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Auch in der „Dritten Welt“: Die Brücke zwischen Überfluß und Mangel


In diesen Jahren verlagert sich der west-östliche Konkurrenzkampf zunehmend auf das Ringen um P Einflußs hären in der Dritten Welt. Die Nord-Süd-Dimensi- an gewinnt an Gewicht. Auch hier ist Duttweiler weit voran. Die an der Eröffnung der ersten Studientagung der Stiftung „Im Grüene“ im Jahre 1951 geäußerte Überzeugung, die Probleme der Produktion seien optimal gelöst, aber nicht jene der Verteilung, lag ja bereits der Migros-Gründung zugrunde. Wo wäre sie bis heute mehr am Platze als in der Nord-Süd-Dimension? Anläßlich der oben erwähnten 9. Rüschlikoner Studientagung von 1960, die der wirtschaftlichen Integration der Entwicklungsländer gewidmet war, lautete sein Thema denn auch „Das Verteilungsproblem in den Entwicklungsländern“ (Schriftenreihe der Stiftung „Im Grüene“, Band 20, 1961, S. 131 ff.). Er sagt allerdings – „Der Vortrag wurde heute morgen gemacht“ – zum Thema sehr wenig, außer daß der Handel in den Entwicklungsländern mit Recht diskreditiert sei, weil er die Völker ausgenützt habe, und daß deshalb die Genossenschaft nirgends so zweckmäßig wäre wie in diesen Ländern. Er berichtet aber in diesem Zusammenhang eingehend über die zwiespältigen Erfahrungen mit der Migros Türk und Migros Iberia.

Aus der türkischen Erfahrung zieht er einige praktische Lehren, die wahrscheinlich auch heute noch beherzigenswert sind: Eine Schwierigkeit sei, daß nicht nur die Probleme des Warenverkaufs, sondern auch jene der Warenbeschaffung (ohne Schiebertum) zu lösen sind. Es sei deshalb absolut nötig, daß man die Landwirtschaft organisiere. Die Begeisterungsfähigkeit sei groß, größer als in den saturierten Ländern, aber die Entwicklungsländer hätten viel mehr die Menschen, die Fachleute nötig als die Dollars. Die Arbeitskräfte seien da, auch – jedenfalls in der Türkei – die Intelligenz, aber die „Feldwebel“ fehlten, die die Dinge, einmal eingeführt, nachher in guter Ordnung hielten und diszipliniert weiterführten.

Zum Schluß entschuldigt Duttweiler sich wegen der improvisierten Abschweifungen. „Ich habe, glaube ich, die Probleme verstanden: eine andere Frage ist es, ob ich sie irgendwie so rasch Ihnen verständlich machen konnte. Hinter dieser Warenverteilung steckt der Mensch, der kaufende Mensch, die Familie auf der einen Seite, der Händler auf der anderen Seite. Und da ist die große Aufgabe, sich irgendwie auf dieser Schlüsselposition einzusetzen und nachher in die Industrie und die Landwirtschaft vorzustoßen. Es ist mein Glaube, daß der Einsatz des Menschen da am richtigsten ist und am wärmsten empfunden wird.“ Im Klartext kann das eigentlich nur heißen: Praktische Entwicklungshilfe muß beim Handel, bei der Verteilung beginnen – ein Ansatz, der vielleicht zu Unrecht vernachlässigt wurde.Rund um sein eigentliches Thema herum sagte Duttweiler Dinge, die ebenfalls beherzigenswert erscheinen: Er begrüßt zunächst, daß man zum Ausdruck „Entwicklungsländer“ vorgestoßen und damit vom Herrenmenschen-Standpunkt losgekommen ist. „Wir haben nämlich auch zu lernen von diesen Ländern. Es ist gar nichtgesagt, daß ihr Lebensstil nicht eine bessere Erfüllung des Lebens bedeute als der unsrige.“

 

 

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