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Bildungswesen für ärmere Bürger


Was das Bildungswesen betrifft, hat sich unsere Vorstellungswelt geradezu auf den Kopf gestellt. Wir fragen, wer sich denn eine sogenannte bessere oder höhere Bildung leisten könnte, wenn die meisten Hochschulen private Anstalten wären. In Wirklichkeit leisten sich derzeit die meisten Bürger – unfreiwillig aber offenbar nicht allzu ungern – den Luxus, für Bildung viel mehr auszugeben als ihnen und ihren Kindern selbst an schulischer Erziehung zugute kommt. In Deutschland zahlen rund 50 Millionen Leute Steuern und Abgaben, um weniger als zwei Millionen Studierenden den Weg zu einem späteren Einkommen zu finanzieren, das über ihrem eigenen liegt. Und sie finden das auch noch gut und gerecht, ganz so als handele es sich beim akademischen Bildungsweg um ein Recht, das wie Manna vom Himmel zu fallen hat. Das Ergebnis kann jeder Ökonomiestudent mit dem Wissensstand des ersten Semesters vorhersagen: Es kommt zur Übernachfrage und zu einem immer schlechteren Angebot. Das ist nämlich überall der Fall, wo für eine knappe Ressource ein niedriger oder gar kein Preis verlangt wird. Allein seit 1970 hat sich die Zahl der Studenten an den deutschen Hochschulen vervierfacht. Während 1970 von jedem Jahrgang nur jeder Zehnte ein Studium aufgenommen hat, ist es inzwischen jeder Dritte. Ein Aberwitz. Auf diesem Wege sind unsere Hochschulen zu überfüllten Massenanstalten geworden, wo sich immer mehr Unqualifizierte, Arbeitsscheue und ratlose Möchtegern-Intellektuelle herumdrücken, unentschlossene Langstreckenreisende in der Wartehalle des Lebens. Und viele der beamteten Professoren auf Lebenszeit können es sich leisten, die jungen Leute mit Wissen vollzustopfen, das kaum noch irgendwo gebraucht wird. Ein akademisch ausgebildeter Betriebswirt hat heute ohne ein Anschlußstudium auf einer der renommierten privaten Business schools nur noch die Wahl zwischen dem Arbeitslosengeld und einem Job als diplomierter Nachtwächter. Und für die Heerscharen von Psychologen, Soziologen und Politologen besteht ohnehin nirgendwo ein Bedarf. In den Siebziger Jahren konnten sie es wenigstens noch vom Randalierer und Hausbesetzer zum Bundestagsmitglied bringen. Heute sind auch diese Chancen verschüttet. Arme Jugend, die mit dem Trugbild von einer scheinbar kostenlosen und scheinbar karriereträchtigen Bildung von den vielfältigen Berufsmöglichkeiten der modernen Märkte weggelockt und stattdessen in eine akademisch verbrämte Frustration geführt wird. In Wirklichkeit werden auf diesem Irrweg Hunderttausende von jungen Menschen mit einem astronomischen Kostenaufwand um ihre Lebenschancen gebracht und ins Unglück gestürzt. Es ist eben eine Illusion, zu glauben, man könne ein ganzes Volk der höheren Bildung zuführen, und das auch noch zum Nulltarif. Beim Studentenboykott vom Dezember 1997 (gegen die geplante Einführung von Studiengebühren) wurden einige der Teilnehmer vor den Fernsehkameras nach den Beweggründen ihres Protestes gefragt. Einer von ihnen faßte die Stimmungslage zusammen, indem er sagte: „Bildung ist Investition in die Zukunft; daran darf man nicht sparen.“ Mein Kommentar für diesen jungen Mann wäre gewesen: Jawohl, deine Bildung ist eine Investition in deine Zukunft, und deshalb solltest du dir das etwas kosten lassen - oder deine Eltern, nicht aber die Steuerzahler.

 

 

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