Economia48 Projekt Wirtschaftslexikon Management Lexikon Lexikon Wirtschaft
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

Aber es gibt doch nicht nur die Eigentumsrechte, sondern auch bestimmte andere Rechte, wie z.B. das Recht auf Arbeit, auf Bildung, auf Wohnung usw., und diese Rechte sind Bestandteil der sozialen Gerechtigkeit.


Nein, bei alledem handelt es sich nicht um ‚Recht’. Leider ist auch hier die deutsche Sprache unscharf. Im Englischen nennt man solche angeblichen „Rechte“ entitlements, also Ansprüche. Es handelt sich dabei um Ansprüche, welche von den Parteien und Politikern bestimmten Personengruppen zugeschanzt werden, um sie als Wähler zu gewinnen. Diese Ansprüche können am Markt nur durchgesetzt werden, wenn man zugleich originäre Rechte verletzt. So muß z. B. das Eigentumsrecht und die Vertragsfreiheit eingeschränkt oder in Teilbereichen abgeschafft werden, damit man bestimmten Bürgern unter Zwang die Mittel entziehen kann, mit welchen solche ‚Ansprüche’ finanziert werden, und damit diese beraubten Bürger ihre originären Rechte nicht mehr durchsetzen und schützen können. Ein Recht auf Arbeit, Bildung usw. gibt es in der Tat, aber in einem dem üblichen Wortgebrauch entgegengesetzten Sinn. Das unverletzliche Eigentumsrecht der Person hat nämlich selbstverständlich auch zum Inhalt, daß beispielsweise jeder Mensch selbst und in eigener, unbehinderter Autonomie entscheiden kann, was, wann, wo, wie lange und zu welchem Preis er arbeiten will. Genau das wird ihm heute durch Gesetze und Kartellvereinbarungen (Tarife) verwehrt. Es hat also im Namen der „sozialen Gerechtigkeit“ eine vollständige Begriffsverwirrung und eine perverse Umkehrung rechtlicher Standards stattgefunden.

Es führt kein Weg an der Alternative vorbei: Entweder Gerechtigkeit – oder Ungerechtigkeit unter dem Schwindeletikett „soziale Gerechtigkeit“. Anders gesagt: Entweder unantastbare – und für alle Menschen gleichermaßen gültige – persönliche Rechte (= Freiheit) oder beliebig manipulierbare Sonderrechte und Sonderpflichten für verschiedene Menschengruppen (= Unfreiheit). Es gibt nur ein Entweder-Oder, kein Sowohl-als-auch! Gerechtigkeit erfordert die Herrschaft des Rechts, für das Individuum ebenso wie für die Gesellschaft. Und das heißt methodisch: einfache und für alle gleiche Regeln des rechten und gerechten Verhaltens, und inhaltlich: Schutz der Person und ihres Eigentums. „Soziale Gerechtigkeit“ hingegen ist ein Begriff, der beliebig definiert und interpretiert werden kann, heute so und morgen anders, von einer Partei auf die eine Weise und von einer anderen Partei auf die andere Weise. Es ist ein leerer Ausdruck, der von den politischen Akteuren willkürlich in den Dienst des Machtgewinns gestellt werden kann. Er dient immer der Bevorzugung einer oder mehrerer Gruppen der Bevölkerung und geht immer zugleich zu Lasten einer oder mehrerer anderer Gruppen; letztlich dient er der Anscheinslegitimation der Politik für Eingriffe in die persönlichen Rechte der Bürger. Friedrich A. von Hayek hat deshalb fast sein ganzes Gelehrtenleben lang gegen diesen Lügenbegriff gekämpft. Einige Beispiele aus seinen Schriften mögen belegen, wie eindringlich er sich dem Thema gewidmet hat: „Mehr als zehn Jahre lang habe ich mich intensiv damit befaßt, den Sinn des Begriffs, soziale Gerechtigkeit’ herauszufinden. Der Versuch ist gescheitert; oder besser gesagt, ich bin zu dem Schluß gelangt, daß für eine Gesellschaft freier Menschen dieses Wort überhaupt keinen Sinn hat.“ „Die völlige Inhaltslosigkeit des Begriffs ‚soziale Gerechtigkeit’ zeigt [sich] an den Tatsachen, daß es keine Übereinstimmung darüber gibt, was soziale Gerechtigkeit im Einzelfall erfordert; daß ferner keine Kriterien bekannt sind, nach denen entschieden werden könnte, wer recht hat, wenn die Leute verschiedener Ansicht sind...“ „Der Grund dafür, daß die meisten Leute weiterhin fest an eine soziale Gerechtigkeit glauben, auch wenn sie entdeckt haben, daß sie nicht wissen, was sie bedeutet, liegt darin, daß sie meinen, es müsse etwas an dieser Phrase sein, wenn fast alle an sie glauben.“ (Hayek 1977, 1992).

An anderer Stelle schreibt Hayek: „Das Schlagwort, soziale Gerechtigkeit’ [ist] keineswegs, wie die meisten Leute wahrscheinlich empfinden, ein unschuldiger Ausdruck guten Willens gegenüber den weniger Glücklichen... Wenn die politische Diskussion redlich werden soll, ist es notwendig, daß die Leute erkennen, daß der Ausdruck intellektuell anrüchig ist, ein Kennzeichen der Demagogie oder des billigen Journalismus, den zu benutzen verantwortlich Denkende sich schämen sollten, weil sein Gebrauch, sobald die Leerheit dieses Ausdrucks erkannt ist, unredlich ist... Ich habe immer stärker das Gefühl, daß der größte Dienst, den ich meinen Mitmenschen noch erweisen kann, der wäre, wenn ich die Redner und Schriftsteller unter ihnen dazu bringen könnte, sich gründlich zu schämen, jemals wieder den Ausdruck ,soziale Gerechtigkeit’ zu benutzen.“ (Hayek 1981, Bd. 2, S. 134)

 

 

Diese Seite als Bookmark speichern :

 

 

Weitere empfehlenswerte Webseiten:

Sind Hidden Champions partnerschaftsfähig?

Der M&A-Prozess im Turnaround durchläuft im Wesentlichen sechs Phasen:

Die Optimierung der individuellen Stärken

 

Startseite | Themen | Projekt | Kontakt | Impressum | Rechtliche Hinweise

1| 2| 3| 4| 5| 6| 7| 8| 9

Copyright © 2011 All rights reserved. Wissensarchiv für Wirtschaft