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„Wir müssen Forschungsergebnisse rasch umsetzen“ – Ausblick für Entrepreneurship


Das dritte Argument, man möge Forschungsergebnisse ökonomisch unverzüglich nutzen, klingt zunächst plausibel. Je mehr Forschungsergebnisse, desto mehr Unternehmensgründungen? Je mehr Nobelpreisträger im Land, desto mehr moderne Technologie und wettbewerbsfähige Industrie? Liegt ein Schlüssel zum Erfolg im Transfer, darin, den Prozeß der Anwendung von Forschungsergebnissen in der Praxis um der Wettbewerbsfähigkeit willen zu beschleunigen? Warum sind dann so viele Technologiezentren nicht ausgelastet?

Entscheidend ist die Akzeptanz auf dem Markt. Der Leitsatz „Von der technologischen Forschung rasch in die Praxis“ verweist auf einen fundamentalen Denkfehler: Es wird von einer Ressource – dem Forschungsergebnis – ausgegangen statt vom Markt. Aber nicht Ressourcen-, sondern Marktorientierung ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Einführung von Produkten. Wer auf den raschen Transfer setzt, unterschätzt, daß sich dieser Transfer in der Regel über den Markt abspielt. Technologische Entwicklungen sind nicht automatisch auch schon marktreif und finden Kunden. Am Fax-Gerät läßt sich dies illustrieren. Seine Technologie wurde vor Jahrzehnten in Deutschland entwickelt, das Gerät wurde von Kunden jedoch nicht nachgefragt. Erst später führten japanische Firmen die deutsche Erfindung mit Erfolg am Markt ein.

Hinter Marktorientierung verbirgt sich mehr als nur die Kenntnis der Praxis. Die Umsetzung technologischer Entwicklungen verlangt eine intuitive Einschätzung der Marktbewegungen, Risikobereitschaft, Empathie für die Wünsche von Konsumenten auch auf lange Sicht hin; es sind jene Fähigkeiten, die den Entrepreneur auszeichnen. Nicht die Forschungslogik entscheidet über den Erfolg technologischer Entwicklungen, sondern der Konsument am Markt. So, wie die Umsetzung der Kernkrafttechnologie und Genforschung auf Widerstand der Konsumenten stieß und politisches Einlenken bewirkte, wurde auch die Entwicklung der Pflanzenschutztechnologie durch Konsumenten ausgebremst, die sich gegen Chemierückstände in Lebensmitteln wehrten. Der Willensbildungsprozeß der Konsumenten vollzieht sich öffentlich – über Medien vermittelt und, wenn nötig, in sozialen Bewegungen mündend.

Nota bene: Gerade der Computerbereich ist ein Beispiel dafür, daß die Entwicklungen dort von Marktentscheidungen geprägt werden, weniger von Forschungsstrategien oder -ergebnissen. Das wirtschaftliche Potential des Internet ist zwar aus einem Universitäts- und Forschungszusammenhang in den sechziger Jahren ntstanden, was aber im Moment geschieht, ist nur aus einer culture of entre)reneurship heraus zu erklären. Ob die Entwicklung vom PC hin zum NC veräuft, ob und wie sich die Virtualisierung von Unternehmen durch „Intranet“ weiterentwickelt, hat wenig mit High-Tech-Forschung zu tun, sondern mehr mit Entscheidungen darüber, wie unter neuen Bedingungen der Vernetzung auch tleinster Computereinheiten Firmen organisiert werden können. Prominent werfen nicht mehr die Forscher, sondern die adventure capitalists. Sie sind die ei;entlichen Künstler. Einer von ihnen, der Kalifornier Radja McNamee, sagt über las Internet: Das Spiel sei weitgehend offen, entscheidend seien neue Ideen, um rus der Verbindung schon bekannter und vorhandenen Techniken neue Anwenlungen zu extrapolieren.

loch ein zweiter Einwand spricht gegen das Argument vom ökonomischen Nutzen raschen Transfers, der Sachverhalt nämlich, daß sich Forschungsort und Anwendungsort entkoppeln lassen. Länder, die längst nicht zur Spitzengruppe ler Forschungsnationen gehören, man nehme Korea, Taiwan, Singapur, Malaysia )der Thailand als Beispiel, sind forschungsintensiven Ländern am Markt überlesen. Warum? Nicht nur des niedrigen Lohnniveaus wegen, sondern auch deshalb, weil sich ein Weltmarkt herausgebildet hat, auf dem man Technologie einkaufen and dort plazieren kann, wo komparative Kostenvorteile entstehen. Dieser Entkoppelungsprozeß wird flankiert von neuen globalen Kommunikationssystemen, neuen Wartungssystemen mit weltweiter Repräsentanz, einer auf den vorbeugenden Austausch von Ersatzteilen zielenden Wartungstechnologie sowie der Möglichkeit, die Qualifikationen, die früher den Beschäftigten abverlangt wurden, als embodied technical progress mit einzukaufen.

Forschung führt längst nicht mehr in jenem Maße zu Wettbewerbsvorteilen jenes Landes, in dem Forschung stattfindet, wie dies früher der Fall war. Die Wettbewerbsfähigkeit einer Nation läßt sich nicht mehr an der Zahl der Forschungseinrichtungen und ihren Leistungen ablesen. Die Position, eine hochindustrialisierte Nation wie Deutschland müsse sich ganz auf Forschung und Entwicklung – auf ,Blaupausen` – konzentrieren, übersieht diesen Sachverhalt. Sie übersieht auch, daß Forschung und Entwicklung lohnintensiv sind. Es kann künftig für die klassisch hochentwickelten Länder billiger sein, Forschung in China oder Indien in Auftrag zu geben, an Qualität muß dabei nicht gespart werden.

 

 

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