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Andere soziologische Faktoren – Die einzelnen Stufen des Entrepreneurship


Außer der Rolle der Vorbilder gibt es noch andere soziologische Faktoren, die auf innovative Unternehmer einwirken. Verantwortung für die Familie spielt bei der Entscheidung über eine Unternehmensgründung eine wichtige Rolle. Es ist einfacher, sich für eine Geschäftsgründung zu entscheiden, wenn man 25 Jahre alt ist, wenig Vermögen besitzt, Single und unabhängig ist. Die Entscheidung ist viel schwieriger, wenn man 45 Jahre alt ist, verheiratet, Kinder im Teenageralter hat, die auf ein College gehen wollen, hohe Abzahlungen einschließlich Autoraten leisten muß und einen sicheren, gutbezahlten Arbeitsplatz hat. Kürzlich hat eine Studie über europäische High-potential-Unternehmer festgestellt, daß im Durchschnitt 50 % des Nettovermögens in den Unternehmen steckten. Und wenn man mit über 45 als Unternehmer scheitert, ist es nicht so leicht, neu anzufangen und für eine andere Firma zu arbeiten. Trotz dieser Risiken wagen viele der 45jährigen den Sprung; tatsächlich ist der typische Geschäftsführer von den 500 am schnellsten wachsenden kleinen Unternehmen, nach der Liste der „Erfolgreichen 500“, um die fünfzig Jahre alt.

Das Alter, in dem jemand ein Unternehmen gründet, wird auch von dem Spannungsfeld beeinflußt, das sich aus der Erfahrung, die mit dem Alter wächst, und dem Optimismus und der Energie der Jugend ergibt. Mit wachsendem Alter gewinnt man an Erfahrung, wird manchmal aber auch, wenn man lange in einer Branche tätig war und eine Anzahl von Fehlschlägen erlebt hat, pessimistisch in Bezug auf die Aussichten, erfolgreich auf eigene Rechnung zu arbeiten. Jemand, der gerade genügend Erfahrung gesammelt hat, um sich als Manager sicher zu fühlen, ist aller Wahrscheinlichkeit nach optimistischer hinsichtlich seiner Karriere in der Selbständigkeit. Die ideale Kombination besteht vielleicht in der Zuversicht des Anfängers mit der Erfahrung des Industrieveteranen. Ein Anfänger betrachtet Situationen aus einer neuen Perspektive, im Sinne von: „Es ist machbar“.

Robert Swanson war 27 Jahre alt, als er die Idee zur Gründung eines Unternehmens hatte, mit dem er Biotechnologie gewinnbringend nutzen wollte. Zu diesem Zeitpunkt besaß er noch fast keinerlei Kenntnisse auf diesem Gebiet. Durch Lektüre wissenschaftlicher Literatur machte er die führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Biotechnologie ausfindig und nahm zu ihnen Kontakt auf. „Jeder sagte, ich käme zu früh – es würde noch zehn Jahre dauern bis es möglich wäre, die ersten Mikroorganismen aus menschlichen Hormonen zu produzieren, oder daß es frühestens in zwanzig Jahren möglich sei, dies kommerziell zu verwerten – alle, bis auf Herb Boyer.“ Swanson stützte sich auf Professor Herbert Boyer von der kalifornischen Universität in San Francisco, der Mitinhaber von Patenten war, die, nach Aussagen einiger Beobachter, die Basis der Biotechnologie-Industrie bildeten. Als Swanson und Boyer sich Anfang 1976 trafen, einigten sie sich schnell auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit hei der Herausforderung, die kommerziellen Möglichkeiten der Wiederzusammensetzung der DNA zu erkunden. Boyer nannte ihr Beteiligungsunternehmen „Genentech“, eine Wortbildung aus: „genetic“, „engcneering“ und „technology“. Genau sieben Monate später konnte Genentech seinen ersten Erfolg bekanntgeben: ein gentechnisch hergestelltes, menschliches Hormon des Gehirns, Somatosin. Nach Swanson war ihnen in sieben Monaten Entwicklungszeit gelungen, wofür andere 10 Jahre prognostiziert hatten.

Bevor zukünftige Unternehmer sichere, gut bezahlte und zufriedenstellende Arbeitsplätze aufgeben, sollten sie sorgfältig kalkulieren, welches Einkommen sic aus dem zu gründenden Unternehmen erzielen können, ehe sie ihr gegenwärtiges Einkommen aufs Spiel setzen. Für gewöhnlich ist es fast wie ein Schock, wenn sie sich z.B. bei einer Geschäftseröffnung darüber klar werden, daß sie jährliche Einnahmen von mindestens 400 000 US-$ erzielen müssen, um sich selbst ein Gehalt von 50 000 US-$ plus zusätzliche Leistungen wie Krankenversicherung, Altersvorsorge, Arbeitsunfähigkeitsversicherung, bezahlten Urlaub, bezahlte Krankheitstage, Kantinenzuschuß, Kindertagesstätte und Zuschuß zum Schulgeld, auszuzahlen. 400 000 US-$ pro Jahr, das bedeutet 8 000 US-$ pro Woche, 1 333 pro Tag oder 133 pro Stunde oder 2 pro Minute, wenn das Geschäft an sechs Tagen für 10 Stunden geöffnet ist. Sie werden also sehr viel mehr Stunden arbeiten müssen und wesentlich mehr Verantwortung tragen, wenn sie selbständig sind. Der sicherste Weg, die Haltbarkeit einer Ehe zu testen, ist die Eröffnung eines eigenen Geschäftes, das die einzige Einkommensquelle für die Familie darstellt.

Für die Gründung eines Unternehmens brauchen Unternehmer eine Fülle von Kontakten, wie zum Beispiel Kunden, Lieferanten, Investoren, Banker, Buchhalter und Rechtsanwälte. So ist es sehr wichtig zu wissen, wo man Hilfe finden kann, um ein neues Unternehmen zu gründen. Ein Netzwerk von Freunden und Geschäftsbeziehungen kann eine unschätzbare Hilfe darstellen, die der zukünftige Unternehmer braucht. Diese Beziehungen sind auch menschlich sehr wichtig, denn die Eröffnung eines Geschäftes kann für jemanden, der zuvor in einem großen Betrieb zusammen mit vielen Kollegen gearbeitet hat, eine große Einsamkeitserfahrung sein.

Glücklicherweise gibt es heutzutage mehr Organisationen denn je zur Unterstützung angehender Unternehmer. Oft kostet die Hilfe nur sehr wenig oder ist ganz umsonst. Die SBA (Small Business Administration, A. d. V.) unterhält Existenzgründerzentren in jedem Bundesstaat. Sie unterstützt Forschungsinstitute für kleine Unternehmen und unterhält einen kostenlosen Beratungsdienst von Führungskräften im Ruhestand. Viele Kollegen und viele Universitäten bieten ebenfalls Hilfe an. Einige leisten besonders gute Arbeit bei der Entwicklung von Unternehmenskonzepten und normalerweise fallen für den zukünftigen Unternehmer keine Beratungskosten an. Es gibt mehr als 400 Existenzgründerzentren in den Vereinigten Staaten, die angehenden Unternehmen Gewerberaum zu sehr vernünftigen Preisen vermieten und die Overhead-Kosten niedrig halten, weil sich mehrere Firmen die Kosten für Fax- und Kopiergerät, Sekretariat oder Telefonservice usw. teilen. Existenzgründungszentren sind häufig Universitäten angegliedert, die meist kostenlose Beratung anbieten oder nur geringe Gebühren verlangen. Es gibt eine Fülle von Vereinigungen, wo sich Unternehmer zum Ideen-austausch treffen können. In der Gegend von Boston zum Beispiel gibt es das „Venture Forum 128“, das den Existenzgründern einen Raum anbietet, wo sie sich mit Kapitalgebern, Steuerberatern, Rechtsanwälten und anderen Profis monatlich zwei Stunden zu einem Frühstück treffen können.

 

 

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