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Ausgangslage des Unternehmers


Es ist mir ein Vergnügen, den Autoren und Herausgebern dieser Sammlung, in der die Bedeutung des Entrepreneurship in der modernen Geschäftswelt untersucht wird, zu gratulieren. Leider hat die herrschende Wirtschaftswissenschaft die Rolle des Unternehmers lange vernachlässigt. Dadurch ist beim Laien das vorhandene naive Bild des Unternehmers verstärkt worden: das Bild eines funktionslosen Parasiten, der sich selbst auf Kosten der unschuldigen Konsumenten und der hart arbeitenden Bevölkerung bereichert. Diese Sichtweise ist zutiefst zu bedauern; nicht nur wegen ihrer inhärenten Ungenauigkeit und Ungerechtigkeit, sondern auch wegen ihres schädlichen Potentials für das allgemeine wirtschaftliche Wohlergehen. Die Aufsätze in diesem Band leisten einen wichtigen Beitrag, solchen Tendenzen entgegenzusteuern, und fördern gleichzeitig das Wissen um die Bedeutung von Entrepreneurship zur wirtschaftlichen Aktivität und Entwicklung neuer Möglichkeiten.

Es ist nicht schwer zu verstehen, warum die herrschende Wirtschaftswissenschaft den Unternehmer meist in einer Doppelrolle sieht: als Agenten kapitalistischer Aktivität und als analytisches Ärgernis für den Wirtschaftswissenschaftler. Nur durch die vereinfachenden Annahmen des allgemeinen Gleichgewichtsmodells war die herrschende Wirtschaftswissenschaft in der Lage, in der komplexen, modernen Geschäftswelt einen Sinn zu entdecken. Es wurde postuliert, daß die Realität die Gleichgewichtsbeziehungen entsprechend den zugrundeliegenden determinierten Variablen wie Geschmack, zur Verfügung stehende Ressourcen und technologische Möglichkeiten ausdrückt. Was immer die analytischen Verdienste dieses Modells sein mögen, es ist Ausdruck eines Verständnisses von Marktwirtschaft, in der der Unternehmer einfach nichts zu tun hat. Die alleinige Konzentration der Vertreter der herrschenden wirtschaftswissenschaftlichen Lehre auf das Gleichgewichtsmodell veranlaßt sie, den rein profitmachenden Unternehmer in der Wirklichkeit als analytisch lästig (da seine Aktivität nicht in den üblichen Rahmen von Maximierungszwängen paßt) und sein Handeln als, im Prinzip, völlig überflüssig zu betrachten (da im Gleichgewicht die Ressourcen spontan und reibungslos in den Produktionsprozeß fließen und die richtige Technologie und die richtige Produktpalette gewissermaßen von selbst entsteht). Dieser Sichtweise entgeht genau die Aktivität des Unternehmers, die in einer von Natur aus offenen Welt für die jeweilige Stabilität der Marktwirtschaft verantwortlich ist. Wir sind also weit davon entfernt, die unternehmerische Aktivität als überflüssig zu betrachten, denn es ist genau diese Aktivität, auf die wir uns stützen müssen, um ein wie auch immer geartetes Gleichgewicht, dessen wir uns in der Tat erfreuen, herzustellen. Genausoweit sind wir davon entfernt, die Kreativität und das unplanbare schöpferische Tun des Unternehmers als analytisch zu vernachlässigende Größe zu betrachten, denn es ist genau diese Kreativität, die eine gewisse analytische Legitimität in die Gleichgewichtsmodelle der Wirtschaftswissenschaftler bringt.

Es ist wahr, daß wir über den Ursprung und die Natur der unternehmerischen Aufmerksamkeit und Kreativität vieles noch nicht wissen. Und wenn es schließlich möglich wäre, solche Kreativität vollständig zu erklären und vorherzusagen, dann wäre es nicht länger wirklich kreativ! Gleichzeitig bildet unsere wissenschaftliche Neugier, wodurch unternehmerische Vitalität und Aufmerksamkeit inspiriert und geformt wird, eine wertvolle Basis, auf der ein Forschungsprogramm aufgebaut werden kann. Wenn man auch von einem solchen Forschungsprogramm nicht erwarten kann, daß es die herrschenden Gleichgewichtsmodelle in ihrer grundlegenden Bedeutung vollständig ersetzt, so kann man doch hoffen, daß es dazu führt, den Charakter des unternehmerischen Prozesses besser zu verstehen; denn dieser treibt die Marktwirtschaft an und ist letztendlich für die enorme Produktivität dieser Wirtschaftsform verantwortlich. Ich begrüße es daher sehr, daß mit den Aufsätzen dieses Bandes ein wichtiger Beitrag zu diesem dringend notwendigen Forschungsprogramm geleistet wird.

 

 

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