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Das Muster kleinbetrieblicher Wachstumsprozesse im Detail - Beschäftigungsbeitrag und Wachstumsmuster kleiner Betriebe


Um das Muster dieser Entwicklung besser zu erkennen und daraus die näheren Umstände des kleinbetrieblichen Wachstums abzuleiten, bedarf es einer detaillierteren Analyse als dies auf der Ebene der bisher verwendeten Branchenaggregate möglich war. Im folgenden wird daher die Beobachtung auf die Ebene einzelner Wirtschaftsklassen (auf insgesamt 186 im Produzierenden Sektor) heruntergebrochen, um daran abzulesen, in welchem Genre die festgestellten Wachstumsschübe vorzufinden sind. D.h., dabei wird stärker evident, welchem Produktionstypus (handwerklich oder industriell) und welchem Wettbewerbsumfeld (z.B. Zulieferersektor oder verbraucherorientiert) die Leistungspotentiale zuzuordnen sind. Ferner interessiert, ob es sich dabei eher um traditionelle oder moderne Branchen handelt und in welchem Umfang die Produktion eine Zentralisierung auf einen Ort erlaubt. Mit dieser differenzierteren Betrachtung ist auch das Ziel verbunden, den substantiellen Gehalt der These zu prüfen, der Aufstieg des Kleinbetriebs ginge vornehmlich mit dem technologischen Wandel einher. In der nachfolgenden Betrachtung wird das Augenmerk vorerst wiederum auf die sich als wachstumsstark erweisenden Kleinbetriebe mit weniger als 20 Arbeitnehmern gerichtet.

In Tabelle 2 sind jene Wirtschaftsklassen, in welchen die Kleinbetriebe relevante Beschäftigtenzuwächse erzielen konnten, in der Rangfolge der per saldo zwischen 1977 und 1994 festgestellten absoluten Veränderungen aufgelistet. Dabei wird ersichtlich, daß sich die deutlichsten Zuwächse im wirtschaftlichen Feld v.a. handwerklich ausgerichteter Tätigkeiten finden. Wie aus den bisherigen Befunden zu erwarten, entfällt ein großer Teil des Wachstumssektors (rund ein Drittel der hier notierten Wirtschaftszweige) auf den baugewerblichen und gartenbaulichen Bereich. Werden diese Aktivitäten, vor allem im Ausbaugewerbe, im einzelnen betrachtet und außerdem die Betriebs- und Arbeitsplatzzuwächse im Bereich der Kfz-Werkstätten oder der Schlossereien usw. berücksichtigt, ist festzuhalten, daß sich die nachgefragten Potentiale auffällig auf das Genre der Reparatur, InstaIlation, Wartung und Pflege konzentrieren.

Daneben finden sich an vorderer Stelle auch „herstellende“ Tätigkeiten, die - wie bspw. der Schornsteinbau - von eher tradiertem handwerklichen Charakter sind. Im übrigen zeigt das Wachstum der Handwerksarbeiten im Bereich der Heizungsinstallation, Wärmedämmung usw., daß kleinere Betriebe auch von den gewandelten ökologischen Anforderungen profitieren. Hier werden mehr und mehr höherwertige Ausbauten bzw. „materielle Dienstleistungen“ modernen Charakters erforderlich. Sieht man von der Herstellung feinmechanischer Erzeugnisse ab, finden sich rein „herstellende“ und gleichzeitig modernere Leistungen, die weniger haushaltsorientiert produzieren, eher im mittleren und hinteren Rangfolgenfeld. Dort erscheinen sie allerdings in zunehmend häufigerer Zahl. Erwähnenswert sind hierbei vor allem die Beschäftigungszuwächse in der Messund Regeltechnik, der Kunststoffverarbeitung, der Herstellung von Maschinenbauerzeugnissen und der von optischen Erzeugnissen sowie das chemigraphischc Gewerbe und die Oberflächenveredelung usw. Dies sind einige Beispiele, die davon zeugen, daß sich im kleinbetrieblichen Wachstumsfeld auch modernere bzw. auch technologieintensivere Wirtschaftszweige finden. Die Liste der Produkte, die für diese Branchen stehen,“ läßt darauf schließen, daß es sich dabei in vielen Fällen um kleine Zulieferbetriebe handelt.

Insgesamt ist festzustellen, daß sich an vorderer Stelle ein nach wie vor wachsendes wirtschaftliches Betätigungsfeld für solche Kleinbetriebe findet, deren Leistungen seit jeher kaum in Konkurrenz zu Großbetrieben stehen. Es ist zudem erkennbar, daß die Leistungserbringung (insbesondere mit Blick auf die baugewerblichen Aktivitäten) in starkem Maße dezentral erfolgt. Vor allem jedoch ist diese Leistungserbringung meist von stark personenbezogenem Charakter. (Rationalisierungspotentiale sind hier in nur geringem Umfang vorhanden.) Letztendlich lassen sich viele der aufgelisteten Betätigungsfelder, insbesondere diejenigen im baugewerblichen Bereich bzw. solche, die sich mit der Reparatur, Wartung oder Installation beschäftigen, dem Bereich der sog. „stofflichen“ Dienstleistungen zuordnen.

Es stellt sich allerdings die Frage, inwieweit dieses Phänomen durch die Einengung auf den Betriebsgrößenbereich mit weniger als 20 Beschäftigten hervorgerufen wird. Eine Erweiterung des Betriebsgrößenspektrums auf den Bereich der Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten ergibt jedoch durchaus ähnliche Resultate. D.h., werden auch hier die Branchen nach der Höhe ihres jeweiligen kleinbetrieblichen Beschäftigtenwachstums aufgelistet, zeigt sich kein wesentlich verändertes Wachstumsmuster: Nach wie vor dominieren hier solche Wirtschaftszweige, die entweder dem baugewerblichen Bereich bzw. dem der sog. „stofflichen Dienste“ zuzuordnen sind. Demgegenüber ist das kleinbetriebliche Beschäftigtenwachstum der moderneren und technologieintensiven Branchen von quantitativ geringerer Bedeutung.

Fazit: Soweit also mit dem seit den achtziger Jahren spürbaren strukturellen Wandel Kleinbetriebe aufgrund veränderter technologischer Rahmenbedingungen zum Hoffnungsträger erhoben wurden, müssen Erwartungen dahingehend gebremst werden, vor allem in den moderneren Branchen stelle sich ein übermäßiges absolutes Wachstum dieser Betriebsgrößen ein. Allerdings haben die Kleinbetriebe in den technologieintensiven Branchen stärker in relativen Maßen zugelegt. Die Beschäftigtenanteile der Kleinbetriebe in der Feinmechanik, Meß- und Regeltechnik, Kunststoffverarbeitung, sonstige Maschinenbauerzeugnisse oder der Herstellung von optischen Erzeugnissen usw. haben sich etwas deutlicher als in einigen der eher handwerklich traditionellen Branchen erhöht.“

Ein solcher Prozentpunktgewinn ist auch bei den Veränderungen der Betriebszahlen zu erkennen.“ Hier zeigt sich ein produktionstechnisches Genre, insbesondere im Investitionsgüterbereich, welches offensichtlich stark durch Spezialisierung gekennzeichnet ist. Die Gesamtkonstellation der Entwicklung legt nahe, daß in diesen Aktivitätsfeldern inhärente Kleinbetriebsvorteile wirken. In einigen dieser moderneren Wirtschaftszweige wird das kleinbetriebliche Wachstum von einer generellen Verkleinerung der durchschnittlichen Betriebsgröße begleitet. D.h. während dort die Beschäftigtenzahlen insgesamt sinken, wächst die Zahl der registrierten Betriebe.

Insgesamt betrachtet mehren sich jedoch die Hinweise darauf, daß die Kleinbetriebe des produzierenden Sektors ein in absoluten Zahlen relevantes Wachstum vor allem dort verzeichnen, wo sich vergleichsweise geringere Rationalisierungspotentiale sowie geringere Möglichkeiten der Produktionsverlagerung ergeben. Dies ist stärker im handwerklich traditionellen Sektor zu verspüren. Hier kommt eine wachsende oder zumindest stabile Nachfrage nach Leistungen zum Tragen, die sich dem Zugriff der Massenproduktion per se entziehen. In relativen Maßen ist dies auch in moderneren Wirtschaftszweigen der Fall; insbesondere dort, wo die Produktion eine höhere Professionalität und Spezialisierung verlangt.

 

 

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