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Ambivalentes Erleben und Handeln - Die ökonomisch erfolgreichen Gründer


Es gibt im Berufsleben keine mit der Selbständigkeit vergleichbare Situation, die so ausgeprägt das Umgehenkönnen mit sich gegenseitig begrenzenden Impulsen (Antinomien) erfordert, ohne daß dabei die Kreativität Schaden nehmen darf: Hingabe/Aufgabe, Nähe/Distanz, haben wollen/hergeben, bestimmen/nachgeben, Macht/Ohnmacht und die damit eng verbundene Abwägung von Eigen- gegen Fremdinteresse. Das Ausleben eines Impulses verstärkt das Drängeln des anderen, entgegengesetzten, meist aber die Mobilisierung von Angst. So wird das Eingehen auf finanzielle Forderungen der Mitarbeiter immer Existenzangst auslösen, selbst wenn sie aus finanzieller Sicht weitgehend unbegründet ist. Diese Angst gilt es zu ertragen, sie darf das Erleben und Handeln nicht zu stark bestimmen. Erkennen und antizipatorische Berücksichtigung der eigenen Bedürfnisse und die der Mitarbeiter dürfen sich nicht gegenseitig blockieren.

Dieses Wechselspiel der sich gegenseitig begrenzenden Impulse ist eine reife Leistung, die ständig erbracht werden muß und die auf Dauer emotional stark belastet. Seine Beherrschung ist Ausdruck der Reife der Persönlichkeit und bestimmt die Loyalität der Mitarbeiter und Kunden wesentlich. Die Beherrschung der in einem steckenden ambivalenten Impulse setzt voraus, daß diese im Erleben zugelassen werden können. Sie zuzulassen ist der erste Schritt zum Erfolg. Geschieht dies nicht, sind sie dennoch da und beherrschen unbemerkt das Handeln. Pichler und Fröhlich betonen die Bedeutung von Werthaltungen für den Erfolg. Werthaltungen basieren auf der Fähigkeit, Beziehungen herzustellen, zu halten und ambivalent zu erleben und zu handeln.

Bei diesen Überlegungen wird von einer Einzelgründung ausgegangen. Bei Gemeinschaftsgründungen ist es hingegen möglich, daß Ängste und Defizite durch sich ergänzende Persönlichkeitsstrukturen über einen längeren Zeitraum kompensiert werden können. Die Aufnahme eines Partners ist in solchen Fällen zugleich auch Ausdruck der Fähigkeit, sich selbst realistisch einzuschätzen. Kreativität in einem Schema darzustellen mag Widerspruch hervorrufen, ist jedoch sehr hilfreich. Wenn kindliches Interesse sich entfalten kann, wenn der Aufforderungscharakter der Welt, ihre stimulierende Wirkung groß ist, wenn Hingabe und Sinnicrkraft – eine Form des In-sich-Ruhens – hinzukommt, dann entsteht Kreativität. Kreativität bedeutet nicht Spitzenleistung, sondern Entfaltung und Umsetzung der in einem steckenden Kräfte. Erfährt die keimende Kreativität eine positive Sozialisation, was immer Angstfreiheit, Selbstbestimmung und Handlungsspielraum bedeutet–, geht sie einher mit einer guten Ausbildung und viel Erfahrung, wobei die Kreativität die Erfahrung sucht, und wird sie in ein Wertsystem eingebunden, das Selbständigkeit als Entfaltungsmöglichkeit vorsieht, dann ist der Weg für die Umwandlung der Kreativität in unternehmerische Kreativität frei.

Unternehmerische Kreativität muß nicht zwangsläufig zu einer Gründung führen, sondern es bedarf dazu weiterer Faktoren wie Vorbilder, technische Umbruchsituationen, ökonomisch-gesellschaftliche Voraussetzungen, Berufserfahrung und auf der psychischen Seite wiederum Erfahrung, Entfaltungsdrang sowie in sehr unterschiedlichem Ausmaße archaisches Unabhängigkeitsstreben. Das Bedürfnis nach Selbstheilung steckt in den bereits erwähnten psychischen Beweggründen, aber manchmal kann es der dominierende Grund für das Handeln sein. Damit der Gründung dauerhafter ökonomischer Erfolg beschieden ist, sind psychische Grundfähigkeiten unabdingbar. Diese werden zumeist über eine positive Sozialisation angelegt und sind weitgehend für die Ausbildung einer gewinnbringenden Erfahrungsverarbeitung, für antizipatorisches Denken und Handeln und im besonderen Maße für ambivalentes Handeln verantwortlich. Das Besondere an psychischen Prozessen wie dem der Entwicklung von Kreativität besteht darin, daß sie nie beendet sind und daß sie sich auch nur bruchstückhaft vollziehen können. Das erklärt, warum bestimmte positive psychische Verhaltensweisen isoliert auftreten können, von denen jedoch nicht ohne weiteres auf den Reifungsgrad der Persönlichkeit geschlossen werden kann.

 

 

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