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... zur politischen Mobilisierung – „handelsmessianische Besessenheit“


Der Hinweis auf die Hunderttausende von Unterschriften zeigt noch einen weiteren Aspekt der „Tiefenpropaganda“: Es ging nicht nur darum zu informieren, einzustimmen und auf der Ebene der Meinungsbildung zu solidarisieren, sondern auch um die Mobilisierung einer eigentlichen Tatgemeinschaft: Migros war nicht eine Unternehmung, die ihren Kunden gegenüberstand, sondern eine Bewegung, die das Volk einschließen und von diesem mitgetragen werden sollte. Auch dazu war natürlich der Boykott eine treffliche, wenn nicht überhaupt eine notwendige Voraussetzung. Zwar hätte es gefährlich sein können, daß er zum Schutz des Mittelstandes der kleinen Einzelhändler verhängt wurde, aber es wurde Gottlieb Duttweiler, wie noch zu zeigen sein wird, leicht gemacht, dahinter die dunklen Machenschaften der Großindustrie und der internationalen Trusts zu identifizieren. Außerdem konnte er immer wieder an urschweizerische Werte wie Freiheit, Leistung, Unabhängigkeit, Verantwortungsbewußtsein usw. appellieren.

Diese Mobilisierungskraft der Migros erwies sich immer wieder als Stärke, auch bei der Gründung des Hotelplans, wurde aber natürlich auch zunehmend als Problem wahrgenommen, je mehr die Migros-Bewegung den politischen Charakter erhielt, der zumindest in dieser Kampfphase unvermeidlich war. Doch auch diese Gefahr hat Duttweiler mit seiner offenbar ausgeprägten Sensibilität für Stimmungen frühzeitig gewittert. Wenige Wochen nach der Ankündigung einer Wahlliste der Unabhängigen am 19. September 1935, werden die Statuten der Migros AG am 14. Oktober ergänzt durch die Bestimmung, daß der Reingewinn ausschließlich zu wohltätigen Zwecken verwendet wird, solange ein Mitglied des Verwaltungsrates dem Parlament angehört. Der Geschäftszweck wird erweitert und schließt u.a. die Unterstützung aller Bestrebungen ein, die geeignet sind, die schweizerische Volkswirtschaft zu beleben. Gottlieb Duttweiler selbst erklärte,

daß er die Hälfte seines Salärs für die gemeinnützigen Bestrebungen der Migros g

AG zur Verfügung stelle (Häsler, S. 93 f.).

 

 

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