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„Wir müssen aufholen“ – Ausblick für Entrepreneurship


Das zweite Argument lautet: „Wir müssen aufholen.“ Gemeint ist der vergebliche Versuch, durch bloße Rationalisierung den Wettbewerbsvorsprung der anderen zu egalisieren. Mag auch die neue Maschine vorzüglich sein, das teure Umfeld bleibt. Die deutsche Textilindustrie ist ein gutes Beispiel dafür, wie der Versuch, durch die Investition in kapitalintensive Technologie zu rationalisieren, dem Rennen zwischen dem Hasen und dem Igel gleicht. Der Igel ist immer schon da. Der Untergang wird aufgeschoben, aber nicht verhindert.

Gemeint ist ein Aufholen ohne Phantasie, das „me too“, eine Jagd auf Erste ohne Visionen. Wenn japanische Firmen in den letzten Jahren zunehmend Fahrzeuge in den USA bauten und damit zeigten, daß Qualität und kostengünstige Produktion nicht nur innerhalb Japans möglich sind, dann heißt Aufholen für General Motors, Ford oder Chrysler, das Management der Japaner unter die Lupe zu nehmen und ihm nachzueifern. Wenn die Deutschen Spitzenpositionen lediglich in der Anwendung von Mikroelektronik, nicht aber in der Systementwicklung einnehmen, dann lautet die Quintessenz des Generalsekretärs des Verbandes deutscher Elektrotechniker, daß man möglichst frühzeitig ein detailliertes Wissen darüber brauche, was komme, denn wer die Besonderheiten von in Entwicklung befindlichen Elektronik-Bausteinen auch nur ein halbes Jahr später als die Konkurrenz kennenlerne, gerate in einen unaufholbaren Rückstand. Nacheifern mit schnellem Blick auf das, was andere erfinden – das war's? Riskiert der Imitator und Käufer integrierter Schaltungen dann nicht, daß in naher Zukunft auch noch Montagehilfen, Fertigplatinen und ganze Gerätschaften mitgeliefert werden und die deutsche Wettbewerbsposition in der Anwendung von Chips dahinschmilzt wie der Schnee im Frühjahr? Man rennt hinterher und nicht vorneweg, wenn es an Ideen mangelt.

Nun gibt es Förderprogramme, die für die Aufholjagd eingesetzt werden. Sie entspringen der Phantasie von Verwaltern und sind wenig geeignet, den Mangel an unternehmerischen Fähigkeiten und Talenten zu beheben. Das Lernziel lautet im Blick auf das Zuckerbrot finanzieller Zuwendungen dann, alles zur Erfüllung der Kriterien von Förderprogrammen zu tun und den bürokratischen Dschungelkampf listenreich zu bestehen – Entrepreneurs entstehen so nicht, eher schon Systeme der Fehlorientierung und Anreizverhinderung. Als Unternehmer durchzuhalten, eine Idee zur praktischen Reife zu bringen, ist etwas anderes, als sich im Gestrüpp von Antragsverfahren, Bewilligungsauflagen und Sachberichten zu bewegen.

Die in Deutschland praktizierte Technologieförderung orientiert sich weniger an den ,Techniken des 21. Jahrhunderts', eher schon an den Defiziten der achtziger Jahre. Weil, so kommentiert Erich Staudt von der Universität Bochum, überall dieselben Experten befragt würden, trieben die Förderungsstrategen ihre Kliente wie Lemminge auf überbesetzte Felder – wie die der Multimedia oder der Kommunikation. Der Mythos vom Informationszeitalter würde beschworen, obwoh. doch klar sei, daß kein Unternehmen oder Forschungsinstitut wettbewerbsrelevantes Wissen – also die eigenen Wettbewerbsvorteile – in offen zugängliche Informationssysteme eingeben würde. Eine technikzentrierte Industriepolitik füi altindustrielle Herrschaften greife zu kurz.

 

 

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