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„Neu-kombinieren“ - Für eine neue Kultur unternehmerischen Handelns


Ein junger Mensch, der gesellschaftliche Problemlagen erkennt, sie aufgreifen und ihnen praktisch etwas entgegensetzen will, ist ein Stück mit einem Künstler vergleichbar. Wie in der Kunst erfordert eine innovative Leistung nicht selten die Besessenheit von einer Idee. Und wie der Künstler, der einen eigenen Stil in die Welt

setzen will, hat auch ein Entrepreneur, der eine neue Idee durchsetzen will, oft eine Phase sozialer Zurückweisung durchzustehen. Wir kennen solche Kapitel aus den Biographien großer Künstler und Schriftsteller ebenso wie aus denen berühmter Unternehmer der ersten Generation. Diese Phase, die oft mit hohen persönlichen Opfern, waghalsigen Experimenten und dem mitleidigen Lächeln der etablierten Mitwelt verbunden ist, bildet Reiz und Risiko im Leben des Künstlers wie des Unternehmers. Ohne solche ungesicherten Anfänge, mit denen neue Entwürfe auf den Weg gebracht und hohe Anforderungen an Mut und Durchhaltevermögen gestellt werden, sind spätere Erfolge in der Regel nicht zu haben. Die Qualität der unternehmerischen Idee ist dabei von ausschlaggebender Bedeutung. Ob man sich am Markt erfolgreich durchsetzen oder gerade so über Wasser halten kann (und daher gezwungen ist, die Ellenbogen und all die kleinen Schwindeleien und Tricks einzusetzen), hängt sehr ab von der Qualität der Konzeption, mit der man im Wettbewerb angetreten ist.

„Think ceramic“, sagt Thijs Nel, Schriftsteller, Maler und Töpfer in Magaliesberg bei Johannesburg. Als Töpfer kam ihm die Idee, wie man bessere Häuser bauen könnte (vgl. The Nation, Aug. 7, 1995). Traditionell bauten die Bewohner der townships ihre Häuser aus Lehm; die Wände wurden dabei mit Stöcken und Zweigen zur Verstärkung armiert. Das Problem dabei ist, daß Termiten kommen, das Holz fressen und in den Wänden herrliche Wasserkanäle übrigbleiben. Mit dem Ergebnis, daß die Häuser im regnerischen Wetter nicht lange halten. Nei's unternehmerische Idee könnte man ungefähr so formulieren: Stellen Sie sich eine Tasse vor. Stellen Sie die Tasse auf den Kopf. Lassen Sie die Tasse vor Ihren Augen immer größer werden und denken Sie sich Löcher in die Tasse. Nennen Sie die Tasse jetzt: Haus! Diese hausgroße Tasse mit Öffnungen als Fenster muß nun gebrannt werden. Wie Töpferwaren sonst auch, mit einem Feuer, das eine hohe Temperatur erzeugt. Sie können das Feuer als Dorffest organisieren. Das Ergebnis ist ein Haus, das weitaus haltbarer ist als die bisherigen Hütten, aber trotzdem kaum teurer. – Der Künstler als Architekt und Entrepreneur, mit einer Idee, verblüffend einfach und praktisch vorgeführt. Jeder sein eigener Hausbauer, Töpfer, Künstler. Ziemlich wahrscheinlich sogar, daß die Siedlungen schöner anzusehen sind als die Leistungen unserer Facharchitekten.

Taugt die Idee nicht viel oder ist sie nicht ausgereift, dann helfen auch die Förderprogramme nicht, die jetzt allerorten angeboten werden. Im Gegenteil – es könnte auch so sein, daß sie ablenken, daß man versucht, ins Förderprogramm zu passen, statt eine „auf einen selbst geschneiderte Idee“ zu erarbeiten. Es würde daher nicht überraschen, wenn nach dem Gründungsrauschen – nicht ganz im Sinne der Förderprogramme – ein Pleiterauschen einsetzte. Immerhin sind schon jetzt mehr als die Hälfte aller Neugründungen nach Ablauf von fünf Jahren nicht mehr existent.

 

 

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