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Das Falsche wird eingetrichtert


Die Saat der Lüge, will uns Jennings damit sagen, kann nur auf dem Humus des Schweigens aufgehen und prächtig gedeihen. und zwar des Schweigens derjenigen, welche die Lüge erkennen ohne ihr mutig entgegenzutreten. Das ist gewiß zutreffend. doch scheint mir das weit größere Problem darin zu liegen, daß es kaum noch jemanden gibt, der die allgegenwärtigen Lügen erkennen kann, weil zum Erkennen falscher Informationen aller Art ein erheblicher Fundus an Wissen und an Kenntnis des Richtigen gehört. Und wie soll dieses Wissen erworben und gesammelt werden können, wenn nahezu alle verbreiteten Informationen falsch sind?! Daß dem so ist, soll mit vorliegender Publikation bewiesen werden.

Meine Grundthese: Was in den Medien (Fernsehen, Rundfunk, Zeitungen, Zeitschriften) von Politikern, Medienschaffenden, Interessenvertretern, Verbands- und Syndikatsfunktionären und von „Prominenten“ aller Art hinsichtlich ökonomischer und gesellschaftspolitischer Phänomene gesagt wird sowie was (diesbezüglich) von Pädagogen aller Art den Kindern und Jugendlichen eingetrichtert wird, ist manchmal Lüge und manchmal Irrtum, fast immer aber ist es falsch. Ob wissentlich oder unwissentlich, Tatsache ist: So gut wie niemand dieser Gruppen vertritt in der Öffentlichkeit auf diesem so umfassenden und wichtigen Gebiet die Wahrheit; entweder weil er sie nicht sagen will – oder weil er sie aufgrund mangelhafte] Kenntnisse oder opportunistischem Anpassen nicht sagen kann.

Überlegen wir: „Öffentliches Gehör“ zu gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Fragen – also Gehör bei den Medien aller Art – finden nicht Individuen des privaten Bereichs, sondern neben den Prominenten der Unterhaltungsbranchen (die in sozioökonomischen Belangen ebenso geschwätzig wie schimmerlos sind) nur politische Vereinigungen, deren Existenz einen Machtfaktor oder ein nennenswertes Wählerpotential darstellt. Solche politischen Vereinigungen werden aber niemals öffentlich zugeben, daß es der Hauptzweck ihrer Politik ist, sich auf Kosten anderer besser zu stellen. Ihre Forderungen und Argumente werden sie stets so verkleiden, daß der Eindruck entsteht, das Geforderte sei ein Segen für das ganze Land oder zumindest für eine Mehrheit der Bevölkerung (manchmal auch für eine bestimmte Minderheit, die gerade die Gunst der Mehrheit genießt).

So werden bspw. Industrieverbände niemals offen sagen, daß sie bei der einen oder anderen Ware für Einfuhrbeschränkungen sind, weil ausländische Produzenten effizienter oder kostengünstiger produzieren und ihnen das Geschäft verderben; und Gewerkschaften werden niemals zugeben, daß sie gegen ausländische Niedriglohn-Arbeiter sind, weil ihnen bei sinkendem Lohnniveau die Mitglieder davonlaufen – oder weil sie dann nicht mehr die Inlandslöhne (zum Nutzen ihrer Mitgliederzahl) in schwindelnde Höhen treiben können. Die Vertreter beider Verbandsarten werden vielmehr argumentieren, die ausländischen Angebote, Güter oder Löhne, seien „unfaires Dumping“ und würden „inländische Arbeitsplätze gefährden“. In Wirklichkeit handelt es sich bei ausländischen Preisunterbietungen in den seltensten Fällen um „Dumping“ (also nicht um Angebote unter den Kosten des ausländischen Anbieters, sondern zu dessen niedrigeren Kosten), und auch der verbohrteste Verbandsfunktionär weiß, daß das künstliche Aussperren des ausländischen Wettbewerbs auf längere Sicht viel mehr inländische Arbeitsplätze vernichten (oder nicht neu entstehen lassen) wird, als bei freiem Marktzugang – vielleicht! und wenn überhaupt, dann nur vorübergehend – verloren gehen würden. Die Argumente von Interessenverbänden bestehen immer oder weit überwiegend aus handfesten Lügen und Täuschungen. Das ist nicht generell und nicht in jedem Fall moralisch zu verurteilen, denn viele Verbände betreiben das für ihre Mitglieder überlebensnotwendige Geschäft, sich gegen die Knebelungen und irrwitzigen Maßnahmen der staatlichen Politik oder anderer Verbände zur Wehr zu setzen. Würde der Staat sich vollständig aus dem wirtschaftlichen Leben eines Landes heraushalten, so wären nahezu sämtliche Industrieverbände überflüssig bzw. überhaupt nicht existent. Weder der Kampf um die Gunst der (Sondervorteile gewährenden) Politik noch der Kampf gegen den Regulierungswahn und den kleptokratischen Zugriff der Politik oder gegen deren (wahltaktisch und machtpolitisch motivierten) diskriminierenden Sonderlasten für bestimmte Gruppen wäre dann noch notwendig oder lohnend. Weil die Realität jedoch ganz anders aussieht, bleibt gleichwohl die Tatsache bestehen, daß Interessenverbände in aller Regel nicht die Wahrheit sagen.

 

 

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