, der Ersatz des Frontalunterrichts durch eine Wissensbank ermöglicht dem Studenten überall, zu jeder Zeit und entsprechend seinem Wissensstand die weiterführenden Angebote zu nutzen. Durch die allseitige Abrufbarkeit wird die Wissensbank zu einem wesentlichen Moment der ökonomischen Infrastruktur und damit Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg.

Bleibt die Frage nach der Langzeitbeständigkeit der Kernkompetenz eines Unternehmens. Generell ist die Kernkompetenz wie die anderen Aktivitäten den Veränderungen des Marktes ausgesetzt. Entsprechend müssen diese auf den neuesten Stand gebracht oder modifiziert werden. Heute kann aber sehr schnell die Situation eintreten, dass eine Kernkompetenz aufgegeben werden muss; bei dem damit verbundenen Verlust an Identifikation und Kundenimage ein gravierender Einschnitt.

 

 

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