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Aber gerade Sie als Christ sollten doch die Ethik des Teilens hoch halten und auch aus religiösen Gründen für die Armen eintreten.


Wer bis jetzt noch nicht gemerkt hat, daß es bei allem, was ich gesagt habe, viel mehr um die Interessen der Armen als um die Interessen der Reichen ging, hat entweder nicht aufmerksam zugehört (gelesen) oder wollte bestimmte Dinge nicht wahrnehmen. Es ist richtig, daß ich die christlichen Gebote sehr ernst nehme. Diese decken sich jedoch keinesfalls immer mit den kirchlichen Erlassen, und schon gar nicht mit den meisten Parolen der Politpfaffen, die eher dem Brevier des Zeitgeistes entstammen als der Bibel. Das fängt damit an, daß im Neuen Testament nichts von einer „Ethik des Teilens“ zu finden ist, sondern ausschließlich eine „Ethik des Gebens“ angemahnt wird. Und ‚geben’ – das kann man nicht nachdrücklich genug unterstreichen – ist immer ein freiwilliger Vorgang! Der amerikanische Freiheitsdenker Jeffrey Tucker hat einmal darauf aufmerksam gemacht, daß die meisten Sozialisten nicht ohne Grund gegen die Institution des Schenkens – z.B. zum Weihnachtsfest – sind. Im Geschenk findet sich eine stringente Begründung des persönlichen Eigentums und der kapitalistischen Eigentümerökonomie. Um geben zu können, müssen wir zuerst etwas im Eigentum haben. „Kollektiveigentum“, das in Wirklichkeit gar kein Eigentum ist, kann und darf niemand verschenken. Kollektiveigentum bedeutet das Ende allen Schenkens und Gebens. (s. Tucker 1997) ‚Geben’ ist nicht nur nicht dasselbe wie ‚teilen’, sondern beide sind sogar Gegensätze. ‚Teilen’ beruht auf der Idee, daß es entweder kein persönliches Eigentum gibt, oder daß es keines geben sollte. ‚Geben’ aber beruht ebenso sehr auf dem Phänomen des persönlichen Eigentums wie das Selber-Behalten. Die Bibel spricht ausschließlich vom Geben, nicht vom Teilen. So finden wir dort beispielsweise die Sätze: „Geben ist seliger denn nehmen“ (Apostelgeschichte 20,35); „Gebet, so wird euch gegeben“ (Lukas 6,38); „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“ (2. Korintherbrief 9,7); „Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen...“ (Matthäus 6,2). Wo das Wort ‚teilen’ in der Bibel überhaupt einmal fällt, da steht es im Zusammenhang mit einem Erbgang, wie in Lukas 15,12: „Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie.“ Und der berühmte ,barmherzige Samariter’ hat nicht deshalb Eingang ins Gleichnis gefunden, weil er unter Zwang sein Eigentum mit dem von Wegelagerern niedergeschlagenen Opfer geteilt hätte, sondern weil er von diesem seinem Eigentum freiwillig etwas gegeben hat, nämlich Öl und Wein, Verbandsstoff und Geld für den Herbergswirt, bei dem der Wundgeschlagene übernachten konnte. Irgendein sarkastischer Zeitgenosse hat einmal gesagt: „Der barmherzige Samariter hat etwas von seinem Geld abgegeben, um zu hellen, aber er hat bestimmt nicht seine Kreditkarte hinterlassen, von welcher der Bedürftige sein Leben lang hätte abbuchen lassen können.“ Jedenfalls steht fest: Hätte dem barmherzigen Samariter ein Vorgesetzter befohlen, das alles zu tun, so hätte diese Figur gewiß keine biblische Berühmtheit erlangt.

Mit diesem freiwilligen Geben hat das verschwenderische Gießkannenprinzip des Sozial- und Wohlfahrtsstaates, der die Mittel für seine machtpolitischen Umverteilungsorgien mit Zwang und Gewalt und unter Androhung von Strafe, Gericht, Polizei und Gefängnis aus den Bürgern herauspreßt, überhaupt nichts gemein. Und deshalb haben Sozial- und Wohlfahrtsstaat auch nicht das geringste mit der Ethik des Gebens und Schenkens zu tun – und auch nichts mit dem christlichen Glauben und den christlichen Geboten. Da es unter den Theologen selten oder nie einen Ökonomen gibt, haben die Herren das leider noch nicht gemerkt. (In den USA sieht das gottlob anders aus. Einige Theologen zählen dort zu den führenden Köpfen der Klassisch Liberalen und der Libertarians. In Europa ist mir als einzige Ausnahme der bescheidene Schweizer Pfarrer Peter Ruch als ein Mann bekannt, der zugleich Gottesdiener und kundiger Freiheitsdenker und stringenter Marktwirtschaftler ist). Wenn Sie sich als Christen bekennen, zugleich aber das Privateigentum nicht nur als unantastbar, sondern sogar als Quelle des Rechts, der Gerechtigkeit und der Moral ansehen, dann besteht da eben doch ein Widerspruch, weil die Bibel eindeutig eigentumsfeindlich, also antikapitalistisch ist. Die meisten Sozialisten mögen zwar die Bibel nicht, sehen deren Aussagen aber eindeutig auf ihrer Seite und als Bestätigung ihrer Theorien. Die Eigentumsfeindlichkeit der Bibel ist ein übles Gerücht, das sich um so penetranter am Leben hält als die Kirchendiener selbst diesen Unsinn nachplappern. Die beiden Schlüsselbegriffe des Liberalismus, die als zwei Seiten derselben Sache zusammengehören, sind ‚Eigentum’ und ‚Vertrag’. Nehmen wir uns unter diesem Aspekt einmal die Zehn Gebote – oder jedenfalls den überwiegenden Teil dieser Gebote vor: Das 6. Gebot ,Du sollst nicht töten’ ist das in Verbotsform gefaßte Spiegelbild des John Locke’schen ,Unveräußerlichen Rechts auf Leben’. Es ist die komprimierte Form eines weitergefaßten Sinngehalts, nämlich des Verbots, jemanden zu verletzen, jemandem Gewalt anzutun oder ungerechtem Zwang auszusetzen – sei es durch Individuen, durch Gruppen oder durch das Kollektiv. Das 7. Gebot, Du sollst nicht ehebrechen’ gemahnt daran (wie auch das neunte), daß Verträge gehalten werden müssen. „Die historische Verknüpfung zwischen dem biblischen Gedanken bindender Versprechen und der westlichen Idee bindender Verträge“, schreibt Gary North, „ist offensichtlich genug.“ (North 1975, 1992) Das 8. Gebot ,Du sollst nicht stehlen’ spiegelt das Recht auf unantastbares Privateigentum. Es verbietet – in breiterer Ausführung – alles, was unseren eigenen materiellen Besitz (oder den unserer Nachbarn) in irgendeiner Weise beeinträchtigen würde. Dieser Schluß ist zwingend, denn etwas, das niemandem gehört, kann auch nicht gestohlen werden. Das 9. Gebot verbietet das Lügen. Die Grundidee des freien Marktes impliziert die Annahme, daß die am freien Tausch beteiligten Partner sich nicht gegenseitig betrügen. Das, was der Liberalismus, Harmonie der Interessen’ in einer freien Ordnung nennt, hängt wesentlich von der freiwilligen Befolgung dieses Gebotes ab. Das 10. Gebot ,Du sollst nicht begehren...’ bedeutet, daß es bereits eine schwere Verfehlung ist, darüber nachzudenken, wie man anderen etwas wegnehmen könnte. Das Gebot komprimiert die Gebote 6 bis 9 und gibt ihnen ein zusätzliches Gewicht im Sinne der Unantastbarkeit der Person und ihres Eigentums. Dieses Neidverbot gilt natürlich nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für Gruppen oder Regierungen.

Das ,no harm`-Prinzip des strikten Liberalismus finden wir schließlich in einer nochmaligen Komprimierung aller zehn ( Gebote (außer dem ersten), nämlich im zweiten Gebot: ,Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.’ Viele Anfeindungen hätte sich dieses Gebot erspart, hätten die Übersetzer der Urschrift statt der ‚Liebe’ das Wort ‚Achtung’ gewählt. Welcher Liberale oder Libertäre würde nicht den Inhalt des Gebots unterschreiben, daß man dem Nachbarn helfen soll ( persönlich helfen soll), wenn er in Not gerät, sowie – auch und vor allem -, daß man ihn achten soll wie man sich selbst achtet. Die „goldene Regel“ des Liberalismus lautet ja, populär ausgedrückt: „Was du nicht willst daß man dir’s tut, das füg auch keinem andern zu.“ Auch das 5. Gebot, Du sollst Vater und Mutter ehren’ ist der Aufmerksamkeit eines jeden ernsthaften Freiheitsdenkers wert, denn es impliziert, daß die Familie (und nicht das Kollektiv!) die grundlegende soziale und ökonomische Einheit der Gesellschaft sein muß. Während der gesamten Menschheitsgeschichte war die Familie die einzig taugliche Wohlfahrtseinrichtung. Sie war es, die ihre kranken und bedürftigen Mitglieder versorgt, die Kinder erzogen und die Alten gepflegt hat – und die in Zeiten der Not zusammengehalten hat. Eine freie Gesellschaft kann nur eine Gesellschaft mit starken Familieneinheiten sein, die für sich selber sorgen und das Leben ihrer Mitglieder in eigener Verantwortung gestalten. Aus alledem wird ersichtlich, daß dem Wesen und Inhalt der christlichen Grundprinzipien auf der Ebene gesellschaftlicher Ordnung nur die freie Marktwirtschaft entsprechen und genügen kann. Nicht ohne Grund konnten und können wir überall auf dem Globus feststellen, daß ihr Widersacher – der Sozialismus – immer und überall, wo er sich auf dem Globus manifestiert, – ein System der Lüge ist (gegen das 9. Gebot), – ein System der Heuchelei ist, das angeblich den Profit verachtet, ihn aber nur den Individuen entreißen und dem Staat – sprich den Funktionärskasten – zuschanzen will, – ein System des Todes ist (gegen das 6. Gebot), dem das Ziel der utopischen Idealgesellschaft jedes Mittel heiligt – auch das Opfer beliebig vieler Menschenleben; – ein System des Vertragsbruches ist (gegen das 7. Gebot), das es sich – wie die ehemalige Sowjetunion – sogar als Ruhm anrechnet, von zahllosen Verträgen keinen einzigen jemals nicht gebrochen zu haben, ein System des Diebstahls ist (gegen das 9. Gebot), dessen ganze Existenz auf dem Prinzip beruht: Stehlen, berauben, enteignen, – ein System des Neides ist (gegen das 10. Gebot), das den Neid institutionalisiert und zur klassenkämpferischen Staatsdoktrin erhebt, ein System der Nächstenverachtung ist (gegen das 2. Gebot), in welchem der einzelne nichts gilt und wo sich die edelsten Gefühle der Menschen auf das Kollektiv und seine „geliebten Führer“ konzentrieren sollen, ein System der Familienzerstörung ist (gegen das 5. Gebot), dem die intakte Familie ein Greuel ist und stets als Brutstätte der bürgerlichen Moral und als Hort des Widerstandes gilt, der mit seinem Autonomie-Denken der Vergötzung des Kollektivs widersteht. Nichts also ist falscher als die – leider auch in liberalen Kreisen oft zu hörende – Behauptung, die Bibel sei eine Art Anleitung zum Sozialismus. In Wirklichkeit ist der Appell zur persönlichen (individuellen!) Mildtätigkeit und zur freiwillig gebenden Barmherzigkeit das krasse Gegenteil zur erzwungenen und anonymen Umverteilungsmaschinerie des Sozialismus (inklusive des Samtpfotensozialismus in Form des Sozialstaates). Solange die Menschheit auf der Erde wandelt, hat es immer Arme und Elende unter den Menschen gegeben – und es wird sie immer geben. Daß ihnen freiwillig und von Person zu Person (als dem „Nächsten“) geholfen werden sollte, wird wohl kein Liberaler – auch kein Radikalliberaler und auch kein Anarchokapitalist von sich weisen. Genau das aber besagen die Worte Jesu unablässig: Das persönliche Mitleid zählt, die individuelle Hilfe, die freiwillige Karitas. Und das ist das Gegenteil von Umverteilungsstaat, von Sozialismus und von politischem Sozialkleptokratismus. Genau das, die freiwillige und persönliche Karitas, ist nämlich die einzig mögliche liberale Alternative zum zwingenden, freiheitsvernichtenden, anonymen und uferlosen Wohlfahrts-Kollektivismus. Daß dies von den Funktionärskasten der großen Kirchen und von den neupharisäischen Politpfaffen des sozialdemokratischen Jahrhunderts völlig anders gesehen wird, daran ist nicht die Bibel schuld, sondern die Sozialpathologie der Neuzeit, der zutiefst christentumsfeindliche Götzenkult um das Goldene Kalb des Sozialen und Kollektiven. Außerdem: Nirgendwo in der Heiligen Schrift steht irgendetwas davon geschrieben, daß keinem etwas oder allen alles gehören sollte. Im Gegenteil! Das Eigentum wird in doppelter Weise (`nicht stehlen’ und nicht begehren) durch strenges göttliches Gebot geschützt. Kein real existierender Staat der Erde und keine geschriebene Verfassung der Menschheitsgeschichte hat jemals einen derart absoluten, unbezweifelbaren und stringenten Eigentumsschutz deklaratorisch niedergelegt. Wenn die christlichen Kirchen glauben, sie könnten auf Dauer mit der Schizophrenie überleben, einerseits für den Sozial- und Umverteilungsstaat einzutreten und andererseits die christlich-abendländische Werte- und Glaubenswelt bewahren zu wollen, dann werden sie und ihre Lehren langsam aber sicher von der geistigen und gesellschaftlichen Bildfläche Europas verschwinden. Wenn man die christlichen Fundamentalprinzipien – wie Unantastbarkeit des Eigentums, Gewaltlosigkeit, Freiwilligkeit des karitativen Handelns, und hohe Wertschätzung der individuellen Person (wegen der Einzigartigkeit der individuellen Seele) – aufgibt und sie dem kollektivistischen und zwingenden Umverteilungsstaat ausliefert, dann hebt sich dieser Widerspruch auf, indem er zu Null wird. Und Null heißt in diesem Fall Gleichgültigkeit. Daß die Bevölkerung – und insbesondere die Jugend – sich zunehmend gleichgültig gegenüber den beiden christlichen Kirchen verhält, ist gewiß keine Neuigkeit mehr. Wer sich darüber wundert, hat noch nicht gemerkt, daß die Botschaft der Kirchen kaum noch von der Programmatik der Linksparteien zu unterscheiden ist. Als fünfte oder sechste sozialdemokratische Partei Deutschlands aber ist Kirche in der Tat überflüssig. Und mit ihrer Verbeugung vor dem sozialsozialistischen Zeitgeist begehet sie, um es in biblischer Metaphorik auszudrücken, den vierten Verrat des Petrus.

Der Sozialismus andererseits muß der Religion feindlich gesinnt sein, denn er beansprucht selber den Status einer Religion, und zwar der angeblich einzig wahren Religion. Besonders feindlich muß der Sozialismus der christlichen Religion gegenüberstehen, denn sein Grundgedanke ist die innerweltliche Selbsterlösung des Menschen; und damit ist er die radikale Antipode zur christlichen Lehre der außerweltlichen Erlösung durch Gott. Diejenigen Kirchenfunktionäre, die den Sozialismus – oder zumindest den Weichspüler-Sozialismus des Sozialstaates unterstützen, betreiben in Wahrheit das Geschäft der politischen Götzenpriester. Sie stimmen ein in den anmaßenden und blasphemischen Kultgesang menschlicher Selbsterlösung und gesellschaftlicher Heilserwartungen. Und das ist eben gleichbedeutend mit der Abkehr von der Heils- und Erlösungslehre des christlichen Glaubens. Wenn es in Deutschland eine gesellschaftlich aktive Gruppierung gibt, die das Christentum besonders wirksam zerstört, dann sind es die Herren in den schwarzen Talaren selber.

Der Sozialismus ist, wir sollten das endlich begriffen haben, keine humanitäre Idee, sondern eine theorie-implizite Massenmord-Theorie, eine uralte und teuflische Mischung aus romantischem Utopismus und illusionär-überheblichem Hyperrationalismus bezüglich der „Machbarkeit“ des Menschen und seiner Welt. Seine quasi-religiöse Dynamik muß notgedrungen alles aus dem Weg räumen, was seinem paradiesischen Ziel entgegensteht. Seine „weiche“ Form, der Sozialsozialismus und Umverteilungsstaat, betreibt diese Aufräumarbeiten nur mit weniger harten Bandagen als der „harte“ Sozialismus, gewissermaßen mit angezogener Handbremse, indem er sich gegenüber seinen Untertanen (zunächst) auf die Massenentrechtlichung und den Massenzwang beschränkt. Wer diese reißende Bestie stoppen will, indem er auf sie aufspringt und als Parasit auf ihr mitreitet, der ist von allen guten Geistern verlassen, auch vom Geist des wahren Christentums.

 

 

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